Sommer

Die Luft ist satt,
ja übersatt vom Duft der Linden.
Die Erde ist Gelb von Fortpflanzung.
Süchtig schreien die Vögel.
Enten betteln um Brot.
Brüste locken.
Jugend welkt.
Die Farben täuschen Leben vor.
Tod liegt in der schwangeren Luft.

Herbstag

Nun ist der Sommer vorbei
Und wir hatten doch nie einen.
Nun wird es kälter
(Das klingt wie ein Schlagwort)

Die Blätter fallen. Und ich
kann mich nicht mit ihnen
auf ein Thema einigen.
Sie fallen zu laut.

Ich bin nicht traurig.
Die Sonne scheint.
Und wer weiß schon
Was noch passiert.

Nur habe ich kein Thema
Und ich halte mir meine Ohren zu.

Ich könnte auch in die Vergangenheit fürchten

und mich an alles erinnern was jetzt blutet.

Ich könnte mich auch verhärten

und glauben ich wäre im Recht damit.

Oder ich könnte behaupten

das ich daraus gelernt habe

und deshalb lächeln und

angeblich nicht mehr wütend sein.

Ich könnte jetzt denken

es macht mir nichts aus.

Meine Heimat verleugnen

die mich krank gemacht hat.

Ich könnte auch überlegen lächeln.

Wissen das alles gut wird.

Aber irgendwann muss ich

dieses Gedicht auch einfach zu ende bringen.

Treptow

Bleib bei mir, Nacht
(wo du schon mal da bist!)
und kühle meine Haut.
Kühle meine Gedanken,
lass sie fortfahren.
Der Fluss steht still.
Du – bist mir Heimat.
Dunkel steht der Park,
die Wiese duftet.
Meine Seele fliegt nicht mehr. Sehnsucht tut mir gut zu dieser Zeit. Ich löse mich auf.
Bis morgen

Vicky und Thomas

Ein verregneter Nachmittag
in den Farben einer Eckkneipe.
Draußen gehen Menschen vorbei
die schlechte Gedichte schreiben.

Sie trinken schlechtes Bier
und behandeln ihre Eltern so
wie sie von ihnen
behandelt wurden.

Im Radio singt Vicky Leandros,
die 70er sind vorbei,
und die Männer merken es nicht.
Sie küssen am Abend ihre Frau.

Damals waren die Frauen in
Tommy Ohrner verliebt.
Sie küssen ihren Mann zurück.
Vicky hat aufgehört zu singen.
Und dann gehen beide ins Bett.

Heut Nacht Heut Nacht

Damals gingen wir nach Hause,
rochen nach Bier und Wein mit Cola.
Nichts ergab Sinn
aber wir glaubten es.

Damals gab es keine Meinungen
nur Welten.
Aber auch Welten sterben.
Was wir machten war ungesund.

Wir kreuzigten unsere Unsicherheit.
Feierten Messen mit unserer Musik.
Unsere Eltern waren nicht Böse.
Sie hatten nur Unrecht.

Nichts davon möchte ich zurück.
Es ist ok das es vergangen ist.
Es war der Tod, er tat weh.
Aber es war schön und gut und wahr.

Minimalismus

Einfach wie
ein Becher Kaffee.
Simpel wie
ein Morgenspaziergang.
Natürlich wie
unsere nackten Körper.
Mein Bett an jedem Tag.
Dies ist mein Tisch
an dem ich esse,
meinen Magen fülle,
damit mein Körper bekommt
was er benötigt.
Ich atme.
Ich finde dich attraktiv.
Bald habe ich wieder Hunger.

Ich erfinde dich.

Ich erfinde dich,
damit ich mich mit dir
zudecken kann.

Ich erfinde dich,
damit ich morgens
aufstehen kann.

Mein Bild von dir
verdeckt die
anderen Menschen.

Die Haut von dir
riecht nach Erinnerungen
an Träume von früher.

In deinen Augen
kann ich deutlich
meine Vergangenheit sehen.

Ich erfinde dich
weil ich nicht
an dich glaube.

Ich denke über uns nach.

Ich mag dein Lachen.
Deine Haare duften nach Sommerwiese.
Deine Augen strahlen.
Aber ich liebe dich nicht.

Deine Beine fühlen sich gut an.
Ich streichel sie gerne.
Deine Haut schmeckt gut.
Aber ich kann nicht mit dir schlafen.

Ich möchte lieben.
Gerade dich.
Aber wo sind meine Gefühle?

Hab ich sie nur für Geschichten?
Muss ich nur warten?
Und darf ich dich trotzdem küssen?

Kein Feuer. Keine Kohle

Wir sind keine Gewinner.
Nicht mal erste Wahl.
Wir beenden keine Sätze.
Und keine Musik läuft wenn wir uns küssen.

Ich töte dir keine Drachen.
Du rettest mich nicht vor mir selbst.
Vielleicht inspirieren wir nicht.
Und die Sterne leuchten auch für andere.

Wir gewinnen keinen Oskar.
Du trägst kein Abendkleid.
Ich habe einen Bauch.
Wir sind nicht überlebensgroß.

Doch das was wir sind
ist richtig und ruhig.
Es lebt und wir sind da.
Es verbrennt uns nicht.