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Erinnerung

Inspiriert von Knarf Rellöm und Murkel.

Ich erinnere mich an ein Verkehrsschild am Hafen von Travemünchen.

Ich erinnere  mich an Gras und das schreien von Möwen. An Labskaus und Dolomitieis.

Ich erinnere mich an das seltsame Gefühl im Bauch wenn einer von den Fünf Freunden gefesselt und eingesperrt wurde. An Handschellen die ein Mädchen, als Cowboy verkleidet,  an Fasching mitgebracht hat.

Ich erinnere mich an das Geräusch, das die Gitarre von Paul McCartney machte am Anfang von „I feel fine“, das im Zimmer meiner Schwester spielt. Ich fragte mich wie man das macht.

Ich erinnere mich daran 26 mal „Räuber Hotzenplotz zu lesen. Hintereinander, bis meine Mutter mir ein Buch von Erich Kästner gibt. Ich las dann alles, was ich von ihm finden konnte. Und das war viel.

Ich erinnere mich an den Geschmack von Schaumküssen im März, während ich die Kinderfassung von „Zar und Zimmermann“ höre.

Ich erinnere mich an das dumme Gelächter der Erwachsenen, als ich einen entfernten Verwandten sieze.

Ich erinnere mich daran von anderen Kindern zu denken. „Ihr seid kindisch!“ und „Ich verstehe euch nicht!“ Die Erwachsenen hab ich auch nicht verstanden.

Ich erinnere mich an meine eigene Welt. An Abenteuer und erste Liebesgeschichten, die sich nicht um mich drehten.

Ich erinnere mich an Dramen auf Klassenreisen, die ich romantisch fand. (Ein Mädchen verschwand kurze Zeit aus Liebeskummer)

Ich erinnere mich an Buchstaben. Und das mir das Berlin der 20er wirklicher vorkam, als das was ich sah.

Ich erinnere mich, das ich immer weniger lust auf irgendwas hatte.

Ich erinnere mich an die Sonne, den Schnee und Waldspaziergänge.

Ich erinnere mich an einen Bordauxroten Pullunder, den ich zu Weihnachten trug. Mein Vater trug den gleichen.

Ich erinnere mich an ein Mädchen, das sich bei uns Jungs umgezogen hat.

Ich erinnere mich an die merkwürdige milchig-durchsichtige Flüssigkeit die auf einmal aus mir rauskam. Und an die Phantasien dazu, die nichts mit Sex zu tun hatten.

Ich erinnere mich an Nerds und Aussenseiter.

Ich erinnere mich an dieses winzige Wäldchen, das auf meinem Schulweg lag, und das seltsam war in der Vorstadt in der ich aufwuchs.

Ich erinnere mich an Geschrei auf dem Schulhof, während ich an meinem Lieblingsplatz stehe.

Ich erinnere mich daran, wie mich mein großer Bruder beschützt.

Ich erinnere mich an Farben, Gerüche, schleimige, aber leckere Soße. Ich erinnere mich an Familie, Zusammenhalt und Liebe.

Ich erinnere mich an mich.

(Anmerkung: Travemünchen heißt eigentlich Travemünde)

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Über lnmyschkin

Grummeliger Bär und Denker. Schreiber von Geschichten und Gedichten.

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