Es regnet

Gregor trat in die kalte Herbstluft. Es war noch früh. Sozusagen. Aber er fühlte sich nicht wohl da drinnen. Zwischen den Menschen, die doch irgendwie seine Freunde waren. Er steckte sich eine Zigarette an, schmiss sie aber gleich wieder weg, weil ihm schlecht wurde. Es fing an zu regnen.

Gregor mochte den Regen. Hatte ihn immer gemocht. Vieleicht weil ihm immer zu warm war. Der Regen erfrischte ihn. Gregor ging langsam ,dachte nach und wurde immer feuchter. Er sah auf den Boden um die Menschen um ihn herum nicht sehen zu müssen und seine Gedanken besser zu hören. Da fiel Gregor eine Frau auf. Sie war schick angezogen und kenntnisreich geschminkt. Er fragte sich ob sie die Schminke als Schutz trug. Obwohl sie lange Ärmel trug, fielem ihm, als sie sich kratzte, Verbände auf. Er verstand und schloss seine Augen.

„Kann ich ihnen helfen?“, hörte er sich sagen. Sie schüttelte den Kopf. Trotzdem kamen sie ins Gespräch. Beide hatten viele Gemeinsamkeiten. Er ging mit ihr nach Hause. Sie sprachen viel. Über Goethe und Hölderlin. Über Punk und Kunst. Er fragte sie ob er wiederkommen durfte. Sie schüttelte ihren Kopf, aber kurze Zeit später klingelte sie bei ihm. Diesmal sprachen sie über Gefühle. Sie merkten das sie sich ähnelten. So blieben sie zusammen. Er verband sie ab und an, sie hielt ihn in den Armen. Manchmal schlugen oder würgten sie sich. Manchmal hatten sie wütenden, verzweifelten Sex. Oft taten sie sich auch gut. Sie wussten wie es ist.

In Wirklichkeit ging er einfach weiter. Sie war bestimmt nicht alleine. Wartete hier auf Jemanden. Sie würden sich eben nicht gut tun. Er war nicht stark genug. Aber es war etwas dran. Er wusste nur nicht was er mit dieser Ansprache machen sollte. Er schüttelte seinen Kopf, und überlegte ob er noch ein Bier trinken sollte.

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Suche

Ich suche dich
schon lange.
Ich glaube fast
es gibt dich nicht.

Mein Blut schreit
nach dir. Ich halte
mir die Ohren zu
und schaue aus Fenstern.

Meine Seele ist
voller Spinnweben.
Das Glück ist
weit weg.

Ich esse und trinke,
schlafe nachts.
Sehe den Blättern
beim Fallen zu.

Ich sehe auf meine
Adern und lächele
ironisch. Dann
gehe ich weiter.

Ich suche dich
schon lange.
Ich glaube fast
es gibt dich nicht.

Hoffnung

Für A.

 

Ich liege in deinem
Schatten. Kauere
mich zusammen.
Komme zur Ruhe.

Ich bin zu spät
gekommen.
Für alles. Nun bin
ich aus dem Takt.

Ich renne mir
meinen Kopf blutig
an den Wänden
die mich umgeben.

Ich rede Unsinn.
Du drehst mir
die Worte um
bis ich lächele.

Meine Nerven
schreien Laut.
Du überreizt sie,
bis sie wieder einrasten.

Gütig wie Mondlicht.
Stark wie eine Bärin.
Hoffnung gebend
wie eine Möwe.

Krach

Verloren in
großen Menschenmengen.
Schweigend untergehen
in einer Woge aus Lärm.

Kniend im Regen.
Erstickend im T-shirt.
Gequält von der eigenen
Person.

Kann nicht folgen.
Nicht verstehen.
Der Fernseher
läuft jeden Tag.

Die Welt scheint
mich anzuschreien.
In der Ecke sitzen.
Kopfschütteln.

Ich glaube, ich
würde mich mögen
wenn ich mich nur
selbst bemerken würde.

Emilie

Es war das Ende des Monats, aber Tamara und Noah schafften es mit Nudeln, Ölsardinen und aus dem Supermarkt geklautem Wein ein leckeres Abendbrot herzustellen. Sie saßen auf dem Boden und langsam wirkte der Wein.Sie waren seit einem Jahr zusammen – ca. – und in ihren Augen sahen sie was sie heute Abend auch noch machen wollten. Ihre Lippen trafen sich.

Was sie nicht wussten, war die Tatsache, dass aus dem Sex der nun folgen sollte, eine Tochter entstand. Zwar hatten sie ein Kondom benutzt, aber das war wohl schadhaft gewesen. Die Tochter war nicht geplant, sie liebten sie und zogen sie gemeinsam auf.

Als Emilie sechs Jahre alt war, wohnten ihre Eltern nicht mehr zusammen. Beide hatten jemand anderes kennengelernt. Die Trennung war unspektukulär, und sehr leise. Für manche sah es so aus, als wäre es gar keine Trennung gewesen. Tamara und Noah sprachen manchmal auf eine Art, die einsame Menschen wehmütig machen konnte. Ihre Partner waren nicht eifersüchtig.

Sie wussten alle fünf, dass sowas auch anders laufen konnte. Niemand war mehr erstaunt als sie, dass es funktionierte. Aber es war nichts weniger als ein Märchen. Es regnete, es gab Streit und das Geld reichte immer noch nicht. Aber sie verhungerten nicht, und Emilie konnte mit ihnen ins Kino gehen. Auch lasen sie viel.

Manchmal gab es etwas zu feiern. Dann stellten sie Tische zusammen und kochten und aßen. Noah liebte Schokoladenkuchen. Alle unterhielten sich über Politik und lachten trotzdem. Manchmal schwieg Tamara lange. Die anderen kannten das schon.

Manchmal hatten sie Sehnsucht. Nicht immer nach den selben Dingen oder Wegen. Dann gab es Streit der offen ausgetragen wurde. (Noah war allerdings gut darin mitten im Streit wegzulaufen. Aber er kam immer wieder.) Das Leben war ruhig.

Im Herbst fuhren sie alle an die Nordsee. Eines Abends saßen Noah und Emilie am Strand und sahen der Sonne beim Untergehen zu. Emilie schwieg. Noah wusste was sie meinte.

Sonnenblumen, Katzen, Elefanten

Eine Sonnenblume
auf dem spitzen Hut des
Bürgers. Ein Nachmittag
mit Katze und Maus.

Eine Berührung von
zwei Körpern die zur
Lust führt. Ein Abend
für zwei Menschen.

Eine Welt in der
das meiste Falsch läuft.
Und es nichts zu nützen
scheint wenn man sich liebt.

Eine Welt, die ich auch
nicht verstehe.
Keine Lösungen.
Keine Nationen.

Ich versuche nur,
stark zu sein und
kein Arschloch. Und nun
genug große Worte.

„Man bringt also unsern armen Andreas in die Sakristei, und er kann leider nichts mehr reden, er macht nur eine Bewegung, als wollte er in die linke innere Rocktasche greifen, wo das Geld, das er der kleinen Gläubigerin schuldig ist, liegt, und er sagt: »Fräulein Therese!« – und tut seinen letzten Seufzer und stirbt.

Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod!“

Die Legende vom heiligen Trinker (Joseph Roth)