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Stille

Der Mond gefällt mir ohne Wolken nicht.“
  (Mokichi)

Er saß im Dunkel als sie nach Hause kam. Als sie fragte warum er im dunklen saß, schüttelte er nur stumm den Kopf. Sie kannte das schon von ihm. Er war kein sehr gesprächiger Mensch. Er war freundlich, offen, aber nicht gesprächig. Sie redete gern und viel, gerade deswegen mochte sie ihn so gern. Er ließ sie aussprechen.

Er hatte gekocht, aß aber nicht mit. Saß und grübelte. Sie betrachtete ihn. Kannte das schon. Er machte sich Sorgen. Überdachte sein Leben. Sie machte sich Sorgen um ihn. „Warum liebst du mich?“, hatte er sie einmal gefragt.Sie wusste das nicht. Sie war mit ihm zusammen, weil sie es wollte. Er tat ihr gut. Auch sie mochte diese Gedanken vom weißen Riter in strahlender Rüstung. Aber das Bild war falsch. Das wusste sie. Rüstungen schimmerten nicht. Und wenn sie es taten, waren sie Ausstellungsstücke. Er war einfach da für sie. Er tat viel, und was noch wichtiger war: Er tat vieles nicht. Sie hatte ihm, „Du bist kein Arschloch und versuchst auch keines zu sein.“ geantwortet. Das hatte er nicht verstanden. „Das ist doch nichts. Das ist pure Selbstverständlichkeit!“, hatte er beleidigt ausgerufen. Sie konnte nur mit ihren Achseln zucken. Wie sollte sie es besser beschreiben? Wie ihm erklären das sie bei ihm blieb, weil er sie nicht verändern wollte, sie aber immer unterstützte wenn sie es dann doch tat. Mit Lob und Kritik. Das sie zu Hause war bei ihm. Gerade weil er nichts tat als zuhören, und ab und an zu widersprechen.

Sie streichelte seinen Rücken. Er zuckte zusammen. Da wusste sie das er nervös war. Sie seufzte. Er sprach immer noch nicht. Machte sich klein. Er spürte nicht was er hatte. Nicht die Dinge. Die waren schön, aber nicht weiter wichtig. Sein Leben war schön, nur sah er das nur aus der Ferne. Wie unter Wasser. Er hatte das Gefühl niemanden erreichen zu können. Das entsprach nicht der Wahrheit. Er war einfach nur still. Das forderte zur Stille heraus. Das verstand er noch nicht, so viel er über die Stille auch wusste. Sie hoffte das sie es schaffte ihn davon zu überzeugen.

Sie war keine Märtyrerin. Sie litt nicht. Das war ihr wichtig. Sie wollte mit ihm leben. Ihre Freunde wunderten sich über sie. Sie lächelte nur darüber. Nicht einmal ihre Mutter verstand es. Sie litt nicht. Sie war keine Märtyrerin. Sie lebte ihr Leben. Das war alles. Das war genug.

Zur Verdauung sahen sie aus dem Fenster. „Wir sollten uns trennen.“, sagte er tonlos. „Nein.“, sagte sie bestimmt. Dann umarmte sie ihn.

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Über lnmyschkin

Grummeliger Bär und Denker. Schreiber von Geschichten und Gedichten.

6 Antworten zu “Stille

  1. stefanini

    In meinem Kopf sorge ich für eine Fortsetzung.

    • Das macht mich neugierig… 🙂

      • stefanini

        Ich vergleiche die Atmosphäre zwischen den beiden Menschen mit einem Paar, das ich kenne; das aber so langsam arg daran zu knabbern hat, dass er grüblerisch und stets mit pessimistischer Grundstimmung ist; während sie die Anpackende, die Verantwortungsvolle ist, die ihm Stabilität gibt, während er ihr Selbstbewusstsein und guten Sex schenkt.
        Ich wünschte mir, zwischen den beiden würde es gut ausgehen. Aber sicher bin ich mir da selbst mit der Fortsetzung nicht.

      • Ja, ich habe die Geschichte auch lieber „früher“ enden lassen…

  2. emmakesselhut ⋅

    Stille kann so garstig sein.

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