Expressionistische Körperstudie

Der Körper expressionistisch
verdreht. Ausgehungert und
in Abwehrhaltung. Die Kälte
der Mauern als Wohltat.

Etwas ersehnen was man
insgeheim verabscheut.
Etwas suchen das man
nicht erträgt.

Sich den Dingen
unterwerfen müssen.
Jeden Blick spüren.
Auf die Knie fallen vor dir.

Die Nerven stammeln.
Das Gehirn lügt.
Die Zunge traut sich nicht.
Bitte, keine Berührungen.
Halt mich fest.

Advertisements

Lob des Spazierengehens

Ich tue ja gerne Dinge die keinen Zweck erfüllen. (Ich merke mir auch viel besser Kleinigkeiten, die ich nie im Leben brauchen werde. Zum Beispiel was Hanuta heißt. Aber das ist eine andere Geschichte.) Also Dinge die keinen Zweck erfüllen..
Deswegen mag ich den Spaziergang. Klar, ich sehe viele Dinge auf meinen Wegen. Kunst, kleine Zettel die immer Geschichten erzählen, alte Autos. (Die auch immer Geschichten erzählen.) Menschen natürlich. Aber ich genieße es kein Ziel zu haben. Einfach zu gehen. In den Himmel sehen. (H.Hesse hat diese Dinge auch gemocht, meiner bescheidenen Meinung nach aber viel zu ernst genommen. Daher auch sein grantiger Blick auf die „moderne“ Zeit.) Nach einiger Zeit schaltet mein Gehirn wohlig ab und ich bewege mich nur noch. Quasi meditativ.
Manchmal erfinde ich auch kleine Geschichten. Dialoge. Plane…nein, nicht mein Leben aber ich sortiere es. Ordne es ein.
Die Wege die ich dabei nehme sind nicht immer schön. Ich gehe vorbei an lauten Straßen und über nach Urin stinkenden Brücken. Aber da sind auch die Bäume, das Glitzern des Flusswassers. Balsam für meine Augen, wenn ich mal wieder zu viel in Monitore geschaut habe.
Das ist alles keine „Weltanschauung“, um Gottes Willen! Ich trete in keinen Wanderverein ein. Noch gründe ich eine Spaziergehgesellschaft. Ich gehe nur durch eine Stadt. Vorbei an Flüssen und Bäumen und Menschen. Das ist alles.
Aber es ist schön seinen Körper zu spüren. Die Sonne erwärmt ihn, Muskeln bewegen ihn. Ich treibe keinen Sport. Teils aus Bequemlichkeit, teils aus Trotz. Aber gehen. Gehen mag ich. Gehen bis ich nicht mehr kann und alles wohlig erschlafft in mir. Das sind Momente in denen ich Sportler ein wenig verstehe.

„Was Vater Shaw da gepredigt hat, ist falsch. Man kann nicht anders ›werden‹ – weil man nun einmal so ist.

So:

Zersplittert und hundsgemein böse und geil und niederträchtig und gut und gutmütig und rachsüchtig und ohnmächtig-feige und schmutzig und klein und erhaben und lächerlich, o so lächerlich! Nachts kommt das alles herausgekrochen, schlängelt sich in die Schwärze um das Bett, vergiftend und vergiftet, durch alle Poren kommt es heraus. Töte ihn! fressen! ich will ihn haben – er müßte mich … gibt auch zu viel Geld aus – mein dicker Oberschenkel! müßte mal wieder zum Friseur gehen – und …

»Ja und wie er mich unter der maurischen Mauer küßte und da dachte ich er so gut wie ein andrer und dann sah ich ihn an mit meinen Augen mich wieder zu fragen ja und dann fragte er mich ob ich wollte ja sagen meine Gebirgsblume und dann umschlangen ihn meine Arme ja ich zog ihn herab zu mir und er konnte meinen duftenden Brüste fühlen ja und ganz wild schlug ihm das Herz und ja ich sagte ja ich will. Ja.«

So schließt dieses außergewöhnliche und merkwürdige Buch.

Liebigs Fleischextrakt. Man kann es nicht essen. Aber es werden noch viele Suppen damit zubereitet werden.“

 

Unsere Zeit

Du sitzt mir gegenüber,
wir schweigen,
sehen uns an, und
verstehen.

 
Wir hören voneinander,
immer wieder. Sind du
und ich und kaum wir.
Berühren uns.

Das Leben ist auch
schön ohne dich.
Aber ich liebe dein
Schweigen.

Manchmal retten wir uns.
Ohne das wir danke sagen.
Es ist nicht nötig.
Wir wissen wann.

Das Leben teilen wir nicht,
aber die Zeit. Du bist nie
weg, aber selten da.
Ich liebe dich.