Zu Viel

Jeden Tag liegt
der Schnee auf
den Mülltonnen
wenn du rausgehst

Die Möwen schreien
direkt aus deiner
Kindheit und dir
fällt nichts dazu ein.

Das unsere Körper
in die Leere laufen
ist auch längst nichts
neues mehr.

Jeden Tag strehst
du auf und versuchst
Bilder zu erschaffen
und Menschen zu berühren.

Zu viel Fernsehen.
Zu viel Information.
Zu viel Lärm.
Zu viel Nichts.

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Kriegslied (Matthias Claudius)

‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg!
O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
‘s ist leider Krieg –
und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?
Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
‘s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein
(Matthias Claudius)

(Heute ist der 200. Todestag von Mathhias Claudius. Ich mag seine einfache Art Dinge und Gefühle zu beschreiben. Sicher werde ich ihn nicht größer machen als er war. Und das „Das waren noch Zeiten“-Spiel spiele ich nicht mit. Und doch…)

Auf dem Weg

Morgens, wenn es
grau ist, und du
mit vielen anderen
aus der Bahn steigst.

Morgens, wenn es
regnet und die
Zeitung dich anschreit
das es wieder Tote gab.

Morgens, wenn der
Tag noch so lang
und der Schlaf noch
so lange hin ist.

Morgens, wenn du
keinen Gedanken
fassen kannst, aber
schon kotzen könntest.