Floß der Zeit

Für die Füxin

Durch dich entkomme ich
den Schlingpflanzen in
meinem Kopf und mein Körper
atmet auf. Will sich in
deinen hineingraben.
Deine Berührungen wecken
mich auf. Deine Worte
halten mich auf dieser Welt.
Es ist nicht einfach,
aber das muss es ja auch
nicht sein.
Ich hoffe, das ich nicht
zu egoistisch bin.
(Auch wenn ich deine
Antwort darauf schon ahne.)

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Es wäre einfach zu sagen
das ich nie voller Hass bin.
Das ich nie Gewalt ausübe.
Und alle würden es mir glauben.
Sogar die, die mich kennen.
Vielleicht ist es wahr und ich
kein Arschloch. Wenigstens das.
Aber auch ich raste aus und bin
erschreckend und voller Gewalt.
Aber was berührt mich dann so?
Löst mich auf und lässt mich
zurück. Ein kleiner Junge
der sich zurückziehen will
und weinen oder brüllen
oder zurückschlagen? Was
wird da abgerufen? Woher
kommt das? Warum lässt es mich
nicht einfach kalt? Wo ich doch
nicht besser bin. Oder klüger.

Alltägliche Begegnung

Er stieg in die U-Bah ein und stand ihr gegenüber. Es war abends und er war erschöpft. Nicht sehr aber doch. Er sah sie und sie lächelte. Sie lächelte so sehr das er sich umdrehen musste. Aber auch er musste lächeln.

Er sah sie an. Flüchtig. Respektvoll. Alles was sie trug stand ihr. Die Farben, die Form. Sie war dezent aber leicht Bohemehaft gekleidet. Nichts hing herunter. Sie TRUG die Kleidung. Er sah an sich herunter. Seine Kleidung war nicht dreckig, aber leicht schlampig. Unordentlich. Durcheinander. So wie Kleidung bei ihm immer aussah. Für einen kleinen Moment wackelte sein Selbstbewusstsein. Für eine Millisekunde fühlte er sich hässlich. Das ging vorbei. Mittlerweile konnte er gut mit diesem Gefühl umgehen. Aber es war da. Er sah aus dem Fenster.

Er musste lächeln. Genauso schnell wie das Gefühl der Unsicherheit gekommen und gegangen war, malte ihm sein Kopf eine ganze Geschichte auf. Kennenlernen, Wiedersehen, Kaffee trinken, Körper entdecken, lachen, Frühstück im Bett, Streitereien, Versöhnungen. Das ging fast schneller als er es bemerken konnte. Früher hatte er sich geschämt. Besonders über die kleinen, lustvollen Szenen. Aber er hatte das Gefühl das es Ok war.

Zwei Stationen vor seiner stieg sie aus. Bedauerte er es? Nein. War etwas gewesen? Nein. Fast nichts. Vielleicht hätte er sie wirklich ansprechen können. Vielleicht hatte sie wirklich wegen ihm gelächelt. Aber es war nicht wichtig. Der Moment hatte ihm auch so gefallen. Er hatte Grund zum lächeln. Morgen hatte er es wahrscheinlich schon vergessen. Dann musste er aussteigen.

Keine Rettung

Glaub ja nicht das es immer
schön ist und der Himmel
voll von diesen Geigen hängt.
Glaub ja nicht das dieser Mensch
-ja dieser!- immer richtig ist.
Das heißt ja nicht, das du
verzweifeln sollst.
(Das tun wir schon oft
genug.)
Ich habe auch keine Antworten,
und schaue oft genug in den
Himmel und frage die Krähen
um Rat. Ich trinke auch und
versuche mich zu verstecken.
Aber Berührungen sind da.
Auch wenn du sie nicht spürst.
Und auch wenn es vielleicht
keine Liebe gibt, und keine
Rettung, wirst du es schaffen.

Hinweise

Sei zärtlich.
Zu dir und den anderen.
Küsse die die geküsst
werden wollen.
Trinke ab und zu.
Freue dich über Frösche
und Bäume und Raben.
(Oder was du gerne
magst in der Natur.)
Sage: „Du bist mir wichtig!“
und
„Ich liebe dich!“
Auch wenn es naiv klingt.
Sei ruhig mal naiv.
Aber lass dich nicht
umschubsen.
Sei männlich oder
weiblich oder beides
zusammen.
Nehme dein Gegenüber
ernst, damit ihr zusammen
lachen könnt.
Rieche Musik und schmecke
Literatur. Du weißt was
ich damit meine.
Erschauere, aber bleibe auf
dem Boden. Hasse Kalendersprüche.
Aber höre auch manchmal auf sie.
Sei Paradox. Trinke. Tanze.
Sei was du sein musst.
Brenne, aber verbrenne dich nicht.
Vergiss nicht zu küssen.
Männer, Frauen. Jeden so wie
es euch gefällt.
Verwisch die Spuren!
Denk nicht immer nur an dich.

Immer wieder.

Wenn das was dich tötet
sich anfühlt wie dein Lebensinhalt.
Wenn du im Fallen deine
Sicherheit spürst.
Wenn du arbeitest
ohne etwas zu schaffen.
Du immer wieder anfängst.
Immer wieder abbrichst.
Später geht es dann weiter.
Jedes Wort und jeder Satz.
Jede Stunde und jeder Tag.
Wieder winke ich euch zu.
Und hoffe euch zu spüren.

Ich hab nur das.

Und dann streichelst du mir
über den Rücken und erzählst
mir von den Sternen in der
Wüste und ich war noch nie da.
Ich höre dir zu und du streichelst
immer noch meinen Rücken.
Und ich sehe dich an und ich
weiß all das ist nicht wirklich
ohne das ich darüber schreiben
kann und ich versuche hier zu sein
und nicht bei den Worten.
Und dein Körper und deine
Geschichten sind neben mir.
Ich weiß nicht damit umzugehen.
Du erzählst und lauscht auf meine Stille.
Und lächelst als würdest du etwas
wissen was ich noch nicht weiß.