Jedesmal anders.

Teil 3

Er las den Brief noch am Briefkasten. Ihn fror. Bei ihm war es kalt. Ja, er lebte immer noch mit Sophie zusammen. Aber beide wussten, das es nur diesen Winter dauern würde. Er schrieb jede Nacht. Sie schrieb auch. Dann tauschten sie das Geschriebene aus, warfen eine Münze welchen Text sie als erstes dran nehmen würden und legten los. Es wurde gefeilt und um Worte gefeilscht. Sie redeten und redeten bis sie halbwegs zufrieden waren. Dann rauchten sie zusammen etwas. Manchmal schliefen sie miteinander, manchmal nicht. Tagsüber gingen sie spazieren oder lasen. Alles andere ängstigte sie.
Er steckte den Brief in seine Tasche und brachte das Gemüse nach Oben. Heute würde es Reis mit Gemüse geben.
Als er oben ankam war sein Lächeln echt. Sie küssten sich und fingen an zu kochen. In Gedanken schrieb er schon den nächsten Brief.

Jedesmal anders.

(Teil 2)

Hallo meine Krähe,
Ich befinde mich in den 20er Jahren. Oder so ähnlich. Eigentlich weiß ich nicht genau wo ich bin. Ich habe die letzten 2 Wochen diesen Menschen gemalt. Ihr würdet euch gut verstehen. Obwohl er dieses Stärkeding fährt was du so verabscheust. Aber eigentlich bist du nicht anders. (Ja, ich höre schon auf.)
Es war herrlich ihn zu beobachten. Seine Schultern. Seine Brust. (Wie gesagt, du hättest ihn gemocht. Auch wenn du es nie gesagt hättest.) Ich hab ganz professionell getan, aber ich glaube das er mich durchschaut hat. Er hat aber nichts gesagt.
Draußen ist überall Staub. Und überall Schmutz. Die Sonne scheint jeden Tag. Ich trinke zuviel und rauche zuviel. Bald werde ich weiterziehen.
Triffst du dich noch mit ihr? Ich sehe euch förmlich in ihrer kleinen Höhle. Wie ihr euch Geschichten erzählt und euch stundenlang über ein Wort streitet. Sei gut zu ihr, sie hat es verdient. (Und bei „Sinn machen“ hat sie recht, du alter Taoist!) Gestern hab ich eine vollkommen rote Katze gesehen. Zu allem Überfluss hatte sie sogar rote Augen. Sie nickte mir zu. Und die Krähen haben nach dir gefragt.
Ich wünsche mir Regen.
Katharina.

Jedesmal anders

(Vielleicht Teil 1)

Manchmal fühlte es sich an, als würde es sie nicht geben. Als würde sie niemand sehen. Abgesehen er selber. Sie war alles mögliche. Frau, Mann, Kind, Elfe, Troll. Und dumm genug mit ihm zu reden.
Immer wieder verschwand sie. Wie auch er verschwand. Tagelang, Wochenlang. Sie wussten immer wenn es wieder Zeit war.
In der Zwischenzeit trank er Wein und Tee. Lief durch die Strassen. Arbeitete und schrieb. Was sie tat war nicht ganz klar. Auch wenn sie immer kleine Geschichten erzählte. Sie beschrieb Füchse und Katzen, die sie gesehen hatte. Erzählte, das sie die perfekten Köfte gegessen hatte. Den perfekten Kuss bekommen hatte. Wie wunderbar weich die Lippen der Partnerin gewesen waren. (Sie nannte sie Marnie, aber das war vielleicht gelogen.) Er nickte dazu. Er war nicht eifersüchtig. Sie küsste ihn. Sie gingen zu Lesungen. Er schenkte ihr kleine Haikus, die sie manchmal auf Wände schrieb. Er fand sie in den unmöglichsten Gegenden der Stadt. Sie schenkte ihm Musik auf MP3-Playern. Er hatte schon dutzende davon. Aber die Musik war immer gut.
Er bekochte sie oft. Sie blieb ein-zwei Tage. Manchmal sogar Wochen. Sie aßen und hatten Sex, obwohl er nicht sehr gut war darin. Sie lachte nur wenn er das sagte. Er glaubte ihr.
Sie sang ihm vor und er las ihr vor.
Sie sahen sich seltsame und schöne Gebäude an und liefen stundenlang durch die Stadt. Jedesmal hatte sie einen anderen Namen. Er auch.

Dichtung

Als er von Zuhause wegzog hatte er noch gedacht, er würde später mal Dichter werden. Er dachte wirklich „Dichter“ obwohl er wusste das es so etwas gar nicht mehr gab. Und obwohl seine ganzen Vorbilder Romane und Kurzgeschichten geschrieben hatten. Er hasste Figuren wie Rilke und George. Trotzdem schrieb er fast ausschließlich Gedichte.
Man hatte ihm beigebracht das er alles sein konnte was er wollte. Nun wollte er also Dichter werden. Mit aller Kraft. Und doch tat er nichts damit jemand anderes seine Gedichte las. Er schrieb jede Nacht. Arbeitete in einer Videothek. Trank viel. Schrieb weiter. Manchmal besuchte er Lesungen. Hörte zu. Vieles gefiel ihm. Obwohl es viel aggressiver war als das was er schrieb. Er feilte und feilte. Und zeigte weiterhin niemanden was er schrieb.
Die Gedichte zierten seine Wände. Er trank weiter. Zweifelte langsam. Aber schrieb weiter. Ob er besser wurde war nicht zu sagen. Aber er lebte für die Dichtung. Und schrieb weiter.

Zwischen den Jahren.

Willst du mit mir reden?
Oder schweigt dein Hirn?
Genießt du meine Hände?
Oder willst du küssen?

Solange blieben unsere
Körper leer und auch
die Gefühle schwiegen.
Jetzt ist da dieser Duft.

Du siehst in meine Augen.
Ich sehe weg. Du berührst
meine Schulter. Ich atme ein.
Da ist dieser Ton.

Irgendwo spielt die Katze.
Irgendwo spielt jemand Klavier.
Irgendwo ruft eine Krähe.
Wir verschwimmen.

Wir wechseln die Körper.
Unsere Identität.
Lernen und trinken.
Wir wechseln die Geschlechter.

Wir liegen auf dem Bett.
Die Sonne geht unter.
Wir schweigen.
Wie lange noch?

Glitter und Gold und ein Kuss im Regen

Schönheit zu erkennen ist gar nicht so einfach. Meist versteckt sie sich hinter so einem blödem Grinsen und hinter seichten Melodien und dummen Geschichten, die sicher einmal neu waren. Liebe ist so oft gar nicht mehr zu erkennen. All diese dummen Bilder. All dieser Krampf. All das was wir zu wissen glauben. Alleine schon dieses Wort. „Liebe“
Die Sehnsucht zerbricht uns. Lässt uns den leichten Weg suchen. Aber es gibt ihn nicht. Und doch wollen wir es. Aber da sind diese Bilder. Diese Gedanken an Küsse. An Leidenschaft. Im Regen tanzen. Da ist es manchmal ehrlicher glückliche Menschen zu verachten. (Aber auch das stimmt natürlich nicht.)
Es ist ja nicht dieser Kuss. Danach geht es ja weiter. Immer weiter. Danach kommen diese Stunden wo man sich hasst. Gegenseitig. Sich selber. War man nicht glücklich? Will man nicht nur das eine? Die „große“ Liebe? Gibt es sie? Was soll ich darauf antworten? Es gibt keine Antwort. Wir machen weiter. „Wenn man sich immer gleich trennen würde wenn man einen kleinen Streit hat!“ Schon gut. Darum geht es nicht. Nicht wirklich. Es geht um Ketten und Särge. Mord und Totschlag.
Ich verliebe mich oft in die falschen. Habe Sehnsucht nach denen die mir nicht gut tun würden. Ich habe oft Menschen übersehen. Habe Menschen verletzt. Habe Sehnsüchte die ich nicht erfüllen kann. Bilder die nur Bilder sind und bleiben müssen.

Solche Nächte

Und dann trinken wir wieder
und reden und rauchen, weil
es nichts anderes gibt.
Und wir erleben Nervenkitzel
und Lärm und denken das es
Ausgelassenheit ist.
Wir wollen uns nichts
erzählen lassen und kennen
alle Tricks und wie wir
cool aussehen und was man
sagen muss um anerkannt zu
werden aber selbst echte
Freundschaft ist schwer
geworden weil wir nicht mehr
daran glauben können.
Also tragen wir schwarz und
lachen an den falschen Stellen
und sind feige wie bisher.

Aus Träumen

Ich bin wie aus
Träumen aufgeschreckt.
Orientierungslos.
Meine Stimme krächzt noch
und ich weiß nicht was
ich euch sagen soll.

Ich kann nichts sehen.
Mein Gehirn hat die
Sprache verlernt.
Das Atmen fällt schwer.
Ich kann nicht zaubern.
Und handeln auch nicht.

Ich glaube den Worten nicht.
Das alles bedeutet nichts.
Liebe nicht und auch nicht
Freude. Die Wahrheit sage
ich schon lange nicht mehr.
Ich weiß nicht was das ist.

Meine Psyche tut weh.
Vor lauter Angst das falsche
zu fühlen. Träume, die nicht
wahr werden. Sehnsucht, um
einmal ein großes Wort zu
benutzen, ist immer da.

Ich kenne mich nicht.
Das Leben geht vorüber.
Wir fahren dahin.
Und Morgen geht das
alles weiter.