Die Liebenden

Sie lagen zusammen im Bett
und versuchten das natürlich
zu finden. Und es war ja auch
nichts dabei so zu liegen.
Sie lagen nebeneinander und
sahen sich nicht an. Nur ihre
Hände berührten sich sacht.
Sie fühlten sich wie Figuren.
Ihre Haut atmete tief und
ihre Seelen auch und sie
konnten es nicht verstehen.
Aber sie lagen nebeneinander.
Es war keine Himmelsmacht die
sie aneinander band. Keine
Geigen und kein Schicksal gab es.
Nur die Berührung. Da auf dem Bett.
Es war ganz natürlich so zu liegen.
Der Moment würde vorbeigehen.
Die Hände berührten sich.
Sie schauten an die Decke und schwiegen.
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Sich so einen Körper ausdenken

Einen der auf mich hört.
(Und nur manchmal lächelnd
mit dem Kopf schüttelt wenn
er etwas nicht soll, aber er
will es haben.)

Der sich bewegt und atmet
und sich gerne zeigt und
andere Körper mag.Der
begehrt.

Der sich anschmiegt
an das was ich sein kann.

Der streichelt und küsst
und schwitzt. Und lacht
über das wahnsinnige
Diktat das an ihn gestellt
wird. Jeden Tag.

In den Tunnel

Ich stelle mich gegen mich
und ich stelle mich gegen euch,
während die U-Bahn unter die
Erde fährt und mir eure Augen
Angst machen und ich den Körper
der mir gegenüber sitzt begehre.
Blaue Haare und Augen.
Ich träume von Brüsten.
Männliche und weibliche.
Sie zu berühren soll Spass machen.
Ich weiß nicht mehr.
Noch soviel zu lernen, aber
das um mich herum ist schon zu
viel Information und nicht
in Gedanken zu fassen.
(Ich bleibe Fassungslos.)
Also warte ich bis ich
wieder ruhig sprechen kann.
Mit rede und gegenrede und
Verständnis.

Trost

Los, steh auf und
sieh mir in die Augen!
Steh auf, es gibt Dinge
zu tun. Deinen Körper
zu bewegen. Alles wird
sich finden. Nur:
Steh auf!

Alles wird sich finden:
Trost und Liebe und
so etwas wie Zuversicht.
Grabe. Schreibe. Denke.
Koche den Reis. Trinke
das Bier. Es ist schwarz.
Alles wird sich finden.

Esse dich satt!
Du hast die Liebe verdient.
Reiße unermüdlich die Mauern
ein die du um dich gebaut hast.
Bist du dann auch schutzlos
und nackt und verletzlich.
Esse dich satt!

Bleibe verletzlich.
Schütze dich natürlich.
Du darfst zurückweichen!
Darfst dich verweigern!
Es ist das Leben das
überfordert und schmerzt.
Bleibe verletzlich!

Unordnung und spätes Leid

Worte aus einer chaotischen Wohnung.
Erinnerungen an Trinken und Essen.
Erinnerungen an Nichtgenügen.
Worte die nicht beschreiben.
An der Strassenecke ein paar Menschen
mit verstorbenen Gesichtern und
perfekt abgestimmter Kleidung und
Gesprächen über letzte Woche.
Erinnerungen an die Musik der 70er
und ob das Leben tatsächlich so war
wie die Texte es beschreiben. Ich
weiß es nicht mehr ganz.
Menschen geküsst zu haben liegt mir
fern und doch ist es wahr. Ich
höre noch heute die Stimmen und was
sie sagten. Ich weiß es noch.
Ich habe noch meinen alten Teddybär.
Er ist so alt wie ich und natürlich
weinen Männer auch. Alles andere
wäre ja auch ungesund und unmenschlich.
Nicht mehr lange bis ich ins Bett gehe
und diesen Tag beende. Ob ich zufrieden
bin mit ihm weiß ich nicht. Aber ich
hab wieder einmal etwas gesagt.

Keine Magie

Manchmal
in hellen Wäldern
in dunklen Kneipen
in guten Büchern
im Lächeln eines
schönen Menschen
in den Windungen
eines Klavierkonzerts
im satten Gold eines
Gemäldes von Klee
der dritte Stufe
eines Fiebertraumes
in einer Utopie
im ersten Schluck
dem Zufallen der Augen
nach einem langem Tag
dem Erkennen von Liebe
dem Überwinden von Angst
in dem Duft deines Nackens
dem Aufruhr der Sinne
dem herrlichen Kreischen
der Stadt und der Heiligkeit
des Orgasmus und der Seele
dem Schimmern der Augen
dem ersten Übergeben der
Pubertät und dem Lachen
über einem schlechten Witz
dem Klingeln eines
Feenglöckchens und der
behäbigen Schlichtheit eines
Schinkenbrötchens.

Manchmal liegt dort alles
was du wissen musst.
Das ist die ganze Magie
und du musst gar nicht
mehr suchen.

Vom Bett aus geschrieben

Wenn die Welt sich dreht
auch in deinem Kopf.
Wenn du nicht mehr mitlaufen
kannst, weil du im Bett liegst.
Wenn du nichts mehr mitbekommst.
Das da draußen geht dich nichts
mehr besonders an. Dein Blutdruck
ist ganz am Boden.
Du möchtest reden, gehörst aber
ins Bett. Nie war die Welt
verlockender, aber du kannst nicht
zu ihr. Du weißt du bist krank.
Das alles ist seltsam. Widersprüche
wieder einmal. Würde darüber nachdenken
wenn mein Kopf es zuließe.
Nur winken will ich.

Atmen

Du atmest ein.
Gedanken fallen fort.
Körper strafft dich.
Du atmest aus.
Du atmest ein.
Du bist bei dir.
Du kommst ihnen näher.
Du atmest aus.
Du atmest aus.
Du wirst müde.
Du wirst wach.
Du atmest aus.
Du atmest ein.
Du gehst aus der Welt.
Du betrittst die Welt.
Du atmest aus.
Du atmest ein.
Du bist Körper.
Du bist kein Körper.
Du atmest aus.