Verrückte Gedanken

Glaub ja nicht das ich mich wichtig machen will. Dafür dauert es zu lange. Ich weiß das es so nicht funktioniert. Im Gegenteil. Glaub ja nicht das ich denke es sei glamourös. Das ist es nicht! Niemals. Es ist langweilig. Herzergreifend, magenzerstörend, hirnerweichend langweilig. Ich fühle das nicht zum spass. Ja, ich würde auch gerne damit aufhören. Denn es nervt mich so zu sein. Und oft gelingt es mir auch schon. Dann räume ich auf. Und finde es seltsam befriedigend.

Ja, ich rede immer noch davon. Weil es immer noch da ist. Weil es mir nicht hilft rauszugehen. Einfach „fröhlich“ zu sein. Wisst ihr was? Diese Sprache hat dazu geführt das ich fröhlich sein gehasst habe. Das ich es gehasst habe zu lächeln. Manchmal tue ich es heute noch. Aber darum geht es nicht.

Nein, ich bin kein Opfer. Darum geht es nicht. Ich hab viel Glück gehabt. Immer. Es ist nicht so das ich viele Menschen kenne die mir solche Sätze sagen. Aber es ist da draußen. Es wird wieder viel davon geredet das man „normal“ sein soll. Das die „Normalen“ ja nicht mehr normal sein dürfen. Baby, du darfst meinetwegen sein wie du möchtest. Ich brauch das alles nicht. Ich könnte mich auch verstecken. Gespräche führen die mich nicht interessieren. Aber ich bin lieber so wie ich bin. Nichts besonderes. Aber mit anderen Spielregeln und anderen Interessen als andere.

Mein Körper

Schaue auf diese Hand
all diese Adern, die
Farbschattierungen.
Meine Hand die mich
berührt, mich füttert,
die mich schlägt und
mich streichelt.

Im Spiegel mein Bauch,
groß und dick. Behaart
und manchmal mein
Ärgernis. Geliebt von
meiner Tochter und vielen
die gerne kuscheln.
Hemmnis bei so vielen Dingen.

Meine Augen. Oft angestrengt.
So viele Dinge gesehen.
So viele Seiten gelesen.
So viele Körper abgetastet.
Blau schauen sie auf mich
und versuchen dem ganzen
Körper gerecht zu werden.

Diesen Körper den ich noch
immer nicht verstehe. Der
Lust empfindet, einsam ist und
schmerzt. Der Hunger hat und
eines Tages sterben wird.
Alleine wie alle Körper.
Den ich lieben will.

Zwei Seiten

Das Mondlicht auf dem Fluss.
Die Lungen mit frischer Luft
gefüllt. Deine Gedanken die
meine weitertreiben und lächeln
lassen. Die Worte knistern in
den Büchern beim lesen.
Bald kommt der Tag.

Weh mir, an den Tagen wo ich keine
Luft bekomme und keine Worte
und kein Lächeln. Wo nehm ich
einen Gedanken um das Leben ergreifen
zu können? Wo die Kraft um zu
überleben? Der Fluss schweigt mich an.
Wieder warte ich.

Das gibt es auch.

Auch gibt es die Sonne
und die Bewegung deines
eigenen Körpers. Und die
Worte von anderen bringen
dich manchmal zum lächeln.

Ja, die Menschen sind grausam.
Aber sie haben auch am meisten
darunter zu leiden. Also hab
Geduld. Atme die Luft. Klingt
einfach, ist es aber nicht.

Verlange keine Liebe.
Genieße dein Essen.
Habe Geduld.
Höre nicht auf.
Lebe dein Leben.

Aber vor allem:
Höre zu. Lausche den
Vögeln, dem Wind, dem
Wasser, der Musik, den Worten
und vergiss die Menschen nicht.

Gedanken

We’re not scaremongering
This is really happening
(Radiohead/Idioteque)

Der Zeitpunkt, wenn du es nicht mehr Schmerz nennst. Wenn alles wieder anläuft. Du weißt: du musst nicht funktionieren, aber du darfst leben. All diese Grautöne sind nicht so schlimm wie du dachtest. Es ist nicht nur dieses schmutzige Grau das von zuviel reinwaschen des Lebens kommt. Es ist nicht diese langweilige, alles abtötende Grau das du aus den Vorstädten kennst. Es sind diese Grautöne die zu dem Bunt gehören.

Der Zeitpunkt, in dem du bemerkst das du einen Körper hast. Einen Körper der nicht nur eine Verlängerung deines Geistes ist. Das du diesen Geist nicht verrätst wenn du auch deinen Körper spürst. Ja, einiges sieht widerlich aus was er produziert. Ja, Sex ist auch ganz häufig einfach nur lächerlich. Schweiß riecht nicht gut. Waschen ist anstrengend. Aber es ist eben auch selfcare. Dieses bewegen. Das stricheln. Berührungen zulassen. Spüren das man atraktiv ist. Selbst wenn man als Jugendlicher anderer Meinung war.

Der Zeitpunkt wo du einsehen musst, das du dich nicht mehr verstecken kannst. Und schauen musst, wo hingehen willst. Deine Ängste annehmen. Mit ihnen Leben. Nicht stark sein. Doch stark sein. (Manchmal sehe ich wie ein melancholischer Seemann aus.) Darüber dein Herz nicht vergessen. Das symbolische und das reale. Träumen und doch in der Welt sein. Mehr als eine Anordnung von Worten. Ohne die Worte zu verlieren. Gibt es wirklich Menschen für die das leicht ist? Die das können? Das nebeneinander und durcheinander?

Immer wieder

Immer wieder verpasse ich dich.
Spreche ein falsches Wort.
Sehe in die falsche Richtung.
Ziehe ein falschen Körper an.

Immer wieder schweige ich zuviel.
Drehe und wende ich mich.
Finde ausreden mich nicht fallen
lassen zu können.

Immer wieder scheinen meine
Gedanken mich von dir zu trennen.
Fühle ich mich zu erregt um normal zu reden
und zu impotent um mit dir Sex zu haben.

Immer wieder ist es zuwenig oder zuviel
und ich bin unsicher wie ich es zulassen
kann dir nah zu sein. Zulassen das ich
mich zurückziehe und einfach ich sein kann.

Aufräumen

Und ja, ich habe geschlafen.
Auch geträumt und das Aufwachen
fällt mir schwer wenn ich meine
Träume nicht verlieren möchte.

Und ich weiß nicht wie ich dich
ansprechen soll und wie damit
Umgehen das wir uns gut verstehen.
Steht Nähe doch nicht auf meinem Plan.

Ich hab das alles nicht so geplant,
aber alle die Pläne sind auch falsch.
Versuche sie zu verbrennen und zu
erkennen wo ich wirklich hin muss.

Also wenn du mich sehen solltest:
Sprich mich ruhig an. Ich werde
vielleicht nichts sagen oder Unsinn
erzählen.

Aber vielleicht verstehst du es ja.

Nils

Das er heute Abend trank war nicht von Bedeutung. Genau wie all die anderen Drogen die er mal genommen hatte. Er hatte Glück gehabt. Er war stark gewesen. Aber er hatte nicht das Gefühl, das es sein Verdienst gewesen war. Er fand sich nicht stark. Er war ja nicht mal stark genug unter Menschen zu gehen.

„Als ich dich das erste mal gesehen habe, dachte ich: ‚Da steht ein richtiger Mann.'“, hatte sie zu ihm gesagt und ihm von den Schauern erzählt die sie spürte wenn er sie berührte. Ihm war das zuviel gewesen. Er wusste nicht einmal was das sein sollte. Ein richtiger Mann. Er hätte sie fragen sollen was sie damit meint, aber er war zu verwirrt gewesen.

Er schien bei einigen Menschen so etwas auszustrahlen. Eine Stärke, eine Kraft. Vielleicht wäre er ein guter Dom gewesen. Jemand dem man vertrauen könnte. Sich unterwerfen, gerade nicht weil er es verlangte. Sondern weil man sich sicher fühlte bei ihm. Weil er das Kommando übernahm, nicht weil er machtgeil gewesen wäre. Sondern weil man ihn liebte und für diesen Moment alles abgeben wollte. Sich fallen lassen konnte und wusste er konnte es auffangen. Vielleicht wäre er gut darin gewesen. Wenn er diese Stärke hätte spüren können. Wenn er sie nicht für sich selbst brauchen würde. Wenn er sich eingestehen würde, das er dadurch eben kein schlechter Mensch ist. Wenn er sich seinerseits hätte fallen lassen können. So staute es sich in ihm auf und sein Körper verlangte etwas von ihm das er ihm nicht geben konnte.

Er wollte niemanden unterdrücken. Er wollte nicht diese Art von Mann sein die durch seinen Kopf geisterte. Er wollte das sein Körper ihm gehorchte. Er wollte perfekt sein.