Scham

„Die alte Scham ist falsche Scham.“
(Inge Müller)

Meinen Körper auch nur
vor mir zu zeigen ist schwerer
als ich zugeben mag. Er ist
nicht hässlich, aber er gehört
nicht wirklich zu mir.
Und wir streiten oft.

Mich vor dir zu öffnen
erfordert viel Mut, meine Worte
sind nicht dafür ausgerichtet.
Schon das ich dich schön finde
bereitet mir fast Schmerzen.
Und ich weiß nicht warum.

Ich zu sein erfordert oft
viel Geduld, obwohl es bestimmt
nicht schlechter ist als vieles
andere was man sein könnte.
Ich muss es schützen.

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Gesprächsfragment

-(Im Singsang)Ich lebe. Ich bin tot. Ich lebe. Ich bin tot.
-(ruhig) Das ist nicht witzig.
-(schweigt)
-Musst du immer so grundsätzlich werden?
-(schweigt)
-Rede mit mir.
-Nein.
-Nein, was?
-Nein, ich muss nicht immer so grundsätzlich werden.
-(schweigt)
-Es tut mir leid, ich bin nervös.
-Schon gut.
-Ich bin so außer mir.
-Ich weiß.
-Ich möchte nichts mehr sagen.
-Ich weiß.
-Ich möchte mich nicht mehr selbst bespiegeln. Es kommt nichts dabei heraus.
-Ich weiß. Du musst es ja auch nicht.
-Ich weiß.
-(schweigt)
-(schweigt, dann:) Hast du Angst?
-Angst ist langweilig.
-Hast du Angst?
-Ja.
-Vor mir?
-Auch. Ja.
-Wovor noch?
-Nichts mehr zu sagen zu haben. Vor den Menschen. Zu merken das ich ein Mensch bin.
-Was möchtest du sein?
-Ich weiß es nicht.
-Ich möchte in deinen Gedanken sein.
-Das bist du.

Ahnungsvoll

Draußen lässt sich immer
mal wieder die Sonne sehen
doch die Bäume tragen noch
kein grün. Der Boden kahl.

Schon wird etwas versprochen,
das noch einzulösen ist.
Blumen schicken schöne Grüße.
Sie kämen bald.

Du wirst noch oft Winter haben.
Aber die Zeit des Versteckens
ist erstmal vorbei. Bald wirst du
verstehen was die Menschen sagen.

Du musst sie nicht alle lieben,
mein Herz. Hör einfach nur zu
und hab keine Angst. Die Wand
schützt auch vor Regen.