Vorstadtrebell

Ich war 16 und rebellierte eigentlich nicht.
Lief nur herum in meinem BW-Parka.
(Ich trank nicht einmal. Das kam später.)
Ich ekelte mich, dass ist wahr. Sonst nichts.
Nachts sah ich manchmal die Lichter der Autos
die in mein Fenster schienen.
Und die Lichter hinter meinen Augenlidern.
Ich sprach selten und wenn war es seltsam.
Ich hatte sogar eine alte Schreibmaschine
auf der ich einige Gedichte schrieb.
Aber ich war zu langsam mit ihr.
Ich bewunderte Schönheit und war ein Idiot.
Aber mein Hund mochte mich.
Und die Dichterinnen.
Ich war 16 und ich schwieg. Teilweise aus Trotz.
Das ist alles.

Leben in Büchern

Ich hatte zwar einige Freunde,
doch am besten verstanden mich immer noch die Bücher.
Und so lag ich auf Wiesen, Sofas und Betten herum
und unterhielt mich mit seltsamen Geschichtenerzählern.
War zuhause in New York, Helgoland und den 20er Jahren.
Ich glaube das machte mich seltsam.
Ich las und es wurde zu meiner Realität.
Ich verstand nicht das so viele Menschen
all das Leben aus den Büchern nicht sahen.
(Gut, vielleicht war in genug Büchern keins drin.)
Noch heute möchte ich Parties feiern wie in den Büchern.

Digital bedeutet ja und nein

Tausend Takte heruntergeladen.
Tausend Pamphlete online gelesen.
Tausend Frisuren bewertet.
Digitale Revolution kämpft gegen
digitale Dumpfheit.
Und in den Ohren dröhnt Musik
aus den 70ern.
In RL wird geschossen.
Drinnen aber auch.
Das Chaos frisst sich selber auf.
Werbeclips erschlagen dich. Blutig.
Und immer noch funkt Teddybär 1-4.

Und doch erreicht dich diese Nachricht
und wir tauschen Küsse digital und die
bedeuten etwas.