Versuch über Männlichkeit

Zunächst einmal nenne ich dies mit voller Absicht einen Versuch. Ich stehe zwar durchaus zu dem, was ich schreibe, aber in dieser Zeit in der alle immer und sofort Bescheid wissen, weiß ich bei dem Thema „Männlichkeit“ vor allem eins: Ich weiß es nicht.
Dies vorweggenommen: Ich bin männlich. Ich habe eine weibliche Seite. Nenne sie Glenda. Sie ist eine Lesbe und ich hab sie gerne. Ich habe andererseits schon mit Männern geschlafen und finde einige Männer attraktiv. Trotz alledem bezeichne ich mich als Hetero und Cis. (Cis halte ich auch nicht für eine Beleidigung sondern für eine Zustandsbeschreibung.)
Da ich also ein Cis/Heteromann bin, müsste ich heutzutage ja jammern. Weil DIE Frauen mich immerzu beschimpfen… Aber wisst ihr was? Ich will gar nicht so ein Mensch sein. 1. Gibt es DIE Frauen gar nicht. 2. Haben sie recht.
Was will ich denn? Wie wäre es mit anständigen Vorbildern? Wie wäre es mit Verhaltensweisen von Männern bei denen ich nicht zusammenzucke, wenn ich männlich genannt werde? Denn ehrlicherweise zucke ich ich zusammen bei diesem Adjektiv. Ich versuche aus dem Adjektiv ein anderes wegzudenken: „toxisch“. Ich versuche nicht an diese schmierigen und lauten Abziehbilder zu denken die furchtbare Belästigungen von Frauen als Komplimente feiern und aufheulen, wenn man sie darauf anspricht. An all diese Männer, die Frauen Dinge erklären wollen, die diese längst wissen.
Ich behaupte nicht, das ich besser bin! Ich muss mich auch anschauen. Ich bin auch mit all diesen Bildern aufgewachsen. (Allerdings glücklicherweise auch unter vielen Frauen. Die mehr für meine Männlichkeit getan haben als diese Maskulinisten.) Aber vieles davon ist furchtbar gefährlich. Immer noch. All dieses Kämpfen. Sich nichts gefallen lassen. Dieses Starksein. Keine Schwächen zeigen. Dieses: „Das ist aber für Mädchen. Oder die Aussagen: Du wirfst/schlägst/rennst wie ein Mädchen. Das ist gefährlich. Es unterdrückt Gefühle. Ich bin depressiv, glaubt mir also bitte das Gefühle unterdrücken gefährlich ist! Der Begriff „toxisch“ trifft es schon.
Aber was macht nun meine Männlichkeit aus? Bestimmt nicht mein Penis. Und Klischeevorstellungen auch nicht. Ich liebe nämlich „Frauenfilme“. Bin ich männlich dadurch das ich mich so definiere? Ich denke das ist es oder? Ich glaube auch, dass Glenda mir hilft. Sie ist wie jedes Spiel durchaus ernst zu nehmen.
Ich suche weiter. Ich denke herum. Ich habe keine Antworten. Nennen wir die nächsten paar Punkte Überlegungen. Keine ist besonders neu oder originell fürchte ich.
1. Mach nicht aus allem einen Kampf. Du musst nicht siegen damit du nicht verlierst. Klar, wehren darf und soll man sich. Aber… Du kannst auch mit jemanden zusammenarbeiten. Auch ein/e Partner/in ist keine Beute. Sondern Jemand mit dem du Sex/eine Beziehung/ein gutes Gespräch/Spass haben möchtest.
2. Lasse Schwäche zu. Lasse Gefühle zu. Fühl dich nicht schwach deswegen. Versuche nicht jede Kritik als Angriff zu verstehen.
3. Höre Frauen zu. Höre Trans-Queer-Bi-Lesben-Schwulen zu. Unterbrich sie nicht. Verbessere sie nicht.
4. Sei sanft zu dir. Sei sanft zu anderen Männern. Nein, nicht immer. Aber eben doch.
P.S. Liebe Maskulinisten: Ich habe gehört das ihr das Schimpfwort „Lila Pudel“ habt. Darf ich mich bitte ab sofort so nennen? Ich finde das originell.

Nachtrag: In einer früheren Version habe ich den Ausdruck „Idiot“ verwendet. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Ich habe ihn ersetzt.

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Verweht

Natürlich denkst du nicht:
„Alles ist vorbei!“.
Du wirst noch viel erleben,
bevor du stirbst.
Doch jetzt?
Jetzt wartest du.
Und das Warten ist ein Sarg.
Währenddessen werden deine Haare
weniger und dein Job ist ein Job.

Zuviel

Zuviel Fernsehen.
Zuviel Information.
Zuviel Lautstärke.
Zuviel Geschichte.
Zuviel Körper.
Zuviel schlechtes Essen.
Zuviel schlechte Gedanken.
Zuviel Vorschriften.
Zuviel Männer.
Zuviel Frauen.
Zuviel Meinungen.
Zuviel Menschen.
Zuviel Internet.
Zuviel Dreck.
Zuviel Sauberkeit.
Zuviel Gefühle.
Zuviel Schmerz.
Zuviel Nichts.

Methodenkritik

Ich kann dich nicht beschreiben.
Wir taten uns gut.
Erkälteten uns nicht im Regen.
Veränderten die Sätze des anderen.
Ich fragte dich ob ich bleiben dürfte.
Du nicktest nur.
Wir erfrischten uns.
Alles war natürlich.
Vielleicht bleibt das nicht.
Vielleicht existieren wir nicht.
Vielleicht müssen wir uns noch herstellen.
Das geht heute ja.

Wir

Wir hüpfen nicht immer.
Sind nicht immer satt.
Spielen auf der fehlenden Identität.
Wir sind vorhanden.

Wir geben Geld aus.
Und haben keins.
Das ist leider normal.
Wir weinen manchmal.

Wir sind der Anfang und das Ende.
Leben versteckt und stumm.
Reden trotzdem zu oft von uns.
Wir haben Körper.

Wir sind nichts besonderes.
Haben Gefühle.
Haben Schmerzen.
Wir kommen klar.

Schreiben

Ich schreibe dies,
in Unterwäsche,
nachdem ich mir versichert habe
das ich noch schreiben kann.
Das ich noch existiere.
Noch nicht untergegangen bin
In dieser Welt von Worten und Gefühlen.
Und das ich sie und ihn küssen will
und an ihnen riechen.
Doch wo ist mein Platz in diesem Kampf?
Wann stirbt die Frage?
Wann die Antwort?

Lebenszeit

Death in Liebe gewidmet

Leben in Ruhe.
Von niemanden bemerkt.
Leben in Ruhe.
Nicht teilgenommen.

Keine Experimente!
Kein Feuerwerk!
Kein glücklicher Rausch!
Nur Schlaf und Arbeit.

Die Kinder nicht
über den Rand fallen lassen.
Den Bäumen
beim wachsen zusehen.

„Das ist das Leben!“,
sagten die Leute.
Heute sollst du
über dich herauswachsen.

Nein, auch wenn ich mich
widerhole:
„Ich habe keine Antworten!“
Nur das was alle bekommen:
Ein Leben.