Lieber Herr Rowohlt,

nein es ist kein runder Geburtstag, aber ich wollte Ihnen schon seit ein paar Jahren was schreiben. Zumal ich mir ihren Geburtstag gut merken kann. Nämlich einen Tag nach mir. (Und 30 Jahre vor mir.) Und was? Naja, ein Dankeschön. Wofür? Dafür muss ich etwas ausholen, denn es ist einiges. (Keine Abschweifungen versprochen. Das können sie sehr viel besser.)

Zunächst für die „Grüne Wolke“. Weil sie damit nämlich einem ruhigen, etwas ängstlichen kleinen Jungen ein wenig Rotwelsch beigebracht haben. (Verfatz dich, du schräger Singvogel!) Und mich damit etwas mutiger gemacht haben.

Dafür das sie mir den Unterschied zwischen einem elisabethanischen und einen jakobinischen Shakespeare erklärt haben. Schreddelgitarre eben.

Das sie mir gezeigt haben, das es schön ist ein Bär zu sein. Groß, stark und doch fein.

Das sie mir gezeigt haben, das man älter werden kann ohne völlig zu verblöden, oder die Gedanken seiner Jugend völlig ad acta zu legen. (Na gut meine Großeltern waren auch nicht schlecht darin, aber jetzt ist es auch wichtig für mich…) Das sie mir gezeigt haben, dass man zu seiner Überzeugung stehen kann und zwar ganz, ohne grässlich steif zu werden und anderen den eigenen Musikgeschmack aufdrängen zu wollen.

Dafür, das ich dank ihnen noch ein gutes Bilderbuch zum Vorlesen hatte. Und das sogar mit Walter-Trier-Bildern! (Mit denen ich im übrigen auch aufgewachsen bin.) Und die so gut waren, das es eins der wenigen Bücher ist, dass ich immer noch gerne vorlese. Und die Prinzessin, was meine Tochter ist, konnte sie bald alle auswendig und konnte sie ihren Freundinnen „vorlesen“. (Jetzt hat sie es ja mehr mit Mathe, aber das ist auch schön.)

Und natürlich, dass sie besagter Prinzessin Pu vorgelesen haben. Mit allen Stimmen! Es war immer schön es aus dem Kinderzimmer zu hören und zu wissen: Ja!

Viel wäre noch zu erzählen. (Z.B. Über Alfred Polgar, von dem sie einen Brief besitzen und den ich dank ihnen richtig entdeckt habe.) Aber ich möchte ja nicht aufdringlich sein. Nur sie zum Geburtstag grüßen. Und eben danke sagen.

P.S. Ich mochte ihre Kolumne die nur aus P.S. bestand.

P.P.S. Die Prinzessin sagt, sie kann sich an das „vorlesen“ von ihr nicht erinnern. Es ist aber doch passiert!

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Krähen, Feen, Wassermänner, Gespenster.

Das erste was mir einfält ist die Tatsache, das das allererste Buch was ich gelesen habe, der Räuber Hotzenplotz war. Ich las es gleich 26 (oder so) mal. Verliebte mich ein wenig in die Fee Amaryllis. (Noch heute mag ich diesen Namen sehr. Amaryllis.) Staunte über den wunderschönen Namen, Petrosilius Zwackelmann. (Später, als ich dieses Buch der Prinzessin vorlas, lächelte ich jedesmal wenn der Name auftauchte.)

Natürlich las ich darauf die wundervolle Trilogie, der kleine Wasserman, das kleine Gespenst und, natürlich, die kleine Hexe. Geschichten von Freundschaft und Neugierde. Das erste mal erlebte ich jemanden der diese Figuren ganz selbstverständlich sprechen lassen konnte. Der einem etwas beibrachte, ohne das man lernen musste. Jemand der Phantasie ernst nahm. Ich denke ihm habe ich es zu verdanken, wenn ich heute mit allerlei Dingen und Wesen spreche ohne mir etwas dabei zu denken.

Krabat habe ich seltsamerweise erst spät gelesen. Ich war ca 26 und wieder war da diese Selbstverständlichkeit der Zauberwelt. Wieder dieses Lernen. Diese Beschreibung eines Bösewichtes, der nicht einfach nur böse war weil er böse war. (Was mich schon als Kind an z.B. den Grimmschen Märchen gestört hatte..) Gesellschaftskritik? Ja, aber das führt in die Irre. Der Begriff ist zu eng. Als guter Lehrer wusste er wohl wie man Kinder zum denken brachte. Ohne das sie es merkten. Auch ich hab das erst später bemerkt.

Träume, Gedanken, Magie. Ich danke dir, Otfried Preußler! Und die Prinzessin (großer Hotzenplotzfan!) auch!

 

Free Pussyriot!

Da der Prozess vorbei ist, und trotz der Flucht eines Mitglieds, ist es ziemlich still geworden um Pussyriot. Auch von Femen hat man lange (zumindest nach Medienzeitrechnung) nichts mehr gehört/gesehen.

Höchste Zeit also nochmal zu erinnern an die ganze Situation.

Nachtrag 13.9.2012
Medwedjew fordert Freilassung von Pussy-Riot-Aktivistinnen