Frühling in Berlin (Teil 260)

Der Mai ist da.
Die Menschen sitzen draußen.
In meinen Gedanken ein Fluss.
Blumen blühen. Kinder werden erwachsen.
Meine Gefühle haben sich im Wald verlaufen.
Paare küssen sich. Sie sind glücklich.
Viele trinken Bier.
In meinem Wald wohnt ein Mädchen.
Noch ist das Gras grün.
Abends öffne ich ein Fenster.

Sonett

Wer nicht dabei war kann das nicht verstehen.
Das ist die eigentliche Wahrheit dieser Nächte.
Das und der verschlierte Blick
nach innen und außen.

Wer nicht dabei ist kann das nicht verstehen.
Diese Bewegungen zweier Körper
ist seit Jahrtausenden bekannt.
Und doch ist es was anderes für jeden Menschen.

Wer es nicht kennt kann das nicht verstehen.
Diese gläserne Wand die manchmal auftaucht.
Dieses Missverständnis ich sei ein Mensch.

Das erträgt man nur mit Humor.
Mit der Gewissheit das du niemanden verrätst
wenn du nicht mehr so viel nachdenkst.

Heute

Der Junge im Buggy sieht sich gelangweilt um.
Ich bin versucht ihm recht zu geben.
Trotz Phasen in denen deine Augen gezittert haben.
Als Jugendlicher hast du ungern dein T-Shirt ausgezogen.
Hattest recht weiße Haut. Und recht viel Fett.
Aber es war eh nur ein Freibad aus Beton.
Heute habe ich zuviele geleckte Menschen gesehen.
Tote Gesichter die auch nur leben.
Dafür war der Bahnhof Alexanderplatz gesperrt.
Ich habe kurz an dich gedacht und an Sex.
Es gab Spatzen und Sekt und den Moloch und Rassismus.
Wir sind Bus gefahren.
Und jetzt hab ich nicht mal Lust auf Bier.
 

Abend

„Natürlich gibt es mehr
als das.“, dachte er und
bestellte sich noch etwas
zu trinken.

Er war nicht eigentlich
traurig. Nur gekränkt vom
Leben und das war natürlich
nicht gerecht.

Er misstraute der Realität
und wollte nichts erleben.
Natürlich ging das wieder
vorbei. Wie alles.

Er sah sich die Menschen an.
Wie sie tranken und lachten.
Dies war nicht sein Planet.
Das wusste er.

Sein Körper ärgerte ihn.
Sein Geist ärgerte ihn.
„Du musst dich zusammenreissen!“,
sagten sie.

Andere hatten es noch schlechter
als er. Das wusste er auch.
Nur leider änderte das nichts an
seiner Lage.

Er zahlte. Seine Augen glitten
an einem schönem Paar entlang.
er genoss die Schönheit. Dann
ging er.

Trost

Los, steh auf und
sieh mir in die Augen!
Steh auf, es gibt Dinge
zu tun. Deinen Körper
zu bewegen. Alles wird
sich finden. Nur:
Steh auf!

Alles wird sich finden:
Trost und Liebe und
so etwas wie Zuversicht.
Grabe. Schreibe. Denke.
Koche den Reis. Trinke
das Bier. Es ist schwarz.
Alles wird sich finden.

Esse dich satt!
Du hast die Liebe verdient.
Reiße unermüdlich die Mauern
ein die du um dich gebaut hast.
Bist du dann auch schutzlos
und nackt und verletzlich.
Esse dich satt!

Bleibe verletzlich.
Schütze dich natürlich.
Du darfst zurückweichen!
Darfst dich verweigern!
Es ist das Leben das
überfordert und schmerzt.
Bleibe verletzlich!

Das Mädchen mit dem Bonanzarad

Sie hatte ihn im
Armdrücken besiegt
und lachte lauter als er.
Sie lagen sich in den Armen.

Unten am Fluß wo sie
saßen und Bier tranken.
(Selbst wenn es regnete)
Seine Lippen waren kalt.

Manchmal drückte sie
ihn an die Wand und sah
ihm mit einem Lächeln
in seine Augen.

Früher hatte sie ein
Bonanzarad und war am
riskantesten gefahren.
Und sie konnte Rauchringe.

Sie roch oft leicht nach Rauch.
Drehte gute Zigaretten.
Er schlief in ihren Armen.
Zum Klang der E-Gitarren.