4Uhr Morgens

In dieser Zeit,
mitten in der Nacht,
verwahrlost und durstig,
müde verwirrt und voller Scham.
geil und impotent,
wartend auf den Schlaf oder den Morgen
oder den Tod oder die Erlösung
oder einfach nur einen Satz.
Ein paar Worte die noch
hervorkommen aus der Lawine,
dem Chaos der Bilder und Gefühlen
und Meinungen und dem
Blut der Verzweiflung über den Tod.

Blues

Ich hab mich dem Teufel übergeben.
In einer Sommernacht. Es war warm.
Wir saßen im Moos und tranken Bier.
Ich unterschrieb lachend mit Blut.
Ich sang so schön ich konnte.
(Und ich konnte plötzlich viel.)
Worte fielen mir ein um dich zu erreichen.
Doch sonst erreichte ich nicht viel.
Ich sang so schön ich konnte.
Doch ich verstand die Menschen nicht.
Wusste nicht was sie dachten.
Wusste nicht was sie fühlten.
Ich tötete niemanden.
Vergoss kein Blut.
(Außer mein Herzblut.)
Aber fühlte nichts mehr.
Ich trank zuviel. Ich aß zuviel.
Ich betäubte mich. Ich lebte.
Es war in einer warmen Sommernacht.
Ich hab mich dem Teufel übergeben.

Das Leben zur Zeit

Gespräche auf hohem Niveau.
Körper sind leer.
Gedanken stocken.
Geschrei von außen macht Angst.
Geld und Macht. Macht und Geld.
Zuviel Zeit vor dem Fernseher.
Erwartungen zu hoch.
Aber sie haben Stil.
Wissen was man nicht will.
Selbstoptimierungsverloren.
Echtheit echt erfunden.
Sie wollen dir Angst machen!
Berühre mich, aber fass meine
Frisur nicht an. Die war teuer.
Echt bist du nur
wenn du tötest.
Verloren, Verlieren, Tod, Getötet.
Finden, Verlieren, Lieben, Angst.
Geschrei, Unordnung, Verkriechen.
Arbeiten, Wünschen, Geld ausgeben.

Blut und Nacht

Für Tilda Swinton

Die beiden liegen in
Dunkelheit. Rot liegt
das Blut auf ihren Lippen.

Sie nehmen sich auf
mit allen Sinnen,
sie trinken sich.

Hell leuchtet ihre Haut.
Still ist ihr Gespräch.
Sterben können sie nicht.

Sie lächeln selten.
Reden leise.
Schweigen oft.

Hingegeben der Nacht
und der Musik, lauschen
sie dem Mond.

Sich Klein machen

Manchmal setzt du dich hin
und versuchst ein paar
Worte zu finden die dich
beruhigen und trotzdem
Sinn ergeben und die
noch nicht so oft geschrieben
wurden. Manchmal versuchst
du Menschen zu erreichen
mit deinen Sinnen und
Metaphern und Tönen.
Manchmal ist das was
du bist nicht gut genug.
Du versuchst dich hoch
zu stemmen und bleibst
zitternd liegen.

Du & Ich

Lass uns nicht verlieren.
Reden wir Unsinn und
erinnern uns. Bis die
Sterne verschwinden.

Lass uns nicht vergessen
woraus wir bestehen.
Aus Blut und Schweiß
und Muskeln und Fleisch.

Lass uns unseren Kopf
behalten. Das Leben
ist ein Rätsel und es ist
dunkel da draußen.

Lass uns ängstlich sein
und einander vertrauen.
Wir kennen die Menschen.
Und was sie tun.

Lass mich deinen Körper
spüren. Warm und blass.
Erzähle mir wie es
weitergehen soll.

Selbstgespräch

Hallo Welt, wie geht es dir?
Mir gehts ganz gut.
Welt, es gibt da einiges was ich nicht verstehe.
Kann sein das ich naiv bin
Ich glaube an Götter und Bilder.
Ich war immer gerne betrunken.
Ich glaube das ich Körper mag, aber keinen Sex.
Welt, ich glaube ich verstehe mein Geschlecht nicht.
Ich würde gerne mehr lieben.
Da draußen, die Menschen, sind zu laut.
Aber ich schätze ich bin nicht besser.
Nur mir ist es zu viel.
Die Liebe und der Hass.
Das Rennen und was sie alle zu besprechen haben.
Ich weiß von alledem nichts.
Ich fühle mich nicht von dieser Welt.
Ich rühme mich nicht, es ist nur ein Gefühl.
Alles was ich hier beschreiben könnte wisst ihr eh schon.
Die Ungeduld die als Lebenshunger getarnt ist.
Das Geld. Mehr brauch ich nicht zu sagen.
Da draußen sterben Menschen.
Welt, ich kann es nicht ändern,
ich mag das nicht.
Ich bin jeden Tag jemand anderes.