Die bleierne Stunde

Vielleicht sterben wir ja wirklich.
Vielleicht tötet uns jede einzelne Krise.
Körper, Seele, Moral und Lust sterben.
Wir bleiben zurück als Hüllen.
Das Meer zieht sich zurück.
Das Feuer verglimmt.
Wir ersticken im Moor.
Aber vielleicht werden wir gleichzeitig geboren.
Vielleicht brauchen wir diesen Tod.
Körper, Seele, Moral und Lust erstehen neu.
Die Hülle bekommt neue Narben und lernt.
Das Meer kehrt wieder.
Das Feuer gebiert den Phönix.
Und das Moor ist ein Weg.

Sonett

Wer nicht dabei war kann das nicht verstehen.
Das ist die eigentliche Wahrheit dieser Nächte.
Das und der verschlierte Blick
nach innen und außen.

Wer nicht dabei ist kann das nicht verstehen.
Diese Bewegungen zweier Körper
ist seit Jahrtausenden bekannt.
Und doch ist es was anderes für jeden Menschen.

Wer es nicht kennt kann das nicht verstehen.
Diese gläserne Wand die manchmal auftaucht.
Dieses Missverständnis ich sei ein Mensch.

Das erträgt man nur mit Humor.
Mit der Gewissheit das du niemanden verrätst
wenn du nicht mehr so viel nachdenkst.

Wie fühlt es sich an?

In meinem Körper leben keine Schmetterlinge.
Zur Zeit nicht einmal Motten.
Ich weiß, du wolltest nur mich,
aber ich schlafe noch und versuche zu erwachen.
Ich schleppe mich nach hause und denke an
die Kraft die ich gestern noch hatte.
Der Tod ist keine Option.
Aber Ruhe wäre schön.
How does it feel?
Feel to feel.
Wie immer.
Angst, Wut, Selbsthass und Überlebenswille.
Ich weiß, es ist dir zuwenig.
Mir ist es zuviel.
 

Das ist es nicht

Das ist es nicht.
Es ist nicht das kollabieren auf der Straße.
Das sind Bilder. In dir. In euch.
Aber das ist es nicht.
Du weinst nicht in dein Essen.
Schreist nicht nach Gott und deiner Mama.
Das sind Bilder. Hilfen um es zu verstehen.
Aber das ist es nicht.
Du lebst. Du lächelst. Spielst ihre Spiele.
Nur: All das funktioniert nicht.
Es ist nicht laut. Die Welt ist laut.
Nichts könnte weiter weg von Drama sein.
Das ist es nicht.

Oh Angst!

Und dann wieder Angst.
Unnötige Angst die deinen Kopf
zum explodieren bringt.
Die die Atemluft zum gefrieren bringt.
Die die Augen aussticht.
Und jeden Menschen zum potentiellen Monster macht.
Dir die Ruhe raubt.
Dich in den Alkohol schmeißt damit du ertrinkst.
Blumen zertritt und Unschuld auffrisst.
Dein Rückgrat zerkaut.
Im Schnee verbrennt und dann ausspuckt.
Deine Worte zerhackt und Liebe verhöhnt.
Und niemanden anderen neben sich duldet.

Ich bin noch nicht fertig

Respekt dafür das du jeden Tag rausgehst
obwohl du den Spiegel nicht erträgst.
Respekt das du nicht auf die Stimmen hörst
obwohl es deine Stimmen sind.
Respekt dafür das du dein Leben lebst
obwohl es dich langweilt und tötet.
Respekt dafür das du weiter sprichst
obwohl immer du immer dasselbe zu sagen scheinst.
Respekt dafür das du nicht alles beendest
obwohl es so sinnvoll erscheint.
Respekt das du die Sonne suchst,
die Vögel und den Sinn.
(Er ist nicht da, aber du musst ihn suchen.)
Kein Mitleid.
Kein „Weiter so!“
Kein hartes „Du musst!“
Du musst gar nichts.
Aber vielleicht solltest du dich respektieren.

Dreck

Hab schon oft im Dreck gelegen.
Wenn ich mich auch oft nur als Tourist gefühlt habe.
War im Sommer voller Sand. Er trocknete auf mir.
Er färbte die Fleete schmutzig braun wenn ich vorüber ging.
Er bedeckte die Steinstrasse wenn ich durch sie schlich
und beschimpft und gut aufgenommen wurde mit meiner Scham.
Meinen Trieben folgte und meine Seele sah in Pornobildern.
Ich schlief darin und er lockte mich
wenn ich verzweifelt nach Hause wankte.
Er gehört auch zu mir.

 

Neues von S.

(Skizze)

S. war nicht einmal betrunken. Er war nüchtern und bekam alles mit. Jeden Schritt, jeden Laut. Jeden Gedanken hörte er. Etwas jagte ihn. Irgendetwas wollte sich lösen und das war auch gut so. Nur war S. nicht bereit. Er fürchtete, es könnte das falsche sein was sich löste. Etwas was er noch gebrauchen könnte. Er musste das wenige beisammen halten. Es durfte nicht alles verloren gehen.

Es konnte doch nicht alles falsch gewesen sein was er getan hatte. Es war doch sein Weg gewesen. Nun stand er in einer Einöde. Überall um ihn herum war Gras und Steine. Überall sah er den Horizont und dieser engte ihn ein. Am Abend riss er sich sein T-Shirt vom Oberkörper als würde ihn das ersticken. S. bekam nichts geschafft. Und doch fühlte er sich totmüde. Er schlief immer mehr. Träumte wild und unverständlich. Sogar für ihn unverständlich. S. war nervös. Jeder Satz den er las redete auf ihn ein. 

Immer wieder

Es kommt immer wieder.
An der Wand hängen immer noch
die nicht abgeschickten Briefe.
Die Wohnung verdreckt schneller
als ich sie aufräumen könnte.
Ich hänge mich an das
was mich umbringt.
Es kommt immer wieder.
Die Menschen schweigen.
Ich habe sie ausgeschaltet.
Ich habe Angst vor der Stille.
Ich richte viel an.
Ich möchte meine Ruhe haben.
Lösch das Licht.
Mach die Musik aus.
Vergiss die Worte.
Es kommt immer wieder.