Wie fühlt es sich an?

In meinem Körper leben keine Schmetterlinge.
Zur Zeit nicht einmal Motten.
Ich weiß, du wolltest nur mich,
aber ich schlafe noch und versuche zu erwachen.
Ich schleppe mich nach hause und denke an
die Kraft die ich gestern noch hatte.
Der Tod ist keine Option.
Aber Ruhe wäre schön.
How does it feel?
Feel to feel.
Wie immer.
Angst, Wut, Selbsthass und Überlebenswille.
Ich weiß, es ist dir zuwenig.
Mir ist es zuviel.
 

Das ist es nicht

Das ist es nicht.
Es ist nicht das kollabieren auf der Straße.
Das sind Bilder. In dir. In euch.
Aber das ist es nicht.
Du weinst nicht in dein Essen.
Schreist nicht nach Gott und deiner Mama.
Das sind Bilder. Hilfen um es zu verstehen.
Aber das ist es nicht.
Du lebst. Du lächelst. Spielst ihre Spiele.
Nur: All das funktioniert nicht.
Es ist nicht laut. Die Welt ist laut.
Nichts könnte weiter weg von Drama sein.
Das ist es nicht.

Oh Angst!

Und dann wieder Angst.
Unnötige Angst die deinen Kopf
zum explodieren bringt.
Die die Atemluft zum gefrieren bringt.
Die die Augen aussticht.
Und jeden Menschen zum potentiellen Monster macht.
Dir die Ruhe raubt.
Dich in den Alkohol schmeißt damit du ertrinkst.
Blumen zertritt und Unschuld auffrisst.
Dein Rückgrat zerkaut.
Im Schnee verbrennt und dann ausspuckt.
Deine Worte zerhackt und Liebe verhöhnt.
Und niemanden anderen neben sich duldet.

Ich bin noch nicht fertig

Respekt dafür das du jeden Tag rausgehst
obwohl du den Spiegel nicht erträgst.
Respekt das du nicht auf die Stimmen hörst
obwohl es deine Stimmen sind.
Respekt dafür das du dein Leben lebst
obwohl es dich langweilt und tötet.
Respekt dafür das du weiter sprichst
obwohl immer du immer dasselbe zu sagen scheinst.
Respekt dafür das du nicht alles beendest
obwohl es so sinnvoll erscheint.
Respekt das du die Sonne suchst,
die Vögel und den Sinn.
(Er ist nicht da, aber du musst ihn suchen.)
Kein Mitleid.
Kein „Weiter so!“
Kein hartes „Du musst!“
Du musst gar nichts.
Aber vielleicht solltest du dich respektieren.

Neues von S.

(Skizze)

S. war nicht einmal betrunken. Er war nüchtern und bekam alles mit. Jeden Schritt, jeden Laut. Jeden Gedanken hörte er. Etwas jagte ihn. Irgendetwas wollte sich lösen und das war auch gut so. Nur war S. nicht bereit. Er fürchtete, es könnte das falsche sein was sich löste. Etwas was er noch gebrauchen könnte. Er musste das wenige beisammen halten. Es durfte nicht alles verloren gehen.

Es konnte doch nicht alles falsch gewesen sein was er getan hatte. Es war doch sein Weg gewesen. Nun stand er in einer Einöde. Überall um ihn herum war Gras und Steine. Überall sah er den Horizont und dieser engte ihn ein. Am Abend riss er sich sein T-Shirt vom Oberkörper als würde ihn das ersticken. S. bekam nichts geschafft. Und doch fühlte er sich totmüde. Er schlief immer mehr. Träumte wild und unverständlich. Sogar für ihn unverständlich. S. war nervös. Jeder Satz den er las redete auf ihn ein. 

Immer wieder

Es kommt immer wieder.
An der Wand hängen immer noch
die nicht abgeschickten Briefe.
Die Wohnung verdreckt schneller
als ich sie aufräumen könnte.
Ich hänge mich an das
was mich umbringt.
Es kommt immer wieder.
Die Menschen schweigen.
Ich habe sie ausgeschaltet.
Ich habe Angst vor der Stille.
Ich richte viel an.
Ich möchte meine Ruhe haben.
Lösch das Licht.
Mach die Musik aus.
Vergiss die Worte.
Es kommt immer wieder.

Schönheit

Vielleicht ist es dieses Verblühen.
Vielleicht das du nichts verpassen kannst.
Hier in diesem Raum in dem du sitzt.
Und dein Bart wird länger
und der Hunger größer und du kannst nicht.
Kannst nicht raus. Kannst nicht sprechen.
Schweigst vor der Schönheit.
Die dir den Atem raubt. Die dir Angst macht.
Etwas ist zerbrochen. Schon immer.
Falsch zusammengesetzt. Und du kannst nicht.
Kannst nicht drüber sprechen.
Weil es falsch ist. Jeder Buchstabe.
Jeder Buchstabe eine Lüge.
Du kennst dich nicht.
Kannst dich nicht anpreisen.
Hast dich nicht verstanden.
Und nichts auf diesem Planeten.
Der so anders ist als dein Heimatplanet.
Die Schwerkraft hier ist stärker.
Glücklicher Kal-El.
All das ist nicht schön.
Vergiss das nicht.

Gedanken

We’re not scaremongering
This is really happening
(Radiohead/Idioteque)

Der Zeitpunkt, wenn du es nicht mehr Schmerz nennst. Wenn alles wieder anläuft. Du weißt: du musst nicht funktionieren, aber du darfst leben. All diese Grautöne sind nicht so schlimm wie du dachtest. Es ist nicht nur dieses schmutzige Grau das von zuviel reinwaschen des Lebens kommt. Es ist nicht diese langweilige, alles abtötende Grau das du aus den Vorstädten kennst. Es sind diese Grautöne die zu dem Bunt gehören.

Der Zeitpunkt, in dem du bemerkst das du einen Körper hast. Einen Körper der nicht nur eine Verlängerung deines Geistes ist. Das du diesen Geist nicht verrätst wenn du auch deinen Körper spürst. Ja, einiges sieht widerlich aus was er produziert. Ja, Sex ist auch ganz häufig einfach nur lächerlich. Schweiß riecht nicht gut. Waschen ist anstrengend. Aber es ist eben auch selfcare. Dieses bewegen. Das stricheln. Berührungen zulassen. Spüren das man atraktiv ist. Selbst wenn man als Jugendlicher anderer Meinung war.

Der Zeitpunkt wo du einsehen musst, das du dich nicht mehr verstecken kannst. Und schauen musst, wo hingehen willst. Deine Ängste annehmen. Mit ihnen Leben. Nicht stark sein. Doch stark sein. (Manchmal sehe ich wie ein melancholischer Seemann aus.) Darüber dein Herz nicht vergessen. Das symbolische und das reale. Träumen und doch in der Welt sein. Mehr als eine Anordnung von Worten. Ohne die Worte zu verlieren. Gibt es wirklich Menschen für die das leicht ist? Die das können? Das nebeneinander und durcheinander?

Scham

„Die alte Scham ist falsche Scham.“
(Inge Müller)

Meinen Körper auch nur
vor mir zu zeigen ist schwerer
als ich zugeben mag. Er ist
nicht hässlich, aber er gehört
nicht wirklich zu mir.
Und wir streiten oft.

Mich vor dir zu öffnen
erfordert viel Mut, meine Worte
sind nicht dafür ausgerichtet.
Schon das ich dich schön finde
bereitet mir fast Schmerzen.
Und ich weiß nicht warum.

Ich zu sein erfordert oft
viel Geduld, obwohl es bestimmt
nicht schlechter ist als vieles
andere was man sein könnte.
Ich muss es schützen.