Das Schweigen

Für Ingmar Bergmann

Das Gefühl nicht von hier zu kommen.
Die Sprache nicht zu kennen.
Keine Sprache.
Allein und geil und ängstlich.
Das Gefühl nicht dazu zu gehören.
Eigentlich weggehen zu müssen.
Weg von allen.
Und sich dabei egoistisch zu fühlen.
Das Gefühl nicht dazu zu gehören.
Ein nichts.
Und damit zu übertreiben.
Im Wind rauschen die Blätter.
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Sonett

Wer nicht dabei war kann das nicht verstehen.
Das ist die eigentliche Wahrheit dieser Nächte.
Das und der verschlierte Blick
nach innen und außen.

Wer nicht dabei ist kann das nicht verstehen.
Diese Bewegungen zweier Körper
ist seit Jahrtausenden bekannt.
Und doch ist es was anderes für jeden Menschen.

Wer es nicht kennt kann das nicht verstehen.
Diese gläserne Wand die manchmal auftaucht.
Dieses Missverständnis ich sei ein Mensch.

Das erträgt man nur mit Humor.
Mit der Gewissheit das du niemanden verrätst
wenn du nicht mehr so viel nachdenkst.

Das ist es nicht

Das ist es nicht.
Es ist nicht das kollabieren auf der Straße.
Das sind Bilder. In dir. In euch.
Aber das ist es nicht.
Du weinst nicht in dein Essen.
Schreist nicht nach Gott und deiner Mama.
Das sind Bilder. Hilfen um es zu verstehen.
Aber das ist es nicht.
Du lebst. Du lächelst. Spielst ihre Spiele.
Nur: All das funktioniert nicht.
Es ist nicht laut. Die Welt ist laut.
Nichts könnte weiter weg von Drama sein.
Das ist es nicht.

Das gibt es auch.

Auch gibt es die Sonne
und die Bewegung deines
eigenen Körpers. Und die
Worte von anderen bringen
dich manchmal zum lächeln.

Ja, die Menschen sind grausam.
Aber sie haben auch am meisten
darunter zu leiden. Also hab
Geduld. Atme die Luft. Klingt
einfach, ist es aber nicht.

Verlange keine Liebe.
Genieße dein Essen.
Habe Geduld.
Höre nicht auf.
Lebe dein Leben.

Aber vor allem:
Höre zu. Lausche den
Vögeln, dem Wind, dem
Wasser, der Musik, den Worten
und vergiss die Menschen nicht.

Ahnungsvoll

Draußen lässt sich immer
mal wieder die Sonne sehen
doch die Bäume tragen noch
kein grün. Der Boden kahl.

Schon wird etwas versprochen,
das noch einzulösen ist.
Blumen schicken schöne Grüße.
Sie kämen bald.

Du wirst noch oft Winter haben.
Aber die Zeit des Versteckens
ist erstmal vorbei. Bald wirst du
verstehen was die Menschen sagen.

Du musst sie nicht alle lieben,
mein Herz. Hör einfach nur zu
und hab keine Angst. Die Wand
schützt auch vor Regen.

Standpunkt

Ich weiß auch nicht
wo es hingehen soll.
Dieses Leben. Keine
Manifeste. Keine
Programme. Nur das.
Mein Kopf und meine
Worte. Der Staub und
der Regen der Strasse.
Mein Bauch und meine
Dämonen. Meine Liebe
und meine Anteilnahme.

Tag für Tag frage ich
mich ob ich lieben kann.
Stehe auf und pule die
Rechnungen aus dem
Briefkasten. Ich beobachte
die Möwen und streichele
meinen inneren Bären.
Tag für Tag versuche
ich mit meiner Tochter
ein gutes Leben zu
führen. Tag für Tag
versuche ich mich mit
Menschen zu unterhalten.
Gedanken austauschen.
Umarmen.

Abschiede

Manchmal

möchte ich mich dafür

entschuldigen, dass ich

einfach so verschwinde.

Ich verstumme und

kann nicht einmal

Gründe angeben.

 

Auch auf mich

könnt ihr nicht bauen,

aber ich

bin nicht stolz darauf.

 

Ich schweige,

zucke die Achseln

und rede doch zuviel,

wenn ich bei euch bin.

 

Dann stehe ich

auf der Brücke.

Alleine, verwirrt

beschämt.