In schimmernder Rüstung

Manchmal, in dunklen Nächten, der Gedanke an dich.
Wie du reinkommst. Wie eine Ritterin in weißer Rüstung.
Du erschlägst den Drachen und rettest mich.
Du befreist mich aus dem Turm in den ich mich sperrte.
Ich weiß das ich stark genug bin.
Morgen wache ich wieder auf.
Nur manchmal wäre es schön an dich zu denken.
In dunklen Nächten Lieder für dich zu singen.

Angst vor dem Körper

Dein Mund, deine Beine und dein Augen.
Dein Körper und dein Geruch.
Deine Bewegungen. Berühren.
Alle Grenzen schwimmen weg mit dir.
Jetzt bin ich ehrlich. Jetzt.
Wir sind wir.
Körper, Gefühle und Geschlechter verschmelzen.
Lösen sich nicht auf.
Küss mich. Breche meine Barrieren.
Ich hab angst vor mir.

Ich bin noch nicht fertig

Respekt dafür das du jeden Tag rausgehst
obwohl du den Spiegel nicht erträgst.
Respekt das du nicht auf die Stimmen hörst
obwohl es deine Stimmen sind.
Respekt dafür das du dein Leben lebst
obwohl es dich langweilt und tötet.
Respekt dafür das du weiter sprichst
obwohl immer du immer dasselbe zu sagen scheinst.
Respekt dafür das du nicht alles beendest
obwohl es so sinnvoll erscheint.
Respekt das du die Sonne suchst,
die Vögel und den Sinn.
(Er ist nicht da, aber du musst ihn suchen.)
Kein Mitleid.
Kein „Weiter so!“
Kein hartes „Du musst!“
Du musst gar nichts.
Aber vielleicht solltest du dich respektieren.

Vorstadtrebell

Ich war 16 und rebellierte eigentlich nicht.
Lief nur herum in meinem BW-Parka.
(Ich trank nicht einmal. Das kam später.)
Ich ekelte mich, dass ist wahr. Sonst nichts.
Nachts sah ich manchmal die Lichter der Autos
die in mein Fenster schienen.
Und die Lichter hinter meinen Augenlidern.
Ich sprach selten und wenn war es seltsam.
Ich hatte sogar eine alte Schreibmaschine
auf der ich einige Gedichte schrieb.
Aber ich war zu langsam mit ihr.
Ich bewunderte Schönheit und war ein Idiot.
Aber mein Hund mochte mich.
Und die Dichterinnen.
Ich war 16 und ich schwieg. Teilweise aus Trotz.
Das ist alles.

Das Lächeln

Es wird kälter
und ich gestehe:
Meiner Haut gefällt es.
Es wird dunkler
und ich sehe:
Die Menschen hasten nach Hause.
Nehmen Zuflucht
in der Wärme
und warten auf den Sommer.
Ich aber trinke Wein
und versuche meinen Körper
zu spüren und ihn zu lieben.
Mir gegenüber sehe ich ein Lächeln
und obwohl es mir nicht gilt
freut es mich.

Neues von S.

(Skizze)

S. war nicht einmal betrunken. Er war nüchtern und bekam alles mit. Jeden Schritt, jeden Laut. Jeden Gedanken hörte er. Etwas jagte ihn. Irgendetwas wollte sich lösen und das war auch gut so. Nur war S. nicht bereit. Er fürchtete, es könnte das falsche sein was sich löste. Etwas was er noch gebrauchen könnte. Er musste das wenige beisammen halten. Es durfte nicht alles verloren gehen.

Es konnte doch nicht alles falsch gewesen sein was er getan hatte. Es war doch sein Weg gewesen. Nun stand er in einer Einöde. Überall um ihn herum war Gras und Steine. Überall sah er den Horizont und dieser engte ihn ein. Am Abend riss er sich sein T-Shirt vom Oberkörper als würde ihn das ersticken. S. bekam nichts geschafft. Und doch fühlte er sich totmüde. Er schlief immer mehr. Träumte wild und unverständlich. Sogar für ihn unverständlich. S. war nervös. Jeder Satz den er las redete auf ihn ein. 

Immer wieder

Es kommt immer wieder.
An der Wand hängen immer noch
die nicht abgeschickten Briefe.
Die Wohnung verdreckt schneller
als ich sie aufräumen könnte.
Ich hänge mich an das
was mich umbringt.
Es kommt immer wieder.
Die Menschen schweigen.
Ich habe sie ausgeschaltet.
Ich habe Angst vor der Stille.
Ich richte viel an.
Ich möchte meine Ruhe haben.
Lösch das Licht.
Mach die Musik aus.
Vergiss die Worte.
Es kommt immer wieder.