Aus den dunklen Wäldern

1
Ich habe Verzweiflung gesehen und
die Explosionen hinter den Augenliedern,
Wälder gab es und Träume von Göttern,
Dämonen und Rechenaufgaben.

Es gab Rausch und Liebe und
Einsamkeit und manchmal sah
ich aus, als wäre ich 1000 Jahre alt.
Ich spreche mit mir selbst.

2
Jetzt suche ich in und außer mir
nach Antworten und Fragen.
Versuche mit Menschen zu reden
und ihnen zu helfen.

Versuche zu fühlen wie
viele Verschiedene ich bin.
Fühle die Frau und den Mann,
Den Körper und den Geisterbären.

3
Ich werde berühren und nicht
übersehen das die Gefährlichen
wieder mächtiger werden. Und
die Ungefährlichen beschützen.

Ich versuche sanft und stark zu
sein. Nicht einknicken, aber auch
nicht zerbrechen. Mich und die meinen
sehen und spüren und küssen.

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Wachtraum

4.42 Uhr auf einer weißen Matratze mitten in einer kleinen Wohnung. Er liegt zwischen Traum und Wachen. Wachträume und Schlafträume gehen ineinander über. In seinem Blut zirkulieren verschiedene Substanzen. Er bewegt sich nicht.
Er sieht Bilder. Riecht, schmeckt und fühlt Dinge die nicht in diesem Zimmer sind. Seine Gedanken streifen Körper. Sehen geliebte und begehrte Menschen. Männer und Frauen. Sie lächeln ihm zu. Seine Brust hebt und senkt sich. Es tut weh. Er fühlt ihre Wangen, Schenkel, Hintern. Schmeckt das leicht salzige am Hals einer durchtanzten Nacht. Er spricht und schweigt. Auf einmal kann er die Sprache der Augen. Nimmt alles auf.
Er fühlt Liebe und pure Geilheit. Sanfte Freundschaft und den Hass der aneinander treibt. Prügelt sich hemmungslos. Saugt das Blut von den Lippen. Verletzt und wird verletzt. Befiehlt und gehorcht. Er vertraut sich und den anderen. Noch immer bewegt er sich nicht.

Sterne

Manchmal,
wenn ich zu jemanden
gehören möchte,
(und das geschieht nicht oft.)
dann denk ich an euch.
An all
die vorlauten,
oder zu leisen.
Die Kinder die denken,
anstatt zu essen.
Die an den falschen
Momenten reden,
oder betrunken sind,
wenn es nicht passt.
Die, die gehasst werden
weil sie zu klug sind.
Die für dumm gehalten
wurden und werden.
Diejenigen die zu laut sind.
Die übersehen werden.
Die sich falsch fühlen.
(Egal wo sie sind.)
Die den Mond lieben.
Auch am Tag.
Die immer zu spät sind.
Jahre zu spät.
Die es nicht verstehen
ein Auto zu waschen
und die bestimmte Partys
traurig machen.
Ich weiß ich hatte Glück.
Deswegen liebe ich euch.

Damals

Damals, als

ich noch jung und wild war,

(Stattdessen war ich genauso

drösig wie heute)

damals also in diesen

Sommern,

(Die ich nicht aushielt.)

damals als ich träumte

(und nicht wusste wovon)

und Menschen hasste

deren Gedanken quadratisch

verliefen.

(Hasse ich heute noch?)

Damals, als

ich liebte, las, aß

und trank.

(Und meine Hand noch schwieg)

Die Sonne schien

und ich verknotete meine Arme

aus Scham und Schüchternheit.

(Auch sah ich zu Boden)

Damals, als

mein Körper nicht

vorhanden schien.

(Oder nur wenn er etwas nicht konnte.)

Damals also,

als ich mich raushielt

und Menschen übersah.

Voll von Gedanken und

Geilheit und Scham und

Brillianz und Ungenügen.

Damals schien die Sonne.

(Wie heute auch.)

Verena und die Bäume im Park.

Er musste raus hier. Sein Kopf tat weh. Er kam nicht weiter mit dem Text. Was wusste er schon über Beziehungen. Der Text zog sich dahin. Die Dialoge waren Unsinn, bedeutungslos. Er nahm den Figuren nichts ab. Nicht was sie taten, nicht was sie dachten. Jeden Satz den er schrieb, hätte er sofort streichen können. Es hatte keinen Sinn. Er musste raus hier.

Zum Glück gab es Bäume. Er setzte sich unter einen. Trank seine Mate und versuchte an etwas anderes zu denken. Er fing an die Menschen zu beobachten. Es war warm, sie saßen draußen. Sonnten sich. Lachten. Waren zusammen hier. Hatten eine gemeinsame Geschichte. Da war eine Gruppe Jugendlicher. Sie saßen da, tranken etwas was er nicht erkannte. Sie waren sehr freundlich zueinander. Er erkannte das unter ihren lauten Scherzen. Einige der Frauen waren sehr schön. Sie trugen Kleidung die er nicht einordnen konnte. Früher hatte er soetwas gekonnt. Er beobachtete die Gruppe weiter. War fasziniert.

Ihm kam der Gedanke, das es nicht richtig war was er hier tat. Dachte kurz daran, warum er sie beobachtete. Nur des schreibens wegen? Weil er neugierig war? Er sah sich eine von ihnen genauer an. In seinem Gehirn spielte er die Geschichte ab. Es war eine Liebesgeschichte zwischen ihm und ihr. Lächerlich eigentlich fand er. Aber er war daran gewohnt sich überall Geschichten auszudenken. Er bedachte alle Klischees. Mignon, Tadzio. Nein, aufschreiben konnte er das nicht, sosehr ihm die Geschichte gefiel. Er schüttelte seinen Kopf. Er war nicht alt, aber zu alt für sie. Aber selbst wenn er noch so jung gewesen wäre… Er musste lachen, als er darüber nachdachte wie er als Jugendlicher war. Er war heute noch nicht sehr locker, aber wenn er an diesen verkrampften Jungen dachte der Verena anschmachtete. Verena die toll war, ohne Frage. Künstlerin, eigenen Kleidungstil, wunderschönes Lächeln. Eines Tages war sie im Frack zur Schule gekommen. Aber es war so wie sie in ihrem letzten, und einzigen, Brief schrieb: Sie hätten nie zusammen gepasst. Und das war das. Kein Drama, auch wenn er sehr geweint hatte. Keine Tragödie, auch wenn er bis heute an sie dachte.

„Haben sie mal ein bischen Kleingeld?“ Er schrak auf. Sie stand vor ihm. Lächelte ihn an. Kurz war er verwirrt. Schämte sich. Dann zog er einen Fünf Euro Schein aus der Tasche. „Aber nicht für etwas sinvolles ausgeben.“ Sie lachte. Bedankte sich und ging. Er sah ihr nach. Sie war wunderschön. Er trank aus. Er würde etwas über Verena schreiben. In seiner Geschichte würde es glücklich ausgehen. In ihr würden sie zusammen sein. Schließlich war es seine Geschichte, da bestimmte er.

Sommer

Dies sind die Tage
in denen die Wespen langsam
irre werden.

Dies sind die Tage
an die wir uns erinnern
wenn wir uns an den
Sommer denken.

Dies sind die Tage ,
an die die Kinder später
denken, wenn sie
als Erwachsene Eis essen.

Dies sind die Tage,
an denen wir denken, dass
der Sommer niemals endet.
Oder das Leben.

Dies sind die Tage,
an denen selbst der Tod
wie das Leben riecht.

Schaue, rieche und genieße.
Bald kommt der Herbst.