Aus den dunklen Wäldern

1
Ich habe Verzweiflung gesehen und
die Explosionen hinter den Augenliedern,
Wälder gab es und Träume von Göttern,
Dämonen und Rechenaufgaben.

Es gab Rausch und Liebe und
Einsamkeit und manchmal sah
ich aus, als wäre ich 1000 Jahre alt.
Ich spreche mit mir selbst.

2
Jetzt suche ich in und außer mir
nach Antworten und Fragen.
Versuche mit Menschen zu reden
und ihnen zu helfen.

Versuche zu fühlen wie
viele Verschiedene ich bin.
Fühle die Frau und den Mann,
Den Körper und den Geisterbären.

3
Ich werde berühren und nicht
übersehen das die Gefährlichen
wieder mächtiger werden. Und
die Ungefährlichen beschützen.

Ich versuche sanft und stark zu
sein. Nicht einknicken, aber auch
nicht zerbrechen. Mich und die meinen
sehen und spüren und küssen.

Werbeanzeigen

Warte auf mich Penelope

Steuerlos treibe ich
auf offenem Meer.
In keiner Richtung ist
zuhause. Keine Mitte
kein Selbst.

Immer wieder
verpasse ich
die Ausfahrt.
Erzähle mir Geschichten.
Singe Lieder mit
krächzender Stimme.

Verloren im
Großstadtwald
suche ich Caffes die
es schon lange nicht
mehr gibt.

Ich probiere andere
Rollen, andere Gesichter
andere Gedanken, andere
Musik.

Ich kann nicht
Ich zu mir sagen.
Ich brauche noch etwas.
Ich komme später.
Warte auf mich,
Penelope

Sterne

Manchmal,
wenn ich zu jemanden
gehören möchte,
(und das geschieht nicht oft.)
dann denk ich an euch.
An all
die vorlauten,
oder zu leisen.
Die Kinder die denken,
anstatt zu essen.
Die an den falschen
Momenten reden,
oder betrunken sind,
wenn es nicht passt.
Die, die gehasst werden
weil sie zu klug sind.
Die für dumm gehalten
wurden und werden.
Diejenigen die zu laut sind.
Die übersehen werden.
Die sich falsch fühlen.
(Egal wo sie sind.)
Die den Mond lieben.
Auch am Tag.
Die immer zu spät sind.
Jahre zu spät.
Die es nicht verstehen
ein Auto zu waschen
und die bestimmte Partys
traurig machen.
Ich weiß ich hatte Glück.
Deswegen liebe ich euch.

Vorstadterinnerungen

Seltsam, sich jetzt
erinnern zu wollen.
An Träume
und Wünsche.

An die Tränen und
die langen Diskussionen
auf dem Heimweg. Mein
Fahrrad war Weiß.

Seltsam jetzt an
dich zu denken.
Ich liebte dich.
Das Gefühl war neu.

Ich schlich an
deinem Haus vorbei.
Aber vielleicht ging es
nicht um dich.

Der Geschmack
des Frühlings.
Erste Versuche
zu schreiben.

Erste Versuche
einen Platz zu finden.
Menschen die einem
ähnlich sind.

Man soll das
nicht vergessen sagst du.
Das ist manchmal
nicht so einfach.

Erinnerung

Inspiriert von Knarf Rellöm und Murkel.

Ich erinnere mich an ein Verkehrsschild am Hafen von Travemünchen.

Ich erinnere  mich an Gras und das schreien von Möwen. An Labskaus und Dolomitieis.

Ich erinnere mich an das seltsame Gefühl im Bauch wenn einer von den Fünf Freunden gefesselt und eingesperrt wurde. An Handschellen die ein Mädchen, als Cowboy verkleidet,  an Fasching mitgebracht hat.

Ich erinnere mich an das Geräusch, das die Gitarre von Paul McCartney machte am Anfang von „I feel fine“, das im Zimmer meiner Schwester spielt. Ich fragte mich wie man das macht.

Ich erinnere mich daran 26 mal „Räuber Hotzenplotz zu lesen. Hintereinander, bis meine Mutter mir ein Buch von Erich Kästner gibt. Ich las dann alles, was ich von ihm finden konnte. Und das war viel.

Ich erinnere mich an den Geschmack von Schaumküssen im März, während ich die Kinderfassung von „Zar und Zimmermann“ höre.

Ich erinnere mich an das dumme Gelächter der Erwachsenen, als ich einen entfernten Verwandten sieze.

Ich erinnere mich daran von anderen Kindern zu denken. „Ihr seid kindisch!“ und „Ich verstehe euch nicht!“ Die Erwachsenen hab ich auch nicht verstanden.

Ich erinnere mich an meine eigene Welt. An Abenteuer und erste Liebesgeschichten, die sich nicht um mich drehten.

Ich erinnere mich an Dramen auf Klassenreisen, die ich romantisch fand. (Ein Mädchen verschwand kurze Zeit aus Liebeskummer)

Ich erinnere mich an Buchstaben. Und das mir das Berlin der 20er wirklicher vorkam, als das was ich sah.

Ich erinnere mich, das ich immer weniger lust auf irgendwas hatte.

Ich erinnere mich an die Sonne, den Schnee und Waldspaziergänge.

Ich erinnere mich an einen Bordauxroten Pullunder, den ich zu Weihnachten trug. Mein Vater trug den gleichen.

Ich erinnere mich an ein Mädchen, das sich bei uns Jungs umgezogen hat.

Ich erinnere mich an die merkwürdige milchig-durchsichtige Flüssigkeit die auf einmal aus mir rauskam. Und an die Phantasien dazu, die nichts mit Sex zu tun hatten.

Ich erinnere mich an Nerds und Aussenseiter.

Ich erinnere mich an dieses winzige Wäldchen, das auf meinem Schulweg lag, und das seltsam war in der Vorstadt in der ich aufwuchs.

Ich erinnere mich an Geschrei auf dem Schulhof, während ich an meinem Lieblingsplatz stehe.

Ich erinnere mich daran, wie mich mein großer Bruder beschützt.

Ich erinnere mich an Farben, Gerüche, schleimige, aber leckere Soße. Ich erinnere mich an Familie, Zusammenhalt und Liebe.

Ich erinnere mich an mich.

(Anmerkung: Travemünchen heißt eigentlich Travemünde)