Verbraucherhinweise

Umarme deine Ängste.
Sterbe jeden Tag um
am nächsten wieder
aufzuwachen.
Umarme deinen Körper.
Auch weil er eines
Tages stirbt, will er
nichts böses von dir.
Begebe dich in den Rausch
und kehre wieder zurück.
Da sind andere Körper
die dich entdecken wollen.
Sprich und schau und höre zu.
Entdecke alles. Aber vor allem:
Höre zu und denke und
achte nicht auf meine Tipps!
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Gedanken

We’re not scaremongering
This is really happening
(Radiohead/Idioteque)

Der Zeitpunkt, wenn du es nicht mehr Schmerz nennst. Wenn alles wieder anläuft. Du weißt: du musst nicht funktionieren, aber du darfst leben. All diese Grautöne sind nicht so schlimm wie du dachtest. Es ist nicht nur dieses schmutzige Grau das von zuviel reinwaschen des Lebens kommt. Es ist nicht diese langweilige, alles abtötende Grau das du aus den Vorstädten kennst. Es sind diese Grautöne die zu dem Bunt gehören.

Der Zeitpunkt, in dem du bemerkst das du einen Körper hast. Einen Körper der nicht nur eine Verlängerung deines Geistes ist. Das du diesen Geist nicht verrätst wenn du auch deinen Körper spürst. Ja, einiges sieht widerlich aus was er produziert. Ja, Sex ist auch ganz häufig einfach nur lächerlich. Schweiß riecht nicht gut. Waschen ist anstrengend. Aber es ist eben auch selfcare. Dieses bewegen. Das stricheln. Berührungen zulassen. Spüren das man atraktiv ist. Selbst wenn man als Jugendlicher anderer Meinung war.

Der Zeitpunkt wo du einsehen musst, das du dich nicht mehr verstecken kannst. Und schauen musst, wo hingehen willst. Deine Ängste annehmen. Mit ihnen Leben. Nicht stark sein. Doch stark sein. (Manchmal sehe ich wie ein melancholischer Seemann aus.) Darüber dein Herz nicht vergessen. Das symbolische und das reale. Träumen und doch in der Welt sein. Mehr als eine Anordnung von Worten. Ohne die Worte zu verlieren. Gibt es wirklich Menschen für die das leicht ist? Die das können? Das nebeneinander und durcheinander?

Jedesmal anders.

Er kam nicht nach Griechenland. Er wartete auf einen Anruf, eine Nachricht. Er saß in seiner Wohnung, trank Rum. Er schrieb wirre Gedichte. Er las „Krieg und Frieden“. Er rauchte zuviel. Alles Oberfläche.
Er wusste sich in Szene zu setzen. Kannte alle Serien und die guten Bücher. Er hatte die wichtigen Filme gesehen. (Manchmal sprach er wie Charles Foster Cane.) Vielleicht war nicht sie eine Einbildung, sondern er?
Mit seinen Therapien war er nicht weiter gekommen. Er war immer noch leer. Seltsam eigentlich. Er beschloss sich einen Job zu suchen. Das war auch keine Lösung, aber wenigstens hatte er etwas zu tun.

Unzusammenhängendes.

Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt
Bin ich verloren.)
(Brecht)

Das Ärgerliche ist ja, das du deinem Körper und deinem Gehirn nicht entfliehen kannst. Das du vielen nicht erklären kannst warum du gegen dich kämpfst und nicht weißt welche Seite gewinnen wird. Das ärgerliche ist ja das es nie das ganz große ist. Nichts weswegen man aufgeben müsste. Nichts was man sofort sehen würde. Nichts gegen das man Kämpfen könnte. Nur diese kleinen, furchtbaren kleinen Dinge. All diese kleinen Kämpfe. All diese kleinen Störungen die nicht weiter interessant sind.
Das Gefühl nicht „ICH“ schreiben zu wollen. Wissen das es größeres gibt. Wichtigeres. Wissen das man sich immer wiederholt. Es gibt wichtigeres. Tausende Tote täglich. Keine Namen. Tote auf allen Seiten. Täglich Zeit zum trauern. Ich bin nicht so wichtig.
Ich kann die Welt nicht mit mir verbinden. Horche auf das Schnarchen meiner Tochter. Erfreue mich daran, dass ich eine Wohnung habe. Essen. Das keine Bomben auf mich fallen. Aber es passiert. Ich tue nichts dagegen. Außer ab und an betroffen sein. Ab und an zu sagen, das der Hass da draußen ganz bestimmt nicht dazu führen wird das er aufhört. Wie das alles zu füllen ist, weiß ich auch nicht. Ich umarme dich. Spreche dir Mut zu, den ich selbst nicht habe. Das Große und das Kleine. Ich und die Gesellschaft. Ihr wisst schon.
Ich bin kein Surrealist, aber zusammenhängende Sätze fallen mir gerade nicht ein. Entschuldigt.

Einen Apfel essen.

Er suchte weiter. Ohne Anfang, ohne Ende. Denn es gab beides nicht. Versuchte zu sprechen. Menschen wirklich kennenzulernen. Was hatte ihn weggetrieben? Oder war er niemals da gewesen? Wo wollte er hin?
Er träumte von Menschen mit denen er arbeiten konnte. Gleichen Zielen. Grünen Wiesen und Picknicks. Festen bei denen er sich nicht überflüssig fühlte. Etwas zu dem er hinkommen konnte. Künstlerkolonien und Wohngemeinschaften.
Er wollte sich endlich an seine eigenen Pläne halten.
Er gab nicht auf. Das Konzept war ihm zu melodramatisch geworden. Zu einfach. Aber wo wollte er hin?
Das war alles noch zu nebelig. Er wusste es. Er wollte auf den Punkt kommen. Einfach und klar wie ein Apfel zu essen sollte sein Leben sein. So wollte er Menschen begegnen.

Skizze

Und als er rausging bemerkte er das, was er vergessen wollte weil er Angst hatte: Da draußen gab es Menschen. Und ein paar davon war es nicht egal, dass er existierte. Das überforderte ihn und er machte sich bereit sich wieder zu verstecken. In seinem Versteck jedoch wartete wieder dieses Tier das ihn anknurrte. (Deswegen war er ja unter anderem rausgegangen.)
Er atmete durch und versuchte ein paar Worte anzubringen. Sie hörten sich seltsam an. Wie eine Fremdsprache, in der er noch nicht sicher war. Er versuchte in den Mienen der anderen zu lesen. Noch eine Sprache die er nicht verstand. Dazu versuchte er noch seine Mimik zu steuern. Auch das gelang nur halb. Er lernte und fühlte sich dabei wie ein zweijähriges Kind. Bei jedem Fehler zuckte er zusammen und war den Tränen nahe. Worte ließen sich nicht wieder zurücknehmen. Er stieß Menschen vor den Kopf. Manchmal glaubte er es auch nur. Musste dauernd nachfragen.
Sein Körper, seine Gefühle ergaben keinen Sinn. Er belegte seine Gefühle mit den falschen Worten.

Angst.

Der Körper verdreht von
den verdrehten Gedanken.
Magen rebelliert. Auge
verweigert den Fokus.

Kopf will explodieren
um zu fliehen. Herz
arbeitet schnell. Lunge
lässt keine Luft durch.

Hilfeschreie in
unverständlichem Stakkato.
Angst das sie jemand
hören könnte.

Nicht essen.
Nicht trinken.
Nich da sein.
Nicht denken.

Außer: „Übertreib nicht!“
Außer: „Das hast du verdient!“
Außer: „Du hast nichts!“
Außer: „Ich will das nicht.“

Einige Tage

Manchmal, wenn du
nicht in das Zentrum
deiner Gedanken
findest.

Wenn du dein Ich
wechselst wie deine
Kleidung, voller Geschmack
aber doch unachtsam.

Wenn dir nichts bleibt
an dem du dich festhalten
kannst. Kein Ich, kein
Geschlecht, kein Zusammenhalt.

Wenn dir nur du selbst
bleibst, aber es das
einzige ist warauf du
dich nicht verlassen kannst.