Alltägliche Begegnung

Er stieg in die U-Bah ein und stand ihr gegenüber. Es war abends und er war erschöpft. Nicht sehr aber doch. Er sah sie und sie lächelte. Sie lächelte so sehr das er sich umdrehen musste. Aber auch er musste lächeln.

Er sah sie an. Flüchtig. Respektvoll. Alles was sie trug stand ihr. Die Farben, die Form. Sie war dezent aber leicht Bohemehaft gekleidet. Nichts hing herunter. Sie TRUG die Kleidung. Er sah an sich herunter. Seine Kleidung war nicht dreckig, aber leicht schlampig. Unordentlich. Durcheinander. So wie Kleidung bei ihm immer aussah. Für einen kleinen Moment wackelte sein Selbstbewusstsein. Für eine Millisekunde fühlte er sich hässlich. Das ging vorbei. Mittlerweile konnte er gut mit diesem Gefühl umgehen. Aber es war da. Er sah aus dem Fenster.

Er musste lächeln. Genauso schnell wie das Gefühl der Unsicherheit gekommen und gegangen war, malte ihm sein Kopf eine ganze Geschichte auf. Kennenlernen, Wiedersehen, Kaffee trinken, Körper entdecken, lachen, Frühstück im Bett, Streitereien, Versöhnungen. Das ging fast schneller als er es bemerken konnte. Früher hatte er sich geschämt. Besonders über die kleinen, lustvollen Szenen. Aber er hatte das Gefühl das es Ok war.

Zwei Stationen vor seiner stieg sie aus. Bedauerte er es? Nein. War etwas gewesen? Nein. Fast nichts. Vielleicht hätte er sie wirklich ansprechen können. Vielleicht hatte sie wirklich wegen ihm gelächelt. Aber es war nicht wichtig. Der Moment hatte ihm auch so gefallen. Er hatte Grund zum lächeln. Morgen hatte er es wahrscheinlich schon vergessen. Dann musste er aussteigen.

Die Worte

All diese Worte sind so leer und ausgelaugt. Selbst die Metaebene ist es. Ich versuche es zu greifen und mich neu zu erfinden. Gehe Umwege und verzettel mich dabei. Versuche es einfach so auszusprechen, aber das geht natürlich nicht. Zustandsbeschreibung. Weiß, Männlich, Heterosexuell. Tiere mögen mich, auch wenn ich nicht weiß wieso. Wiederhole alles viel zu viel. Stelle Dinge einfach so da, wo bleibt die Tiefe?

Wo bleibe ich. Das positive über mich? Das was ich mir sage. Es ist noch nicht da. Ich sage es nochmal und langweile mich. Schreibe nur über mich. Und langweile mich.

Da draußen. Menschen. Sonnenaufgänge. Gespräche. Hier nur ich. Ordne Worte zu Sätzen zusammen. Versuche etwas zu verstehen. Versuche Vorurteile zu vermeiden. Versuche nicht zu sehr von mir zu reden. Versuche mich nicht zu verlieben. Sondern Menschen wertzuschätzen. Versuche Sex wertzuschätzen ohne den Menschen dahinter zu vergessen. Die Menschen. Mein Gegenüber und mich. Selbstbewusstsein. Selbstverständnis. Körpergefühl. Mann sein. Oder Mensch. Gefühle. Feingefühl. Ich stottere. Bin immer noch ein Alien. Alles ist zu viel. Es ist anstrengend so zu tun, als wäre ich ein Mensch. Das richtige zu sagen.

Männer. (In eigener Sache)

Es ist Arbeit. Jeden Tag. Der Drang jede Minute mich zu beschweren.. Über mich. Über mein Leben. Dass objektiv nicht so schlecht ist. Das ich schon wieder an diesem Punkt angelangt bin, nervt mich. Mache meinen Rücken gerade und trinke noch etwas Wasser. Mache mich bereit unter Menschen zu gehen. Weiß nicht wohin. Arbeite. Reiße mich zusammen. Lerne meinen Körper zu deuten. Und eure Körpersprache. Berührungen gehen immer besser. Habe Angst vor Reizüberflutung. Erlebe sie täglich. Müsste mein Leben anders planen. Es ist schon besser geworden. Bestimmte Gedanken sind nicht mehr so stark. Ich weiß, ich bin stark. Ich möchte stark sein, nicht hart. Nicht dieses „männlich“ was jetzt überall so gefeiert wird. (Nur weil sie sich jetzt waschen sind sie nicht „weiblicher“ geworden…) Als Kind wollte ich manchmal Kleider tragen. Nicht weil ich ein Mädchen sein wollte. Ich mochte einfach Kleider. (Ich mag sie immer noch.) Ich mochte auch die „Mädchenthemen“ lieber. (Bis auf Pferde..) Nach den neuen Trends wäre ich heute wohl viel bei den Mädchensachen. Es stört mich. Sehr sogar. Nicht weil ich mich schämen würde. Sondern weil ich nicht möchte, das ich so eingeengt werde. Ja, ich bin ein Mann. Deswegen möchte ich aber trotzdem meine Gefühle ausleben. Ich sein. Mutig und trotzdem gefühlvoll. (Und ich möchte mich verlieben können in wen ich will ohne das ich mich entscheiden muss, aber das ist vielleicht ein anderes Thema.) Ich möchte Vater sein ohne das es heißt, das ich dafür verantwortlich bin, dass ich das Geld heranschaffe.
Ich versuche schon lange etwas über „Männlichkeit“ zu schreiben. Das alles sind hier erstmal ungeordnete Gedanken die raus mussten.

Geschichten von einem jungen Menschen.

Damals, als ich ein
Gedicht schrieb über
einen Menschen der aus
reinem Übermut aus dem
Fenster sprang.
Oder als ich die Mädchen
beneidete das sie so schöne
Kleider tragen durften und
sie die interessanteren
Gesprächstthemen hatten.
Ich hoffte auf die Liebe
und wusste nicht wie diese
aussehen sollte. Du dachtest
bestimmt das ich auf Männer
stehen würde.
(Ich stehe aber auf alle
Geschlechter.)
All diese Tage die vorüber
gingen. All diese Streitereien.
Warten auf die Liebe und
das Leben. Ich lag einfach
nur da. Suchte Menschen
die mir ähnlich sind.
Hoffte manchmal auf den
Tod. Oder ein Wunder.
Oder ein Gedicht.

Erschaffen

Sich eine Welt zimmern
und bevölkern mit
seltsamen Wesen und
Menschen die auch angst haben.

Sich einen Körper bauen
und ihn füllen mit
Zärtlichkeit und
allen Freiheiten.

Sich eine Magie erschaffen
und über sie lachen
damit sie wirkt und
dich erfüllt.

Sich eine Musik ausdenken,
falsch und glücklich
mitsummen, und dich
mit hineinnehmen.

Menschen in sich
aufnehmen ohne
Angst und ohne
Energieverlust.

NSfW

Die Gefühle zulassen.
Begehren wen man möchte.
Von Körpern träumen ohne
schlechtes Gewissen.

Niemanden verletzen.
Niemanden bedrängen.
Niemanden einengen.
Aber wünschen.

Sich wohlfühlen.
Und Menschen wünschen
die das noch bestätigen.
Fühlen.

Von Kleidern träumen.
Sich alles eingestehen.
Sich alles erlauben.
Alles ausleben.

Aber eben auch:
Ruhig sein.
Anderen Platz lassen.
Nicht berühren.

Lassen wir uns
und die anderen
genießen. Und
verstehen.

Wachtraum

4.42 Uhr auf einer weißen Matratze mitten in einer kleinen Wohnung. Er liegt zwischen Traum und Wachen. Wachträume und Schlafträume gehen ineinander über. In seinem Blut zirkulieren verschiedene Substanzen. Er bewegt sich nicht.
Er sieht Bilder. Riecht, schmeckt und fühlt Dinge die nicht in diesem Zimmer sind. Seine Gedanken streifen Körper. Sehen geliebte und begehrte Menschen. Männer und Frauen. Sie lächeln ihm zu. Seine Brust hebt und senkt sich. Es tut weh. Er fühlt ihre Wangen, Schenkel, Hintern. Schmeckt das leicht salzige am Hals einer durchtanzten Nacht. Er spricht und schweigt. Auf einmal kann er die Sprache der Augen. Nimmt alles auf.
Er fühlt Liebe und pure Geilheit. Sanfte Freundschaft und den Hass der aneinander treibt. Prügelt sich hemmungslos. Saugt das Blut von den Lippen. Verletzt und wird verletzt. Befiehlt und gehorcht. Er vertraut sich und den anderen. Noch immer bewegt er sich nicht.

Vier Geschichten von Frauen (2)

Sie war intelligent und hübsch.

Ich war 16 und hatte gerade den Werther gelesen,  also beschloss ich das ich wahnsinnig verliebt sein müsse. Ich schlich um das Haus herum in dem sie wohnte und genoss das egoistische Gefühl. Einmal schrieb ich ihr sogar einen Brief. (Ich konnte immer noch nicht mit Frauen sprechen.)

Sie antwortete nicht, was mich in meinem falschen Pathos bestätigte.

Später erzählte sie mir von ihren Erlebnissen mit LSD.  Sie riet mir es nie anzufassen.

Eines Tages war es vorbei mit meiner „verliebtheit“. Ich lächelte. Sie sah es. Ich sagte zu ihr, das mir gerade etwas klar geworden sei.

Was das war, fällt mir erst heute auf.