Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

(Friedrich Hölderlin)

(Der Blogautor schenkt sich zum Geburtstag einen Fremdtext…)

Lieber Herr Rowohlt,

nein es ist kein runder Geburtstag, aber ich wollte Ihnen schon seit ein paar Jahren was schreiben. Zumal ich mir ihren Geburtstag gut merken kann. Nämlich einen Tag nach mir. (Und 30 Jahre vor mir.) Und was? Naja, ein Dankeschön. Wofür? Dafür muss ich etwas ausholen, denn es ist einiges. (Keine Abschweifungen versprochen. Das können sie sehr viel besser.)

Zunächst für die „Grüne Wolke“. Weil sie damit nämlich einem ruhigen, etwas ängstlichen kleinen Jungen ein wenig Rotwelsch beigebracht haben. (Verfatz dich, du schräger Singvogel!) Und mich damit etwas mutiger gemacht haben.

Dafür das sie mir den Unterschied zwischen einem elisabethanischen und einen jakobinischen Shakespeare erklärt haben. Schreddelgitarre eben.

Das sie mir gezeigt haben, das es schön ist ein Bär zu sein. Groß, stark und doch fein.

Das sie mir gezeigt haben, das man älter werden kann ohne völlig zu verblöden, oder die Gedanken seiner Jugend völlig ad acta zu legen. (Na gut meine Großeltern waren auch nicht schlecht darin, aber jetzt ist es auch wichtig für mich…) Das sie mir gezeigt haben, dass man zu seiner Überzeugung stehen kann und zwar ganz, ohne grässlich steif zu werden und anderen den eigenen Musikgeschmack aufdrängen zu wollen.

Dafür, das ich dank ihnen noch ein gutes Bilderbuch zum Vorlesen hatte. Und das sogar mit Walter-Trier-Bildern! (Mit denen ich im übrigen auch aufgewachsen bin.) Und die so gut waren, das es eins der wenigen Bücher ist, dass ich immer noch gerne vorlese. Und die Prinzessin, was meine Tochter ist, konnte sie bald alle auswendig und konnte sie ihren Freundinnen „vorlesen“. (Jetzt hat sie es ja mehr mit Mathe, aber das ist auch schön.)

Und natürlich, dass sie besagter Prinzessin Pu vorgelesen haben. Mit allen Stimmen! Es war immer schön es aus dem Kinderzimmer zu hören und zu wissen: Ja!

Viel wäre noch zu erzählen. (Z.B. Über Alfred Polgar, von dem sie einen Brief besitzen und den ich dank ihnen richtig entdeckt habe.) Aber ich möchte ja nicht aufdringlich sein. Nur sie zum Geburtstag grüßen. Und eben danke sagen.

P.S. Ich mochte ihre Kolumne die nur aus P.S. bestand.

P.P.S. Die Prinzessin sagt, sie kann sich an das „vorlesen“ von ihr nicht erinnern. Es ist aber doch passiert!