Sinn ergeben

„Macht es Sinn?“,
fragte sie mich
in diesem Hinterhofgarten.
Die Vögel sangen und
die Liebe interessierte uns
nicht an diesem heißen
Nachmittag denn sie
war einfach da.
„Macht es Sinn?“,
fragte sie mich
noch einmal und statt
einer Antwort lächelte
ich nur und schloss
meine Augen und lauschte
den Vögeln. Sie trank noch
einen Schluck und streichelte meine Hand.

Scham

„Die alte Scham ist falsche Scham.“
(Inge Müller)

Meinen Körper auch nur
vor mir zu zeigen ist schwerer
als ich zugeben mag. Er ist
nicht hässlich, aber er gehört
nicht wirklich zu mir.
Und wir streiten oft.

Mich vor dir zu öffnen
erfordert viel Mut, meine Worte
sind nicht dafür ausgerichtet.
Schon das ich dich schön finde
bereitet mir fast Schmerzen.
Und ich weiß nicht warum.

Ich zu sein erfordert oft
viel Geduld, obwohl es bestimmt
nicht schlechter ist als vieles
andere was man sein könnte.
Ich muss es schützen.

Aufräumen

Den ganzen Schutt
wegräumen. Die
Trümmer entsorgen.
Neue Gedanken
anschaffen.
Alle Empfindungen
auf Tauglichkeit
überprüfen. Alle
Granatsplitter und
Messerstiche aus
der Haut ziehen,
Nerven neu spannen.
Blut tauschen.
Augen reinigen.
Langmut bügeln.
All das Ausgekotzte
aufwischen.
Tief atmen.
Es ist
noch nicht vorbei.

Die Liebenden

Stundenlang gesprochen.
Ein Wort folgte dem anderen.
Er dachte es wäre geklärt.
Nun sehen sie sich in die Augen.

Immer der gleiche Punkt.
Mann kann nicht immer
glücklich sein. Er dachte
es wäre jetzt klar.

Sie verstehen einander nicht.
Alles andere ist verschwunden.
Sie stehen sich gegenüber.
Und schweigen erstmal.

Keine Schläge, aber
Schreie. Kein Hass,
aber Unverständnis.
Sehr weit weg.

Vielleicht sollten sie
schlafen gehen. Sollten
sich beruhigen. Vielleicht
ist das alles nicht wichtig.

Zeit besiegt die Liebe
immer. Alles fließt
davon. Morgen liegen
sie sich wieder in den Armen.

Pathos!

„Ich wäre auch gerne Weise“
(B.Brecht/An die Nachgeborenen)

Ich gebe zu, ich folge immer noch manchmal einem falschen Pathos. Ich würde gerne sagen, das mir sowas nicht mehr passiert. Aber ich weiß, das ist eine Illusion. Ich werde es wieder tun. Mich schlechter machen als ich bin, nur um mich zu erhöhen. Es ist lächerlich, ich weiß.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin ein Romantiker. Nicht einer von denen die die „gute alte Zeit“ loben; die es ja doch nie gegeben hat. Keiner von denen, die davon träumen das nur noch die Gefühle regieren. Das ist blödsinniger „Kleiner Prinz“ Unsinn. Sehen tut man mit den Augen. Man denkt mit dem Verstand. Und die Gefühle liegen in dem gleichen Gehirn, in dem auch der Verstand liegt. Das  sich Vertsand und Gefühl zuweilen streiten liegt nur daran, das alles andere Stillstand bedeuten würde. Man braucht beides. Jane Austen wusste das. ( Ich werde es zuweilen noch vergessen.)

Ja, ich sehne mich nach Nähe. Gleichzeitig fürchte ich sie. (Und hab ich nicht mit beidem recht?) Ich bin ein Hochstapler, wie jeder. Ich trickse. Und ich gehöre nicht dazu. Und doch bin ich in den Gehirnen von einigen von euch. Und es fühlt sich gut an.

Der Alltag frisst mich auf. Aber hatte das Mittelalter nicht recht Heldentaten „Arbeit“ zu nennen? Soll ich mir einen Krieg wünschen, nur damit ich mich nicht langweile? Das wäre so ziemlich das niedrigste was ich mir denken könnte. Die Zeiten sind unruhig genug. Es gibt sie die Kämpfe. Und die „Gefahrengebiete“. Wir werden da noch einiges erleben. Stille ist Spießerwunsch? Nein, nur das Stillhalten wo man seine Stimme erheben sollte. Und eine Welt in der eben keine Ausländer gejagt werden und die Menschen glauben dürfen was sie wollen und den (meinetwegen Aber-) Glauben des/der Anderen akzeptieren und der Kapitalismus keine Kinder mehr frisst, wäre eine sehr schön ruhige, glaubt es mir. (War das jetzt wieder Pathos? Ja, aber gerechtfertigter.)

Ja, ich werde bald wieder nicht mehr weiter wissen. Mich alleine fühlen. Ich bin es. Weil ich mein Leben lebe. Und ich bin es nicht. Weil es euch gibt. Die die mich kritisieren -was ich manchmal nicht ertrage- und die die mich in den Arm nehmen. Was ich auch manchmal nicht ertrage. Dazwischen räume ich auf. Schreibe Texte. Gute und schlechte. Und die, die ich schlecht finde werdet ihr vielleicht am besten finden. Dazwischen werde ich da sprechen wo ich lieber geschwiegen hätte, und den Mund nicht aufmachen wo ich lieber gesprochen hätte.

Ich werde weiter den Himmel betrachten und mich auf das Meer freuen. Aber ich werde dabei über mich lachen.

Du und deine Welt

Du bist merkwürdig?
Du verstehst nichts
von dem was die anderen Sagen?
Dich plagen Ängste, die dir
lächerlich erscheinen?
Du hast die falschen Bücher gelesen?
Die falschen Filme gesehen?
Hörst die falsche Musik?
Du bist immer nervös und abgelenkt?
Dich plagt Geilheit?
Du denkst, du bist hässlich?
Du willst hier nicht sein?
Oder irgendwo anders?
Deine Arme und Beine bluten schon wieder?
Du denkst, niemand will dich?
Du bist Sprachlos?
Du denkst, du bist zu dick?
Du denkst du verlierst die Kontrolle?
Du findest, das Leben fühlt sich schleimig an?
Du willst nie wieder etwas essen?
Dir ist Langweilig?
Die Menschen sind dir zu laut?
Du denkst den selben Gedanken imer und immer und immer und immer und immer und immer wieder?
Du begrüßt jeden Morgen Dämonen?
Du wirst im Sport immer als letztes Gewählt?
Du kannst nicht Tanzen?
Dein Körper hasst dich?
Du zuckst zusammen wenn dich jemand berührt?
Du sehnst dich nach Schmerzen?
Du weißt nichts?
Du bist kurz vorm Aufgeben?
Du weißt nichts von Regenbögen?
Oder zuviel?
Du glaubst das du nicht hierher gehörst?

Halte durch.

23.8.2013 23.45 Uhr

-Hallo
-Hallo
-Warum meldest du dich nicht mehr?
-…
-Was ist los?
-Nichts.
-Nichts? Ich hab mir Sorgen gemacht.
-Das tut mir leid.
-Was ist los?
-Ich weiß es nicht.
-Hör zu, wenn ich nicht mehr anrufen soll….
-Nein. Es tut mir leid. Ich wollte dich anrufen.
-…
-Ich bin den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen. Wie gehetzt.
-Warum?
-Weil ich Angst hatte.
-Wovor?
-…
-Wovor?
-Vor meinen Gefühlen.
-Wie meinst du das?
-Ich hab Angst davor das ich sie nicht mehr habe. Angst davor das ich sie habe.
-Das ist Paradox.
-Ich weiß.
-Soll ich kommen?
-Nein. Bitte.
-Warum nicht?
-Weil ich dich liebe.
-Ich bin in 10 Minuten da.

*klick*

Alltag

Ich weiß das es Menschen gibt, die sich wünschen, mein „langweiliges“ Leben zu führen. Und ich werde auch ganz bestimmt nicht zu „events“ (alleine das Wort!) gehen um „mich zu spüren“.

Auch weiß ich, das es jedem so geht. Immer wieder.

Dieses Auftstehen. Hinlegen. Essen. Trinken. Atmen. Dazwischen nichts.

Immerhin: Ich bin gesund. Ich verhungere nicht. Ich bin nicht alleine.

Zwischenruf aus dem Publikum: „Novemberblues! Denken sie an die Kinder in Afrika/Palästina…Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!“

Aus! Darum geht es nicht!

Mir geht es ja nicht einmal schlecht. Mir geht es eigentlich..gar nicht. Ich funktioniere. Hätte gern etwas anderes. Und weiß doch das dieses andere mir nicht gefällt.

Ich spreche mit Menschen. Und hasse die Menschheit. Man soll das nicht, ich weiß.

Es ist nichts. Weniger als das. Ich versuche nur etwas einzugrenzen.

Danke für die Aufmerksamkeit.