Die Welt in der ich lebe

Die Welt in der ich lebe,
ist hassgeladen und tötet
immer noch die ärmsten der
Armen.
Die Welt in der ich lebe
ist angstgetrieben und
wehrt sich gegen die falschen
Ideen.
Die Welt in der ich lebe,
ist verständnislos und macht
die die das verstanden haben
verrückt.
Die Welt in der ich lebe,
ist irreal und lässt sich
deswegen nur noch außerhalb
ertragen.
Die Welt in der ich lebe,
ist laut und gefüllt mit
dem Geschrei derer die das andere
hassen.

Worüber wir schweigen.

Worüber sollen wir noch reden?
Was gibt es noch zu sagen?
Willst du mir noch mal sagen
das ich nicht mehr über Autos
meckern soll? Soll ich dir
nochmal sagen das du mich
nicht mehr unterbrechen sollst?
Ob etwas war, weiß ich nicht
aber ich weiß das es vorbei ist.
Mein Geruch geht dir auf die Nerven,
ich hasse dein Haar.
Wir sind beide schmutzig
durch unsere Worte. Das alles
fühlt sich an wie ein Sarg.
Ich bin am ende,
du schon darüber hinaus.
Jetzt sitzen wir hier
sehen jeder in eine andere Richtung
und die Stunden vergehen.

Diese Zeit.

Und weiter dieses Hetzen
und Selbstoptimieren.
All diese Events die du
nicht verpassen darfst.
All das was du
gesehen haben musst.
All das was
erhalten werden muss.
All das Geld,
der Zeitverlust.
Und glaubt ja nicht das
die sogenannten „Gefühle“
euch weiterbringen ohne
das ihr sie euch genau
anseht.
Und ich weiß da draußen ist
Krieg und er hat nicht
aufgehört. Und Menschen
werden weiter ignoriert
und ausgelacht. Werden
dafür gehasst das sie
Hass anprangern.
All das ist zuviel.
(Und doch gehen wir
wieder da raus und umarmen uns.)

Es wäre einfach zu sagen
das ich nie voller Hass bin.
Das ich nie Gewalt ausübe.
Und alle würden es mir glauben.
Sogar die, die mich kennen.
Vielleicht ist es wahr und ich
kein Arschloch. Wenigstens das.
Aber auch ich raste aus und bin
erschreckend und voller Gewalt.
Aber was berührt mich dann so?
Löst mich auf und lässt mich
zurück. Ein kleiner Junge
der sich zurückziehen will
und weinen oder brüllen
oder zurückschlagen? Was
wird da abgerufen? Woher
kommt das? Warum lässt es mich
nicht einfach kalt? Wo ich doch
nicht besser bin. Oder klüger.

Ein Moment um 4.42 Uhr

Es war 4.42 Uhr und Robert wachte davon auf, das Elkes Hand unsanft in seinem Gesicht landete. Er sah sie an. Sie schlief und schnarchte. Ihr Mund war offen und sie sabberte ein wenig. In diesen Momenten hätte er sie hassen können, wenn er sie nicht so geliebt hätte. Wie sie da lag. Aufgedunsen vom Schlaf. Natürlich wusste er das diese Gedanken unfair waren. Er sah nicht besser aus. Trotzdem kniff er seine Augen zusammen. Vieles ging in der Nacht verloren.

All diese Kleinigkeiten, die wichtig waren. Ihr Lächeln. Die Art wie sie ihn im Nacken kraulte. Ihn im richtigen Moment ausschimpfte. Er stellte sich vor, sie ins Gesicht zu schlagen. Das erschreckte ihn. Robert stand auf um in die Küche zu gehen. Er brauchte ein Glas Wasser. Kühl rann es die Kehle hinunter. Hatte er sie über? Hasste er sie? Nein. Das war es nicht. Es war die Nacht. Natürlich gab es da diese kleinen, miesen Gedanken. Das Gefühl nicht das zu bekommen was er bräuchte. Diese ganzen miesen kleinen Kompromisse die man eingehen musste. In diesen Minuten, in diesen Stunden trafen ihn diese Kleinigkeiten hart. Er fühlte sich gleichzeitig unendlich kleinlich. Er war ja nicht gefangen. Sie gaben sich alle Freiheiten die sie brauchten. Sie taten sich gut. So einfach war es manchmal.

Robert schaute aus dem Fenster, obwohl es dort nichts zu sehen gab. Er überlegte, ob er Hunger hatte. Nein, hatte er nicht. Als er wieder ins Schlafzimmer ging, hörte er wie sie mit den Zähnen knirschte. Er hasste dieses Geräusch. Er hatte schon oft dagelegen. Schlaflos. Stubste sie an, damit es aufhörte. Es hörte jedesmal wieder auf, das wusste er. Es war auch schon besser geworden. Robert sah in ihr Gesicht. Sie drehte sich zur Seite.

Robert legte sich neben sie. Versuchte sie zu umarmen. Da roch er ihren Geruch. So roch nur sie. Sie roch selbst jetzt, leicht verschwitzt, gut. Leicht süßlich, natürlich. Nach Schlaf und einer leichten Note von Sex. Er atmete tief ein. „Gut das wir morgen ausschlafen können.“. dachte er noch. Dann schlief er ein.

Blut

Sie lag vor ihm
auf dem Tisch.
Das Blut der beiden
auf ihrem Bauch.

Beide hatten
stundenlang
geschrien und sich
geschlagen.

Überall lagen
Rosen verstreut.
Sie atmeten schwer.
Keuchten.

Lachen
Sex
Kotzen
und Blut.

An diesem
Abend
schliefen sie
schnell ein.

K. geht spazieren

Als K. erwachte, war er keineswegs wach. In seinem Kopf fühlte sich alles dumpf an. Seine Gedanken waren langsam. Draußen schien die Sonne. Er hatte heute nichts zu tun, aber er musste raus, also zog er sich an. Auf sein Frühstück verzichtete er, einerseits weil er nichts anständiges da hatte, andererseits weil er keinen Appetit hatte. Hunger, aber keinen Appetit.

Draußen zog er die Luft ein. Sie war nicht frisch, aber besser als in seiner Wohnung. Seine Gedanken waren weiterhin dumpf und langsam. Er fühlte sich dumm. K. ging weiter. Er ertrug heute den Anblick von Menschen nicht. Sie schienen ihm zu fröhlich, zu verdammt selbstsicher zu sein. K. ging weiter.

Bald kam K. durch ein Neubaugebiet. Viel Grün, alles sehr gerade. K. war in einer ähnlichen Umgebung aufgewachsen. Er glaubte noch immer die Gespräche zu hören. Den Spott dieser Menschen. Er spürte die Langeweile die in ihrer „Sicherheit“ steckte. Ihre Ordnung, die in ihrern „Gärten“ steckte. Sah die Jugendlichen die diese Langeweile und Ordnung mit Alkohol und anderen Drogen betäubten. Die Unsinn machten, der sie auch nicht weiterbrachte. Er war einer von ihnen gewesen. Hatte mit ihnen gesoffen und politische Gespräche geführt. In dieser altklugen Weise, die sie für Überlegenheit hielten. Sie wussten alles. Es ging ihm nicht gut.

Damals hatte K. noch geschrieben. Das schaffte er nicht mehr. K. fiel nichts mehr ein. Er hatte keine Kraft mehr dafür.

K. fragte sich wo er hingehörte. Er hasste sich dafür. K. mochte solche Fragen nicht. Sie führten nirgendwo hin. Er wollte keiner von ihnen werden. K. wusste nicht wen er mit IHNEN meinte. Seine Wut hatte keine Richtung, nur Kraft. Deswegen traf sie ihn so oft selber. Hätte man K. gefragt ob er sich selbst hassen würde, hätte er überzeugt „Nein“ gesagt, aber er hätte nicht recht gehabt. Das war auch der Grund, aus dem er alleine war.

K. hatte die ganze Woche nichts als Brot mit Butter und Pfeffer gegessen. Ihm war schlecht. Er hatte Kopfschmerzen. K.ging weiter. K. dachte an Kathy. Kathy war sehr interessiert gewesen. K. hatte in ihrer Nähe nur herum gesessen. Über sich selbst geklagt. Als sie versuchten miteinander zu schlafen war das schief gegangen. Er hatte keinen hoch bekommen. Es war dann auch bald Schluss gewesen. Nicht wegen dem Sex, hatte sie gesagt. Er hatte ihr nicht geglaubt, obwohl es wohl die Wahrheit war.

K. setzte sich unter einen Baum. Ruhte sich aus, ohne zur Ruhe zu kommen. In einem Film wäre das ein Moment gewesen in dem ein Deus ex machina zu ihm kam und ihm die Lösung verriet. Aber das passierte nicht.

Die Nacht. Wie sie Gregor erlebte.

Für K.

Es war August. Die Nacht war heiß und stickig. Gregor konnte nicht einschlafen. Er sah fern und mastubierte fast zwanghaft. Mit Sex hatte das nichts zu tun und schon gar nicht mit Genuss. Gregor hatte keine Gedanken, nur Selbstvorwürfe. Nichts in seinem Leben hatte er richtig gemacht. So dachte er. Es hätte ihm gut gehen können. Er hatte alles was man zum Leben braucht. So dachte er. Er kam nur noch selten vor die Tür in letzter Zeit. Es war einfach zu heiß. Er lag nackt auf dem Bett. Körper erregten ihn und stießen ihn ab. Mit Sex hatte es, wie gesagt, nichts zu tun. Schon lange nicht mehr. Gregor schwitze und klebte. Es fiel ihm auf, aber er sah sich außerstande etwas daran zu ändern. Wieder diese Bilder. Er wusste, er muss da raus gehen. Er wusste, er musste sich hilfe holen. Er konnte es nicht. Noch nicht. Er versuchte einzuatmen. Selbst das war anstrengend. Es fühlte sich an, als ob er eingeschnürt wäre. Eng eingeschnürt. Seine Gedanken wurden brutaler, abwegiger. Er ging ins Badezimmer und schaute sich im Spiegel an. Es sah falsch aus was er da sah.

Er wusste nicht was ihm fehlte, aber es musste etwas großes sein. (Eigentlich war es etwas kleines, aber das konnte er nicht sehen. So klein war es.) Er kämpfte. Es war wie mentales Schattenboxen. Worum es ging, hatte er vergessen. Vieleicht sollte er mehr arbeiten. Mehr Lieben. Nichts ergab einen Sinn. Alles was er anfasste fiel ihm aus der Hand. Er ließ die Scherben liegen und ging durch. Sein Magen verkrampfte sich. Er hatte seit Tagen nichts gegessen. Er hatte keinen Hunger. Nein, er hatte keine Lust etwas zu essen. Es fühlte sich an als ob er keine Haut hätte.

Er wusste ja, auch das würde enden. Irgendwann kam das große Gewitter. Regen, der alles wegwusch. Er wusste etwas von seinem Leben würde mit weggewaschen werden. Er wusste es würde ihn stärker machen. Aber all das perlte ab von ihm. Berührte ihn nicht. Er bekam Angst vor Fenstern und Messern. Er sah das Blut fließen. Ihm war schlecht, aber es war nichts im Magen. Er schlug mit seinem Kopf gegen seinen Spiegel. Dieser zerbrach. Gregor blutete. Er grinste. Aber das konnte niemand sehen.

Sucker Love

Lass uns Sex haben,
obwohl wir uns hassen.
Tief ist der
Ocean, kalt ist
das Eis.

Wir sitzen in
der zerstörten Wohnung.
Jeder in seiner Ecke.
Weit ist der Himmel.
Heiß ist
das Feuer.

Schwer geht der
angestrengte Atem.
Sinnlos sind
die Worte.
Verschwunden ist
der Sinn.

Meine Faust
ballt sich,
in der selben Sekunde wie deine.
Hell ist das Leben,
hell wie der Hass.