Keine Angst

Es gibt gute Geschichten und Gedichte.
Menschen die dich verstehen.
Körper die gut riechen und dir wohlgesinnt sind.
Es gibt Kraken und Igel und Faultiere.
Es gibt erwachen und sich versenken.
Es gibt die Erkenntnis das man genau reicht.
Es gibt den Kampf und Kampfgenossen.
Es gibt Entdeckungen am anderen Körper.
Du musst nicht einmal dran glauben

(Aber Käsekuchen möchte ich immer noch essen mit dir.)

Sonett

Wer nicht dabei war kann das nicht verstehen.
Das ist die eigentliche Wahrheit dieser Nächte.
Das und der verschlierte Blick
nach innen und außen.

Wer nicht dabei ist kann das nicht verstehen.
Diese Bewegungen zweier Körper
ist seit Jahrtausenden bekannt.
Und doch ist es was anderes für jeden Menschen.

Wer es nicht kennt kann das nicht verstehen.
Diese gläserne Wand die manchmal auftaucht.
Dieses Missverständnis ich sei ein Mensch.

Das erträgt man nur mit Humor.
Mit der Gewissheit das du niemanden verrätst
wenn du nicht mehr so viel nachdenkst.

Heute

Der Junge im Buggy sieht sich gelangweilt um.
Ich bin versucht ihm recht zu geben.
Trotz Phasen in denen deine Augen gezittert haben.
Als Jugendlicher hast du ungern dein T-Shirt ausgezogen.
Hattest recht weiße Haut. Und recht viel Fett.
Aber es war eh nur ein Freibad aus Beton.
Heute habe ich zuviele geleckte Menschen gesehen.
Tote Gesichter die auch nur leben.
Dafür war der Bahnhof Alexanderplatz gesperrt.
Ich habe kurz an dich gedacht und an Sex.
Es gab Spatzen und Sekt und den Moloch und Rassismus.
Wir sind Bus gefahren.
Und jetzt hab ich nicht mal Lust auf Bier.
 

„O Angst!“ -Gedanken

„Hat nicht verstanden.“

(Aus dem Abschiedsbrief von K.Tucholsky)

Auf Twitter kündigt einer Suizid an der dann, leider, gelingt.

Viele Menschen beschimpfen ihn, wegen der Ankündigung, einige versuchen ihm zu helfen. Soweit die Fakten.

Ich hab ihn nicht gekannt, erst später davon erfahren. Aber es ist nicht der erste Fall den ich mitbekomme. Ehrlich gesagt habe ich mich einige Zeit in einem Suizidchat rumgetrieben. Keiner von denen in denen man Tipps bekommt, einen in dem man sich austauscht. Dort habe ich gelernt das sogar depressive und borderliner Humor haben. Witze reißen wie andere „Randgruppen“. (Dort habe ich auch die Mutter meines Kindes kennengelernt, aber das ist eine andere Geschichte)

Ich bin schon so lange depressiv das ich nicht mehr weiß wie lange schon, manchmal denke ich das ich es schon als Kind war. Nie schwer, nie stand ich kurz davor mich umzubringen. Ich nehme keine Medikamente bis jetzt. Aber genug um echte „Ehrfurcht“ vor jemanden zu empfinden der schwere Depressionen durchmacht. Genug um manchmal verliebt in den Gedanken zu sein alles zu beenden. Ich tue es nicht, größtenteils weil ich Vater bin, und damit Verantwortung trage. (Das soll kein Vorwurf sein!)

Genug um zu wissen das alle Apelle und Ratschläge wie: „Das wird schon wieder“ und „Reiß dich zusammen“ nichts bringen. Genug um zu wissen wie es das Leben einschränkt. Wieviel Kraft es erfordert gegen diese Dämonen zu Kämpfen.

Bei mir beginnt es wie Langeweile. Es dehnt sich immer mehr aus bis ich alles so Sinnlos finde das ich es nicht mehr tue. Nicht einmal mehr lesen. Nicht einmal mehr schreiben. Soviel zur einer „Karriere“.

Ja, Depression ist eine Krankheit! Nicht mehr und nicht weniger. Sie verläuft häufig genug tödlich!

Ja Depressive sind häufig genug theatralisch bis zur Unerträglichkeit. Aber sie meinen es ernst. Auch das 14jährige Emomädchen. Das es Menschen gibt die Leben wollen aber es aus verschiedenen Gründen nicht können ist kein Argument. Wenn man tauschen könnte, würden es viele Todessehnsüchtige tun.

 

Das alles ist nicht sehr geordnet geschrieben. Es ist kein Hilferuf, keine Sorge. Höchstens ein Ruf um Verständnis. Vieleicht ein Aufruf an Unbekannte sich zu akzeptieren und sich für den schweren Rest Hilfe zu suchen. (Musst du grad sagen raunt es leise in mir.) Eine Gelegenheit um sich Gedanken aus dem Kopf zu schreiben die kreisen und kreisen und höchst Unerwünscht sind. Mehr nicht.