Lebenszeit

Death in Liebe gewidmet

Leben in Ruhe.
Von niemanden bemerkt.
Leben in Ruhe.
Nicht teilgenommen.

Keine Experimente!
Kein Feuerwerk!
Kein glücklicher Rausch!
Nur Schlaf und Arbeit.

Die Kinder nicht
über den Rand fallen lassen.
Den Bäumen
beim wachsen zusehen.

„Das ist das Leben!“,
sagten die Leute.
Heute sollst du
über dich herauswachsen.

Nein, auch wenn ich mich
widerhole:
„Ich habe keine Antworten!“
Nur das was alle bekommen:
Ein Leben.

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Vorstadtrebell

Ich war 16 und rebellierte eigentlich nicht.
Lief nur herum in meinem BW-Parka.
(Ich trank nicht einmal. Das kam später.)
Ich ekelte mich, dass ist wahr. Sonst nichts.
Nachts sah ich manchmal die Lichter der Autos
die in mein Fenster schienen.
Und die Lichter hinter meinen Augenlidern.
Ich sprach selten und wenn war es seltsam.
Ich hatte sogar eine alte Schreibmaschine
auf der ich einige Gedichte schrieb.
Aber ich war zu langsam mit ihr.
Ich bewunderte Schönheit und war ein Idiot.
Aber mein Hund mochte mich.
Und die Dichterinnen.
Ich war 16 und ich schwieg. Teilweise aus Trotz.
Das ist alles.

Meltdown.

Der Moment wenn man nach Hause kommt. Man weiß, niemand ist da. Alle Geräusche, alle Gerüche, alle Farben, alle Gespräche, alles weg. Man atmet auf. Nichts ist mehr zuviel. Alles berechenbar. Nur noch Geräusche die man haben möchte. Keine Menschen da.(Menschen nutzen dich ab.) Nur noch Stille und eigene Gedanken. Man muss nicht mehr durchdrehen. Alles ist gut. Man hat nicht mehr das Gefühl verrückt zu werden. Nicht mehr das Gefühl ausgesaugt zu werden von all diesen Menschen. All diesen Eindrücken.

Da sind nur noch die Bücher. Die Worte in denen man sicher ist. Mit ihnen kann man sogar streiten. (Mit Menschen nicht.) All die Geschichten die man versteht. (Die Gesichter nicht.)

All das zuviel weswegen man nichts fertig bekommt. Man kämpft zuweilen mit der Konzentration. Die Gedanken werden kürzer. Man bekommt Angst nicht mehr denken zu können. (Dabei denkt man nur langsamer. Nicht schlechter.)

Viel mehr Intuition einsetzen. Das vor sich selber rechtfertigen. (So wie man alles vor sich rechtfertigt.) Für logisch gehalten werden. Sich für einen Schwindler halten. Nicht mit denen auskommen, die angeblich „aus dem Bauch heraus“ entscheiden. Wieder mit seinen eigenen Worten streiten.

Viel Rückzug brauchen. Andere um Entschuldigung bitten wollen dafür.