Rasen an der Autobahnausfahrt

Geboren in finsteren Häuserschluchten,
aufgewachsen an einer Autobahnausfahrt.
Vorstadttraumgespinste vom wegfahren.
Kein Alkohol. Hat auch nicht geholfen.
Einkaufen. Kronsbeeren in Glas.
Engel und Dämonen im Spiegel.
Gedanken von Atombomben bei Nacht.
Buchstaben. Liebe zu Todesmädchen.
Gedachtes New York. Enten im See.
Zusammen essen mit nassen Haaren.
Suchen nach anderen Unterirdischen.
Warten auf den Teufel an der Kreuzung.

Vorstadtrebell

Ich war 16 und rebellierte eigentlich nicht.
Lief nur herum in meinem BW-Parka.
(Ich trank nicht einmal. Das kam später.)
Ich ekelte mich, dass ist wahr. Sonst nichts.
Nachts sah ich manchmal die Lichter der Autos
die in mein Fenster schienen.
Und die Lichter hinter meinen Augenlidern.
Ich sprach selten und wenn war es seltsam.
Ich hatte sogar eine alte Schreibmaschine
auf der ich einige Gedichte schrieb.
Aber ich war zu langsam mit ihr.
Ich bewunderte Schönheit und war ein Idiot.
Aber mein Hund mochte mich.
Und die Dichterinnen.
Ich war 16 und ich schwieg. Teilweise aus Trotz.
Das ist alles.

Vorstadt

I.
Ich BML wurde geboren in
den Hochhausklüften der
70er. Bald kam ich in die
grünen Vorstädte in der
die Langeweile hauste.
Ging abends mit dem Hund.
Vorbei an Häusern, Gärten
und der Autobahn mit dem
weißen Rand.
(Im Winter war sie hinter
uns beim rodeln. Kalte
Hände. Gelbes Licht aus den
Wohnzimmern.)
In meinem Elternhaus hing
Nolde und die blauen
Pferde. Ich besuchte
ernsthafte Dadaveranstaltungen.
Es war furchtbar.

Geschichten von einem jungen Menschen.

Damals, als ich ein
Gedicht schrieb über
einen Menschen der aus
reinem Übermut aus dem
Fenster sprang.
Oder als ich die Mädchen
beneidete das sie so schöne
Kleider tragen durften und
sie die interessanteren
Gesprächstthemen hatten.
Ich hoffte auf die Liebe
und wusste nicht wie diese
aussehen sollte. Du dachtest
bestimmt das ich auf Männer
stehen würde.
(Ich stehe aber auf alle
Geschlechter.)
All diese Tage die vorüber
gingen. All diese Streitereien.
Warten auf die Liebe und
das Leben. Ich lag einfach
nur da. Suchte Menschen
die mir ähnlich sind.
Hoffte manchmal auf den
Tod. Oder ein Wunder.
Oder ein Gedicht.

Ode an eine Sonnenblume

Für Allen Ginsberg

Hier in meinem eigenen Moloch,
sitze ich und denke an dich, Allen.
Ich denke an den Abend, an dem ich las
das du gestorben bist und  tanzen ging
und trinken und ich mich trösten lies.

Ich denke an Sonnenblumen und
den Tag an dem ich nicht mehr
weiter wusste und mir noch eine Frist
bis zu 5.April gab. Albern und traurig
ich weiß, aber ich konnte nicht mehr
und war unendlich müde und brauchte ein
Symbol. Wenigstens ein kleines.

Ich denke dran wie ich tagelang ein
Gedicht schrieb und du schautest in
meinen Gedanken über meine Schultern
und lachtest und dein Kopf nickte im
Takt, dabei hatte das Gedicht nicht einmal
eins.

Nichts von Rettung, Allen. Aber
du hast mich geführt wenn ich durch
das Reich von Delirium ging und mich
zu verirren drohte. Du warst da.

Weiße Haut

Sie hatte weiße Haut
und ich weiß nicht
warum ich an sie denke.

Sie war im gleichen
Sommercamp wie ich
und ich schaute sie gerne an.

Ihre schwarzen Haare.
Ihre blauen Augen.
Die Bewegung ihres Körpers.

Einmal sagte sie in einem
Gruppengespräch das
sie mich mag.

Das
war alles. Eigentlich
ist nichts passiert.

Sie hatte weiße Haut
und ich weiß nicht
warum ich an sie denke.

Vorstadtstrassen

Ich wurde geboren
in den Hochhausschluchten,
meine Familie brachte mich
in die Vorstädte.

Müde schlich ich mich
zur Schule. Stand auf
einem Bein an der
Bushaltestelle.

Ich war ein ernster
Goldfisch in der Dunkelheit.
Alle anderen Fische schwammen
in eine andere Richtung.

Einige träumten von
einer Revolution die mit
ihnen ganz gewiss nicht kommen würde.
Nur der Hass auf den Weihnachtsmann.

Ich bin seitdem weit gekommen.
Auch wenn es nicht immer
mein Verdienst war. Aber manchmal,
nachts, möchte ich immer noch
weg.

Damals

Damals, als

ich noch jung und wild war,

(Stattdessen war ich genauso

drösig wie heute)

damals also in diesen

Sommern,

(Die ich nicht aushielt.)

damals als ich träumte

(und nicht wusste wovon)

und Menschen hasste

deren Gedanken quadratisch

verliefen.

(Hasse ich heute noch?)

Damals, als

ich liebte, las, aß

und trank.

(Und meine Hand noch schwieg)

Die Sonne schien

und ich verknotete meine Arme

aus Scham und Schüchternheit.

(Auch sah ich zu Boden)

Damals, als

mein Körper nicht

vorhanden schien.

(Oder nur wenn er etwas nicht konnte.)

Damals also,

als ich mich raushielt

und Menschen übersah.

Voll von Gedanken und

Geilheit und Scham und

Brillianz und Ungenügen.

Damals schien die Sonne.

(Wie heute auch.)

Goethe, Bukowski, Salinger und Veronica.

Ich war jung und in
meinem Kopf mischten sich
Goethe, Bukowski und Salinger.
Ich war ständig verliebt.

Ich hatte noch nicht
angefangen zu trinken.
(Von anderen Drogen
ganz zu schweigen.)

Ich verliebte mich
ständig in die falschen.
Ich weiß auch nicht
warum.

Meißt waren die
Frauen begabt,
hatten eine künstlerische
Ader und waren blass.

Niemand hatte Schuld,
ich wusste einfach nicht
was ich tat. Ich kannte
das alles nur aus Büchern.

Noch heute verliebe ich
mich in Frauen die Lyrik
für mich sind. Aber ich
habe dazugelernt.

Jedenfalls
ein bischen.