Zuviel

Zuviel Fernsehen.
Zuviel Information.
Zuviel Lautstärke.
Zuviel Geschichte.
Zuviel Körper.
Zuviel schlechtes Essen.
Zuviel schlechte Gedanken.
Zuviel Vorschriften.
Zuviel Männer.
Zuviel Frauen.
Zuviel Meinungen.
Zuviel Menschen.
Zuviel Internet.
Zuviel Dreck.
Zuviel Sauberkeit.
Zuviel Gefühle.
Zuviel Schmerz.
Zuviel Nichts.

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Ich bin noch nicht fertig

Respekt dafür das du jeden Tag rausgehst
obwohl du den Spiegel nicht erträgst.
Respekt das du nicht auf die Stimmen hörst
obwohl es deine Stimmen sind.
Respekt dafür das du dein Leben lebst
obwohl es dich langweilt und tötet.
Respekt dafür das du weiter sprichst
obwohl immer du immer dasselbe zu sagen scheinst.
Respekt dafür das du nicht alles beendest
obwohl es so sinnvoll erscheint.
Respekt das du die Sonne suchst,
die Vögel und den Sinn.
(Er ist nicht da, aber du musst ihn suchen.)
Kein Mitleid.
Kein „Weiter so!“
Kein hartes „Du musst!“
Du musst gar nichts.
Aber vielleicht solltest du dich respektieren.

Tages- und Jahreszeiten

(Scardanelli gewidmet.)

Jeder Tag ein weiterer Versuch
einen weiteren Tag zu überstehen.
Ohne zu viel zu kämpfen.
Ohne aufzugeben.
Der Versuch die Sonnenblumen zu sehen.
Der Versuch die Otter und Faultiere zu schützen.
Der alltägliche Wahnsinn.
Schon das Wort kann dich verrückt machen.
Und es nicht einmal der Beton.
Schuhbänder machen dich wütend.
Du musst noch Zähneputzen.
Und morgen wieder Schmerzen und Angst ertragen.
Bis du wieder zur Jazzsuite zurückkehren kannst.
Oder zu Mahler. Oder den Beatles.
Oder einigen Hölderlinversen.

Singe Muse

Singe mir O Muse,
und lass mich schreiben,
von dem Dichter, der die Gefühle anderer kennt, aber
nicht seine eigenen.
Von den Menschenmassen, die in den, dem gebildeten
wohl bekannten, Meer unter gehen und sterben weil ihre Länder
zerstört und ausgebeutet werden und sie selbst getötet.
Von Poetinnen, die sich in den Schlaf trinken und mastubieren,
sich verzehrend nach Revolutionären.
Von Malerinnen, die wachrütteln und Herzen ausmalen.
Von Menschen die auf ihre Art lieben wollen,
herzlich und echt und gesagt bekommen das ihre Art unnatürlich sei.
Von Narren und Verrückten, die sagten das sie abgehört würden
und recht behielten.
Von Menschen, die flohen und mit Hass begrüßt wurden,
von Menschen die sagen: „Ich hab nicht gegen dich, aber ich hasse dich.“
Von Menschen, die Asylantenheime anzündeten,
aber nicht fremdenfeindlich genannt werden wollen.
Von Künstlern, die ihre Werke schützen wollen,
aber nur die Verkäufer ihrer Werke schützten.
Von Journalisten, die die Sprache verhunzen
und die Gefühle derer die sie Lesen.
Von Gefühlen, die vom Disneykonzern aufgekauft wurden.
Von der Sprache, die von Bertelsmann aufgekauft wurde.
Vom Essen das nur noch dazu da zu sein scheint,
das man mit ihm handelt.
Vom Jungen, der die linke Faust gehoben hat und
die Internationale sang und sich bis heute nicht schämt und trotzdem kein
Stalinist geworden ist.
Von Menschen die weinen.
Menschen die Kämpfen und scheitern und weiter kämpfen.
Von Liebespaaren und Wein und Rausch und Festen.
Von Hass und Freundschaft.
Singe Muse!