Manchmal

Manchmal. Du gehst an mir vorbei. Ich kenne dich nicht. Sehe dich das einzige Mal. Sehe deine Mütze. Deine Augen. Deine Schuhe. Dann stelle ich mir dich in der Dusche vor. Fühle deine Haut. In meinem Kopf.
Aber ich kenne dich nicht. Warum auch? Ich denke ja an dich. Für Sekunden. Bekomme Gänsehaut durch dich.  Ich gehe weiter. Wer ich bin? Ach niemand. Vielleicht ein Teil dieser Welt. Vielleicht der Richtige für dich. Vielleicht dein Unglück. Aber ich kenne dich nicht. Ich denke über dich nach. Warum auch nicht?
Ich hätte gerne gespürt wie du atmest. Ich hätte gern gewusst wie du riechst. Zwischen deinen Beinen. Im Nacken. Hätte gerne deine Zunge gespürt. An meiner Zunge. Überall. Magst du sowas? Ich weiß es nicht. Ich kenne dich nicht. Vielleicht bist du zu jung für mich. Vielleicht magst du nichts von dem was ich bin. Ich weiß es nicht. Ich kenne dich nicht. Ich sehe nur wie du langsam in die nächste Strasse verschwindest.
Hätte ich dich ansprechen sollen? Vielleicht. Vielleicht bin ich auch nicht perfekt genug. Hab nicht genug an mir gearbeitet. Bin zu dick. Bin zu wenig an angesagten Orten gewesen. Vielleicht hätte dir nicht genügt was ich denke und sage. Vielleicht hätte ich dir nicht genügt. Du hättest nicht verstanden was du mit mir sollst. Nicht gelacht natürlich, nicht über mich, aber es nicht verstanden. Warum auch? Du kennst mich nicht.
Hat mich schon mal jemand so angesehen? Im Frühling? Hier in der Stadt? Und hat mich nicht angesprochen? Weil das ja auch schön ist manchmal. Man sieht Jemanden und muss lächeln. Hat ein/zwei Gedanken. Und das war es dann. Der Tag hatte seine Gedanken. Sein Gefühl, dass es Schönheiten gibt. Und dann ist es auch einfach ein Trieb. Nichts dabei. Im Gegenteil. Bald vergessen. Aber schön.
Jetzt bist du verschwunden. Nein es war nichts. Kein Drama, keine Tragödie. Tut mir leid. Jetzt bist du weg. Mit deinen langen Haaren. Mit deinem Sidecut. Mit deinen bunten Haaren. Mit deiner Haut. Tätowiert oder nicht. In allen Farben. Mit allen Geheimnissen die ich nicht kenne. Mit deinen Geschichten. Die ich auch nicht kenne. Hast du eines dieser Katzenohrenhaarteile? Geht mich nichts an. Ich kenne dich ja nicht. Das ist Ok. Ich gehe weiter.

Selbstbildnis

Das ist mein Gesicht.
Jung aus Neugierde
Alt vom Erlebten.
Das ist mein Bauch.
Rund und voll und
voll von Sodbrennen.
Geliebter Ablageplatz von müden Köpfen.
Das sind meine Hände.
Sie bauen, kochen, schreiben und schneiden.
Sie können streicheln und berühren.
Das ist mein Gehirn.
Es zagt und genießt. Es hat Angst und Lust.
Es stellt sich meinen Körper in Frauenkleidern vor.
Es hält all meine Widersprüche aus.
Das ist mein Körper.
Er berührt und will berührt werden.
Kennt keine Scham und keine Moral.
Eines Tages wird er tot sein.
Das ist alles.

Fieberträume

Verhaftet und ausgefragt.
Nur unterbrochen vom Aufwachen.
Verhaftet und ausgefragt.
Tausend Bilder angesehen.
Nicht gejagt, schon erwischt.
Der Körper schwitzt und kämpft.
Wo bin ich?
Verhaftet und ausgefragt.
Kämpfen gegen die Bakterien in mir.
Der Welt abhanden kommen.
Nicht gejagt, schon erwischt.
Nur unterbrochen vom Aufwachen.
Verhaftet und ausgefragt.

Angst vor dem Körper

Dein Mund, deine Beine und dein Augen.
Dein Körper und dein Geruch.
Deine Bewegungen. Berühren.
Alle Grenzen schwimmen weg mit dir.
Jetzt bin ich ehrlich. Jetzt.
Wir sind wir.
Körper, Gefühle und Geschlechter verschmelzen.
Lösen sich nicht auf.
Küss mich. Breche meine Barrieren.
Ich hab angst vor mir.

Hilfe

Ich möchte in dich
hineinkriechen.
Dich bewohnen. Dein
Körper bietet mir Schutz,
wo ich schutzlos bin.
Nimm mich in dich auf.
Manchmal sind wir eben
nicht auf einer Ebene.
Und doch sehen wir uns
in die Augen ohne uns zu
strecken oder zu bücken.
Da draußen tut alles weh.
Mein Körper mag mich nicht.
Leih mir deinen… Nein!
Zeig mir meinen mit deinen
Händen, Augen und deinem Mund.
Hör mir zu. Ich weiß nämlich
wieder mal nicht was ich sagen soll.

Gefährliche Gegend

Wenn da noch nichts ist
und du schon Angst bekommst
vor dir selber und die
Aufgabe zu groß erscheint.
Du tastest dich nach vorn.
Schlüpfst in deinen Körper.
(Der dir noch nicht ganz passt.)
Atmest und versuchst zu folgen.
Es scheint als sein es
überall gefährlich. Alles
kann falsch sein. Und doch
ist es nur dein Körper.