Gefährliche Gegend

Wenn da noch nichts ist
und du schon Angst bekommst
vor dir selber und die
Aufgabe zu groß erscheint.
Du tastest dich nach vorn.
Schlüpfst in deinen Körper.
(Der dir noch nicht ganz passt.)
Atmest und versuchst zu folgen.
Es scheint als sein es
überall gefährlich. Alles
kann falsch sein. Und doch
ist es nur dein Körper.
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Verbraucherhinweise

Umarme deine Ängste.
Sterbe jeden Tag um
am nächsten wieder
aufzuwachen.
Umarme deinen Körper.
Auch weil er eines
Tages stirbt, will er
nichts böses von dir.
Begebe dich in den Rausch
und kehre wieder zurück.
Da sind andere Körper
die dich entdecken wollen.
Sprich und schau und höre zu.
Entdecke alles. Aber vor allem:
Höre zu und denke und
achte nicht auf meine Tipps!

U-Bahn Terzinen

Wenig Zeit bis der Tag
zu ende ist der kaum
begonnen hat.

Nicht viel von euch
Menschen mitbekommen,
nicht viel gesehen.

Nur manchmal schiebt
sich ein Mensch vor die
Pupille. Oberflächenreiz.

Bis man Lust bekommt das
alles zu sehen und es näher
zu beschreiben.

Den Körper zu bedichten
den man nicht kennt und
der schon verschwunden ist.

Die weichen Augen, die
muskulösen Arme, die Lippen
die Küsse erscheinen lassen.

Dann wieder: Ein Lachen das
auf andere Reisen schickt.
Anderes Muster. Anderes Begehren.

Und sich keine Tabus auferlegen.
Jedes Geschlecht hat seinen Reiz.
Jedes Körperteil.

Nur Angst machen will ich nicht.
Höflich bleiben.
Verbeuge mich innerlich.

Mein Körper

Schaue auf diese Hand
all diese Adern, die
Farbschattierungen.
Meine Hand die mich
berührt, mich füttert,
die mich schlägt und
mich streichelt.

Im Spiegel mein Bauch,
groß und dick. Behaart
und manchmal mein
Ärgernis. Geliebt von
meiner Tochter und vielen
die gerne kuscheln.
Hemmnis bei so vielen Dingen.

Meine Augen. Oft angestrengt.
So viele Dinge gesehen.
So viele Seiten gelesen.
So viele Körper abgetastet.
Blau schauen sie auf mich
und versuchen dem ganzen
Körper gerecht zu werden.

Diesen Körper den ich noch
immer nicht verstehe. Der
Lust empfindet, einsam ist und
schmerzt. Der Hunger hat und
eines Tages sterben wird.
Alleine wie alle Körper.
Den ich lieben will.

Immer wieder

Immer wieder verpasse ich dich.
Spreche ein falsches Wort.
Sehe in die falsche Richtung.
Ziehe ein falschen Körper an.

Immer wieder schweige ich zuviel.
Drehe und wende ich mich.
Finde ausreden mich nicht fallen
lassen zu können.

Immer wieder scheinen meine
Gedanken mich von dir zu trennen.
Fühle ich mich zu erregt um normal zu reden
und zu impotent um mit dir Sex zu haben.

Immer wieder ist es zuwenig oder zuviel
und ich bin unsicher wie ich es zulassen
kann dir nah zu sein. Zulassen das ich
mich zurückziehe und einfach ich sein kann.

Scham

„Die alte Scham ist falsche Scham.“
(Inge Müller)

Meinen Körper auch nur
vor mir zu zeigen ist schwerer
als ich zugeben mag. Er ist
nicht hässlich, aber er gehört
nicht wirklich zu mir.
Und wir streiten oft.

Mich vor dir zu öffnen
erfordert viel Mut, meine Worte
sind nicht dafür ausgerichtet.
Schon das ich dich schön finde
bereitet mir fast Schmerzen.
Und ich weiß nicht warum.

Ich zu sein erfordert oft
viel Geduld, obwohl es bestimmt
nicht schlechter ist als vieles
andere was man sein könnte.
Ich muss es schützen.

Nur in meinem Kopf

Dein Körper ausgedacht
in meinem Kopf.
Reflektierend im Mondschein
und meinen Gedanken.

Dein Geruch. Zusammengesetzt
aus Erinnerungen. Meine Hände
spüren deine weiße Haut, obwohl
es nichts zu spüren gibt.

Ich atme dich. Du bist so
flüchtig wie mein Atem.
Du vergehst in mir und
bist schnell verschwunden.

Du änderst dich in
gedankenschnelle. Bist
nicht wahr. Nur Spuk.
Und doch: Ich spüre dich.

Mein Herz schlägt schneller.
Du erregst mich. Machst mich
lächeln. Ich spüre dich und
deine Anwesenheit.

Körper nebeneinander.

Mit der Nase in dich kriechen.
„Verschling mich, bitte!“,
flüstern. Sonst nicht sprechen.
Wissen das alles endet.

Ineinander kriechen. Alles wissen.
Alles berühren. Alles Küssen.
Einander atmen. Tief und genau.
All diese Dinge die es eigentlich nicht gibt.

Wir wohnen nur in unseren Körpern.
Sie brauchen keine Schilder.
Nur Berührungen. Und Liebe.
Schlicht. Einfach. Klar.

Sich so einen Körper ausdenken

Einen der auf mich hört.
(Und nur manchmal lächelnd
mit dem Kopf schüttelt wenn
er etwas nicht soll, aber er
will es haben.)

Der sich bewegt und atmet
und sich gerne zeigt und
andere Körper mag.Der
begehrt.

Der sich anschmiegt
an das was ich sein kann.

Der streichelt und küsst
und schwitzt. Und lacht
über das wahnsinnige
Diktat das an ihn gestellt
wird. Jeden Tag.

In den Tunnel

Ich stelle mich gegen mich
und ich stelle mich gegen euch,
während die U-Bahn unter die
Erde fährt und mir eure Augen
Angst machen und ich den Körper
der mir gegenüber sitzt begehre.
Blaue Haare und Augen.
Ich träume von Brüsten.
Männliche und weibliche.
Sie zu berühren soll Spass machen.
Ich weiß nicht mehr.
Noch soviel zu lernen, aber
das um mich herum ist schon zu
viel Information und nicht
in Gedanken zu fassen.
(Ich bleibe Fassungslos.)
Also warte ich bis ich
wieder ruhig sprechen kann.
Mit rede und gegenrede und
Verständnis.