Apokalypse

Als die Häuser brannten flog über ihnen
ein blasses Mädchen in einem lila Kleid.
Als die Städte in einer Erdspalte verschwanden
sang Fallada ihr schönstes Lied.
Als man den Atompilz in seiner vollen Schönheit sah
betranken sich sechs alte Männer mit Terpetin.
Als alle Vulkane zugleich ausbrachen vermischte
sich der Donner mit dem Stöhnen einer Orgie.
Sie fielen um wie Zinnsoldaten.
Überall war Rauch.
Die Märkte blieben ruhig.
Es wurden mehr Sonnenbrillen verkauft.

Was ich sehe.

Ich suche nicht nach einer Wahrheit.
Ich schreibe auf was ich sehe.
Ich sehe Menschen die sich ihre Haut aufschneiden.
Sehe das Blut fließen. Rot und ungeheuer.
Menschen die geschlagen werden
von anderen Menschen die das für Liebe halten.
Ich sehe große rosa brennende Sonnenuntergänge.
Menschen die zwischen ihren Extremen verzweifeln.
Nach Liebe suchen und gerade gut zum Ficken befunden werden.
Menschen die nach Schmerz suchen um den Schmerz zu betäuben.
Weiße unglaubliche Lilien die untergehen.
Die wunderschöne reine Zärtlichkeit des Rausches.
Höre die Strophen der Internationale.
Sehe den Mond zu dem wir beten.
Den angstvollen Hass aus schlechten Ideen heraus.
Ich höre von Bomben und Mord.
Sehe in mir die Atompilze.
Spüre die Erdenschwere. Die Ohrfeigen des Lebens.
Höre noch nachts das unterirdische Brummen der Autos.
Ich spüre die Sehnsucht zu besitzen und besessen zu werden.
Spüre die Angst und die Sehnsucht in anderen.
Trinke mein Glas leer und fülle es erneut.

Kriegslied (Matthias Claudius)

‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg!
O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
‘s ist leider Krieg –
und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?
Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
‘s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein
(Matthias Claudius)

(Heute ist der 200. Todestag von Mathhias Claudius. Ich mag seine einfache Art Dinge und Gefühle zu beschreiben. Sicher werde ich ihn nicht größer machen als er war. Und das „Das waren noch Zeiten“-Spiel spiele ich nicht mit. Und doch…)

Grabschrift Marianae Gryphiae, seines Bruders Pauli Töchterlein

Geboren in der Flucht umringt mit Schwert und Brand
Schier in dem Rauch erstickt der Mutter herbes Pfand
Des Vatern höchste Furcht die an das Licht gedrungen
Als die ergrimmte Glut mein Vaterland verschlungen.

Ich habe diese Welt beschaut und bald gesegnet:
Weil mir auf einen Tag all Angst der Welt begegnet.
Wo ihr die Tage zählt; so bin ich jung verschwunden
Sehr alt; wofern ihr schätzt was ich für Angst empfunden.

Grabschrift Marianae Gryphiae, seines Bruders Pauli Töchterlein
(Andreas Gryphius)

Grabschrift Mar…