Ehrlichkeit

Ehrlich schreiben über mich und die Welt.
Alles erwähnen. Auch die Besuche im Pornokino.
Alle Sexarbeiterinnen die ich besuchte.
Alle seltsamen Götter erwähnen an die ich glaube.
Der ganze Hass der in mir schwimmt.
All die Liebe die Katzen und Hunde für mich haben.
Jede Konklusion die ich aus jedem Buch gezogen habe.
Leben die ich gerettet und gestört habe.
Das Mitleid mit totgefahrenen Tauben. Manchmal.
Und das fehlende für Menschen. Manchmal.
All die Tode. All die Leben. All die Langeweile.
All die Masturbation. All die Stunden vor dem Fernseher.
All die Wege und Straßen und Autobahnen und Eisenbahnstunden.
All das tanzen und lesen und seltsame Gedichte schreiben.

It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity, it was the season of Light, it was the season of Darkness, it was the spring of hope, it was the winter of despair, we had everything before us, we had nothing before us, we were all going direct to Heaven, we were all going direct the other way – in short, the period was so far like the present period, that some of its noisiest authorities insisted on its being received, for good or for evil, in the superlative degree of comparison only.

(Charles Dickens/A Tale of two Cities)

Manifest

1. Pop war und ist auch immer ein Manifest. Nicht immer eins was man auch verstehen kann.
2. Dieser Text ergibt keinen Sinn. Aber das tut das Leben auch nicht.
3. Melancholie kann auch Spa̱ß machen.
4. „Sei immer blödsinnig geistesabwesend!“ (J.Kerouac)
5. Freundlichkeit ist wichtig.
6. Schreib auf was du zu sagen hast und sag was du schreiben willst.
7. Mach was du willst und denk dabei an andere.
8. So viele Bücher so wenig Zeit.
9. „Ich weiß es doch auch nicht.“ (Die Füxin)
10. Küsse und berühre!
11. Setze nicht zuviel Ausrufezeichen.
12.Genieße die Schönheit. Auch im Spiegel.
13.Rieche. Schmecke. Sei betrunken.
14. „Iß das Fleisch, das da ist! Spare nicht!“ (B.Brecht)
15. Traue niemanden der brüllt. Es sei denn er brüllt aus Schmerz.
16. Lies alles. Lass nichts aus.
17. Vertraue der Stille. Vertraue dem Nichts.
18. Tod der Lüge.
18. Hoch DADA. Hoch die Lettristische Internationale. Hoch dem Absurden. Hoch Bartelby. Hoch die Zartheit. Hoch dem Tod. Hoch die Höflichkeit. Hoch dem buddhistischem Lachen. Hoch der Depression. Hoch die Gefühle. Hoch du und ich. Hoch die Parkbank. Hoch die Sonne.

Leben in Büchern

Ich hatte zwar einige Freunde,
doch am besten verstanden mich immer noch die Bücher.
Und so lag ich auf Wiesen, Sofas und Betten herum
und unterhielt mich mit seltsamen Geschichtenerzählern.
War zuhause in New York, Helgoland und den 20er Jahren.
Ich glaube das machte mich seltsam.
Ich las und es wurde zu meiner Realität.
Ich verstand nicht das so viele Menschen
all das Leben aus den Büchern nicht sahen.
(Gut, vielleicht war in genug Büchern keins drin.)
Noch heute möchte ich Parties feiern wie in den Büchern.

Lieber Herr Rowohlt,

nein es ist kein runder Geburtstag, aber ich wollte Ihnen schon seit ein paar Jahren was schreiben. Zumal ich mir ihren Geburtstag gut merken kann. Nämlich einen Tag nach mir. (Und 30 Jahre vor mir.) Und was? Naja, ein Dankeschön. Wofür? Dafür muss ich etwas ausholen, denn es ist einiges. (Keine Abschweifungen versprochen. Das können sie sehr viel besser.)

Zunächst für die „Grüne Wolke“. Weil sie damit nämlich einem ruhigen, etwas ängstlichen kleinen Jungen ein wenig Rotwelsch beigebracht haben. (Verfatz dich, du schräger Singvogel!) Und mich damit etwas mutiger gemacht haben.

Dafür das sie mir den Unterschied zwischen einem elisabethanischen und einen jakobinischen Shakespeare erklärt haben. Schreddelgitarre eben.

Das sie mir gezeigt haben, das es schön ist ein Bär zu sein. Groß, stark und doch fein.

Das sie mir gezeigt haben, das man älter werden kann ohne völlig zu verblöden, oder die Gedanken seiner Jugend völlig ad acta zu legen. (Na gut meine Großeltern waren auch nicht schlecht darin, aber jetzt ist es auch wichtig für mich…) Das sie mir gezeigt haben, dass man zu seiner Überzeugung stehen kann und zwar ganz, ohne grässlich steif zu werden und anderen den eigenen Musikgeschmack aufdrängen zu wollen.

Dafür, das ich dank ihnen noch ein gutes Bilderbuch zum Vorlesen hatte. Und das sogar mit Walter-Trier-Bildern! (Mit denen ich im übrigen auch aufgewachsen bin.) Und die so gut waren, das es eins der wenigen Bücher ist, dass ich immer noch gerne vorlese. Und die Prinzessin, was meine Tochter ist, konnte sie bald alle auswendig und konnte sie ihren Freundinnen „vorlesen“. (Jetzt hat sie es ja mehr mit Mathe, aber das ist auch schön.)

Und natürlich, dass sie besagter Prinzessin Pu vorgelesen haben. Mit allen Stimmen! Es war immer schön es aus dem Kinderzimmer zu hören und zu wissen: Ja!

Viel wäre noch zu erzählen. (Z.B. Über Alfred Polgar, von dem sie einen Brief besitzen und den ich dank ihnen richtig entdeckt habe.) Aber ich möchte ja nicht aufdringlich sein. Nur sie zum Geburtstag grüßen. Und eben danke sagen.

P.S. Ich mochte ihre Kolumne die nur aus P.S. bestand.

P.P.S. Die Prinzessin sagt, sie kann sich an das „vorlesen“ von ihr nicht erinnern. Es ist aber doch passiert!

Goethe, Bukowski, Salinger und Veronica.

Ich war jung und in
meinem Kopf mischten sich
Goethe, Bukowski und Salinger.
Ich war ständig verliebt.

Ich hatte noch nicht
angefangen zu trinken.
(Von anderen Drogen
ganz zu schweigen.)

Ich verliebte mich
ständig in die falschen.
Ich weiß auch nicht
warum.

Meißt waren die
Frauen begabt,
hatten eine künstlerische
Ader und waren blass.

Niemand hatte Schuld,
ich wusste einfach nicht
was ich tat. Ich kannte
das alles nur aus Büchern.

Noch heute verliebe ich
mich in Frauen die Lyrik
für mich sind. Aber ich
habe dazugelernt.

Jedenfalls
ein bischen.