Sonett

Vogelgesang durch das geöffnete Fenster.
Regen macht die Luft leicht.
Im Zimmer immer noch Chaos.
Die Zeit dreht ihre Runden so wie immer.

Wieder hat das Treffen nicht funktioniert.
Unsere Weltsichten passen nicht.
Wir wenden unsere Körper ab voneinander.
Wieder scheint alleine sein die einzige Option.

Ich betrachte meinen Körper im Spiegel.
Sehe seine Schwächen und Unebenheiten.
Auch denke ich zuviel nach.

Ich denke an dich und wünschte ich würde dich lieben.
So funktioniert das aber nicht.
Und so lausche ich dem Vogelgesang durch das Fenster.

Eine Beleidigung

Das Herz jagt und fordert seinen Lohn.
Es will was es will und besteht darauf.
Mit Hilfe der Libido welche es antreibt.
Sie sagte “Freu dich dessen!“
Und ich sagte: „Warum?“

Sie war beleidigt weil ich ihr nicht recht gab.
Und ich weiß das sie Recht hat. Ich weiß das.
Unbekannte Größen die ich bewältigen kann.
Sie sagte: „Liebe mich.“
Und ich sagte: „Warum?“

Und ich saß da. Freudlos und verängstigt.
Und für sie war das die größte Frechheit.
Wie konnte ich nicht an Liebe glauben?
Sie sagte: „Was soll das?“
Und ich sagte: “Ich habe Angst.“

Sonett

Lass mich nicht über Liebe sprechen.
Nicht weil sie zart ist. Sie ist es nicht.
Sie macht blind und taub und ärgert uns.
Auch macht sie schlaflos.

Nicht weil sie zerbrechen könnte also.
Sie ist stark genug.
Aber sie flieht vor meinen Gedanken.
Und ich bekomme Angst.

Ich möchte mich fallen lassen.
Nackt vor dir stehen. Mit Fehlern.
Und auch keine Berge auftürmen,
wo nur Mäuse sind.

Denn die Liebe ist einfach und zart.
So lass mich nicht über Liebe sprechen.

Weiterkommen

I
Wohin willst du gehen
und in welcher Zeitschrift steht das?
Was willst du sein
und wo kommen die Bilder her?
Und eigentlich reicht es einen Apfel zu essen.
Gelegentlich betrunken zu sein.
Nicht zu selten duschen.
Menschen kennenlernen.
Du brauchst keine Drachen zu töten.
Hab keine Angst.

II
Wohnzimmer
Küche
Schlafzimmer
Abendbrot
Heirat
Reihenhaus
Mietwohnung
Mittagessen
Panikattacke

III
In einem anderen Stadtteil trinken.
Nicht wissen wo man ist.
Das einfache Leben.
Sich dazu durchringen.
Erschrecke dich nicht.
Hab keinen Angst.
Schreib einen Roman.
Mach es gut.
Hab ein schönes Leben.

IV
Weder lachen
noch weinen.
Wie spät ist es?
Wer bist du?
Warum ich?
Die Taktlosigkeit des eigenen Lebens.
Wir werden alt sein.
Aber die Zeit vergeht schon heute.
Zuviel Worte.

V
Mehr sein als Literatur.
Mehr sein als seine Krankheit.
Mehr sein als Angst.
Mehr sein als Fehler.
Mehr sein als „Das wird alles schon wieder.“
Mehr sein als loslassen.
Mehr sein als das was man ist.
Mehr sein als einfach machen.
Mehr sein als seine Arroganz.
Mehr sein als seine Worte.
Mehr sein als seine Bücher.
Mehr sein als Kunst.
Nichts sein im guten Sinne.

VI
Verstummen wenn ein anderer eine andere Meinung hat
ist kindisch.
Es so wollen.
(Und doch anders.)
Und irgendwo wummert Musik
Und irgendwo sind Menschen.
Und irgendwo ist loslassen.
Und die Sonne scheint.
Weiter ist nichts.
Nichteinmal Vorwürfe.

Was ich sehe.

Ich suche nicht nach einer Wahrheit.
Ich schreibe auf was ich sehe.
Ich sehe Menschen die sich ihre Haut aufschneiden.
Sehe das Blut fließen. Rot und ungeheuer.
Menschen die geschlagen werden
von anderen Menschen die das für Liebe halten.
Ich sehe große rosa brennende Sonnenuntergänge.
Menschen die zwischen ihren Extremen verzweifeln.
Nach Liebe suchen und gerade gut zum Ficken befunden werden.
Menschen die nach Schmerz suchen um den Schmerz zu betäuben.
Weiße unglaubliche Lilien die untergehen.
Die wunderschöne reine Zärtlichkeit des Rausches.
Höre die Strophen der Internationale.
Sehe den Mond zu dem wir beten.
Den angstvollen Hass aus schlechten Ideen heraus.
Ich höre von Bomben und Mord.
Sehe in mir die Atompilze.
Spüre die Erdenschwere. Die Ohrfeigen des Lebens.
Höre noch nachts das unterirdische Brummen der Autos.
Ich spüre die Sehnsucht zu besitzen und besessen zu werden.
Spüre die Angst und die Sehnsucht in anderen.
Trinke mein Glas leer und fülle es erneut.