Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

(Friedrich Hölderlin)

(Der Blogautor schenkt sich zum Geburtstag einen Fremdtext…)

Tages- und Jahreszeiten

(Scardanelli gewidmet.)

Jeder Tag ein weiterer Versuch
einen weiteren Tag zu überstehen.
Ohne zu viel zu kämpfen.
Ohne aufzugeben.
Der Versuch die Sonnenblumen zu sehen.
Der Versuch die Otter und Faultiere zu schützen.
Der alltägliche Wahnsinn.
Schon das Wort kann dich verrückt machen.
Und es nicht einmal der Beton.
Schuhbänder machen dich wütend.
Du musst noch Zähneputzen.
Und morgen wieder Schmerzen und Angst ertragen.
Bis du wieder zur Jazzsuite zurückkehren kannst.
Oder zu Mahler. Oder den Beatles.
Oder einigen Hölderlinversen.