Ehrlichkeit

Ehrlich schreiben über mich und die Welt.
Alles erwähnen. Auch die Besuche im Pornokino.
Alle Sexarbeiterinnen die ich besuchte.
Alle seltsamen Götter erwähnen an die ich glaube.
Der ganze Hass der in mir schwimmt.
All die Liebe die Katzen und Hunde für mich haben.
Jede Konklusion die ich aus jedem Buch gezogen habe.
Leben die ich gerettet und gestört habe.
Das Mitleid mit totgefahrenen Tauben. Manchmal.
Und das fehlende für Menschen. Manchmal.
All die Tode. All die Leben. All die Langeweile.
All die Masturbation. All die Stunden vor dem Fernseher.
All die Wege und Straßen und Autobahnen und Eisenbahnstunden.
All das tanzen und lesen und seltsame Gedichte schreiben.

Apokalypse

Als die Häuser brannten flog über ihnen
ein blasses Mädchen in einem lila Kleid.
Als die Städte in einer Erdspalte verschwanden
sang Fallada ihr schönstes Lied.
Als man den Atompilz in seiner vollen Schönheit sah
betranken sich sechs alte Männer mit Terpetin.
Als alle Vulkane zugleich ausbrachen vermischte
sich der Donner mit dem Stöhnen einer Orgie.
Sie fielen um wie Zinnsoldaten.
Überall war Rauch.
Die Märkte blieben ruhig.
Es wurden mehr Sonnenbrillen verkauft.

Sonett

Wer nicht dabei war kann das nicht verstehen.
Das ist die eigentliche Wahrheit dieser Nächte.
Das und der verschlierte Blick
nach innen und außen.

Wer nicht dabei ist kann das nicht verstehen.
Diese Bewegungen zweier Körper
ist seit Jahrtausenden bekannt.
Und doch ist es was anderes für jeden Menschen.

Wer es nicht kennt kann das nicht verstehen.
Diese gläserne Wand die manchmal auftaucht.
Dieses Missverständnis ich sei ein Mensch.

Das erträgt man nur mit Humor.
Mit der Gewissheit das du niemanden verrätst
wenn du nicht mehr so viel nachdenkst.

Manifest

1. Pop war und ist auch immer ein Manifest. Nicht immer eins was man auch verstehen kann.
2. Dieser Text ergibt keinen Sinn. Aber das tut das Leben auch nicht.
3. Melancholie kann auch Spa̱ß machen.
4. „Sei immer blödsinnig geistesabwesend!“ (J.Kerouac)
5. Freundlichkeit ist wichtig.
6. Schreib auf was du zu sagen hast und sag was du schreiben willst.
7. Mach was du willst und denk dabei an andere.
8. So viele Bücher so wenig Zeit.
9. „Ich weiß es doch auch nicht.“ (Die Füxin)
10. Küsse und berühre!
11. Setze nicht zuviel Ausrufezeichen.
12.Genieße die Schönheit. Auch im Spiegel.
13.Rieche. Schmecke. Sei betrunken.
14. „Iß das Fleisch, das da ist! Spare nicht!“ (B.Brecht)
15. Traue niemanden der brüllt. Es sei denn er brüllt aus Schmerz.
16. Lies alles. Lass nichts aus.
17. Vertraue der Stille. Vertraue dem Nichts.
18. Tod der Lüge.
18. Hoch DADA. Hoch die Lettristische Internationale. Hoch dem Absurden. Hoch Bartelby. Hoch die Zartheit. Hoch dem Tod. Hoch die Höflichkeit. Hoch dem buddhistischem Lachen. Hoch der Depression. Hoch die Gefühle. Hoch du und ich. Hoch die Parkbank. Hoch die Sonne.

Weiterkommen

I
Wohin willst du gehen
und in welcher Zeitschrift steht das?
Was willst du sein
und wo kommen die Bilder her?
Und eigentlich reicht es einen Apfel zu essen.
Gelegentlich betrunken zu sein.
Nicht zu selten duschen.
Menschen kennenlernen.
Du brauchst keine Drachen zu töten.
Hab keine Angst.

II
Wohnzimmer
Küche
Schlafzimmer
Abendbrot
Heirat
Reihenhaus
Mietwohnung
Mittagessen
Panikattacke

III
In einem anderen Stadtteil trinken.
Nicht wissen wo man ist.
Das einfache Leben.
Sich dazu durchringen.
Erschrecke dich nicht.
Hab keinen Angst.
Schreib einen Roman.
Mach es gut.
Hab ein schönes Leben.

IV
Weder lachen
noch weinen.
Wie spät ist es?
Wer bist du?
Warum ich?
Die Taktlosigkeit des eigenen Lebens.
Wir werden alt sein.
Aber die Zeit vergeht schon heute.
Zuviel Worte.

V
Mehr sein als Literatur.
Mehr sein als seine Krankheit.
Mehr sein als Angst.
Mehr sein als Fehler.
Mehr sein als „Das wird alles schon wieder.“
Mehr sein als loslassen.
Mehr sein als das was man ist.
Mehr sein als einfach machen.
Mehr sein als seine Arroganz.
Mehr sein als seine Worte.
Mehr sein als seine Bücher.
Mehr sein als Kunst.
Nichts sein im guten Sinne.

VI
Verstummen wenn ein anderer eine andere Meinung hat
ist kindisch.
Es so wollen.
(Und doch anders.)
Und irgendwo wummert Musik
Und irgendwo sind Menschen.
Und irgendwo ist loslassen.
Und die Sonne scheint.
Weiter ist nichts.
Nichteinmal Vorwürfe.

Und du hast getanzt

Es war eine dieser Parties zu der Zeit
wo Parties nicht so glamourös sind wie wir denken
aber irgendwie Normalität und notwendig.
Wo und was es war habe ich vergessen.
Aber ich könnte deinen Körper beschreiben
und was du anhattest aber das ist unwichtig
und verblasst daneben wie du dich bewegtest.
Du schwangst wie die Töne der Musik.
Brachst zusammen mit jedem Break.
Ein seltsames heidnisches Gebet.
Alles auf angenehme Weise sinnentleert.
Und ja, ich war betrunken.
Und alles war vielleicht halb so magisch.
Aber es war gut und notwendig.

Leben in Büchern

Ich hatte zwar einige Freunde,
doch am besten verstanden mich immer noch die Bücher.
Und so lag ich auf Wiesen, Sofas und Betten herum
und unterhielt mich mit seltsamen Geschichtenerzählern.
War zuhause in New York, Helgoland und den 20er Jahren.
Ich glaube das machte mich seltsam.
Ich las und es wurde zu meiner Realität.
Ich verstand nicht das so viele Menschen
all das Leben aus den Büchern nicht sahen.
(Gut, vielleicht war in genug Büchern keins drin.)
Noch heute möchte ich Parties feiern wie in den Büchern.

Restalkohol

Jakob war froh den richtigen Moment gefunden zu haben. Sowas war wichtig bei Parties. Nicht zuviel Alkohol, aber auch nicht mehr ganz nüchtern. Jakob liebte diesen Zustand. Er liebte den Heimweg fast noch mehr als die eigentliche Party. Oft ging er auch lange Wege zu Fuß. Um schonmal nüchterner zu werden. Um seinen Gedanken nachzuhängen. Um den Moment zu genießen wo wirklich er den Gedanken nachhing, und nicht umgekehrt.

Es war eine gute Party gewesen. Aufregend genug um später genug Erinnerungen zu haben, aber auch nicht zu laut und anstrengend. Kein Mittelmaß, sondern die Mitte. Gute Freunde, aber nicht nur die alten Geschichten.“Tumultuös!“, dachte Jakob und musste über dieses Wort sehr lachen. Er merkte zwar, dass dieses Lachen sehr übertrieben war, aber es war ihm angenehm egal. Er kicherte noch eine Weile weiter.

Er hatte getrunken und rumgeknutscht. (Rumknutschen klang zwar nach einer Teenyparty in den 80ern, aber er fand trotzdem das dieser Begriff hier passte.) Vieleicht war deswegen sein Gang elastisch. (Wieder so ein Wort, er lachte noch mehr.) Er ging weiter. Was morgen kam, war egal. Er lebte.

Zuhause blieb ihm nur, sich hinzulegen. „Schade, das dieser Zustand immer so schnell vorbei ist.“, dachte er noch. Dann schlief er ein.