Die heilige Nutte

Das sind die Nächte in denen alles
möglich scheint.
Und du weißt das genau das
es furchtbar wäre.
Das sind die Nächte in denen
du weißt das du all die Bilder
in den Museen anschreien möchtest
und die 9. Symphonie so hören möchtest
wie Beethoven sie gehört hat.
Du fliegst mit Günderodes Luftschiff.
Stammelst kerouackisches Benzedringestammel.
Heulst Merzurlaute.
Du küsst kurz den blauen Jungen.
Dann verbrennst du schreiend
die Sonnenblumen von van Gogh
bevor Dr. Faustus dich ersticht.
Die Scham überlebt dich.
Das Lacrimosa.
Du verscherzt es dir mit allen.

Aus den dunklen Wäldern

1
Ich habe Verzweiflung gesehen und
die Explosionen hinter den Augenliedern,
Wälder gab es und Träume von Göttern,
Dämonen und Rechenaufgaben.

Es gab Rausch und Liebe und
Einsamkeit und manchmal sah
ich aus, als wäre ich 1000 Jahre alt.
Ich spreche mit mir selbst.

2
Jetzt suche ich in und außer mir
nach Antworten und Fragen.
Versuche mit Menschen zu reden
und ihnen zu helfen.

Versuche zu fühlen wie
viele Verschiedene ich bin.
Fühle die Frau und den Mann,
Den Körper und den Geisterbären.

3
Ich werde berühren und nicht
übersehen das die Gefährlichen
wieder mächtiger werden. Und
die Ungefährlichen beschützen.

Ich versuche sanft und stark zu
sein. Nicht einknicken, aber auch
nicht zerbrechen. Mich und die meinen
sehen und spüren und küssen.

Ich am 16.02.2014 um 21.42 Uhr

Meine Zähne

fallen auseinander und

ich trinke zuviel

und ich bin zu oft

zu geil und

ich mache zu

viele Fehler

und

ich bemerke nicht wenn ich

geliebt werde

(trotz allem)

und ich

bin wunderschön

und ich träume oft von

Schwänzen und

weiß nicht warum

und ich

bin nicht für

Askese geeignet

und ich fuhr als Kind

Kettcar

und ich

bin HEILIG

und

immer blödsinnig

geistesabwesend

und

bin gerne berauscht

und

erfüllt von Vernunft

(auch wenn man es nicht bemerkt)

Und bin verwirrt von

den 10 000 Dingen

und ich sehe

zuviel oder zuwenig.

Und ich schreibe all dies

an einem Thresen

um

mich zu beruhigen

und mich zu spüren.

Restalkohol

Jakob war froh den richtigen Moment gefunden zu haben. Sowas war wichtig bei Parties. Nicht zuviel Alkohol, aber auch nicht mehr ganz nüchtern. Jakob liebte diesen Zustand. Er liebte den Heimweg fast noch mehr als die eigentliche Party. Oft ging er auch lange Wege zu Fuß. Um schonmal nüchterner zu werden. Um seinen Gedanken nachzuhängen. Um den Moment zu genießen wo wirklich er den Gedanken nachhing, und nicht umgekehrt.

Es war eine gute Party gewesen. Aufregend genug um später genug Erinnerungen zu haben, aber auch nicht zu laut und anstrengend. Kein Mittelmaß, sondern die Mitte. Gute Freunde, aber nicht nur die alten Geschichten.“Tumultuös!“, dachte Jakob und musste über dieses Wort sehr lachen. Er merkte zwar, dass dieses Lachen sehr übertrieben war, aber es war ihm angenehm egal. Er kicherte noch eine Weile weiter.

Er hatte getrunken und rumgeknutscht. (Rumknutschen klang zwar nach einer Teenyparty in den 80ern, aber er fand trotzdem das dieser Begriff hier passte.) Vieleicht war deswegen sein Gang elastisch. (Wieder so ein Wort, er lachte noch mehr.) Er ging weiter. Was morgen kam, war egal. Er lebte.

Zuhause blieb ihm nur, sich hinzulegen. „Schade, das dieser Zustand immer so schnell vorbei ist.“, dachte er noch. Dann schlief er ein.