Rotwein/Nacht

Es ist Nacht und sie sitzen da. Engumschlungen reden sie und trinken. Im Hintergrund knistert eine Schallplatte Musik. Es ist Nacht und sie reden. Was sie reden ist eigentlich egal. Es kommt nicht darauf an. Sie sind traurig. Aber sie fühlen sich wohl. Lange haben sie getanzt. Bei sich zuhause. Alleine. Jetzt reden sie. Und trinken Rotwein. Sie berühren sich immer wieder. Spüren sich. Bald sind sie nackt. Jetzt trinken sie Rotwein. Hören Musik. Das ist alles was passiert. Heute. Morgen gehen sie aus und trinken die Gesellschaft von Menschen. Heute sitzen sie da, trinken Rotwein, sind atemlos und berühren sich. Später schlafen sie engumschlungen auf dem Fußboden ein.

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Jedesmal anders.

(Teil 4)

– Ja?
-Ich bins.
-Wo steckst du?
-In der Dunkelheit.
-Wie schlimm?
-Es wird gehen. Ich habe von dir geträumt.
-Warte, dazu muss ich mir eine Zigarette anzünden.
….
-Ok, weiter.
-Ich war im Traum in einer Landschaft am Mittelmeer.
-Griechenland?
-Wahrscheinlich. Unterbrich mich nicht.
-Ok, weiter.
-Ich sah mich dort um. Es war heiß und es roch nach Salbei. Und nach Thymian. Du hättest wahrscheinlich Homer zitiert..
-Ich habe noch nie Homer zitiert.
-Doch. Unterbrich mich nicht, mein Schwälbchen.
-Ok, weiter.
-Wir sahen aufs Wasser. Es war blau. So ein blödes Postkartenblau.
-Gab es Wind?
-Ich glaube nicht. Ich weiß nicht. Wir standen da. Du hattest ganz kurze Haare und diesen Glanz in den Augen den ich so mag. Ich hatte kurze grüne Haare.
-Grün? Hell oder dunkel.
-Eher dunkel. Wir standen da und sagten nicht.
-Hmm.Glaubst du der Traum bedeutet etwas?
-Jeder Traum bedeutet etwas. Nur nicht immer etwas entscheidenes. Können wir uns sehen?
-Wann und wo?
-In Griechenland?
-Ich fürchtete das du soetwas sagst.
-Wieso?
-Ich hab grad kein Geld.
-Ich kenn jemanden der nächste Woche eh in die Richtung fährt.
-Ich dachte es mir. (Lacht)
-Kommst du, mea Columba?
-Natürlich. Wirklich alles ok bei dir?
-Weiß noch nicht. Ich rufe meinen Freund an.
-Mach das. Schlaf ein bisschen, Löwin.
-Mach ich. Bis dann.
-Bis dann.

Reden

„Wer redet ist nicht tot“

(G.Benn)

Lass uns reden.
Reden über Steuern,
unsere Gefühle und
die Welt.
Lass uns reden.
Nicht viel sagen
dabei und einfach
rauchen.
Rauchen, trinken
und kalte Frikadellen
essen. Von Küssen
träumen. Nicht küssen.
Lass uns reden.
Briefe schreiben,
Theorien erdenken,
dann drüber lachen.
Lass uns dann
Gute Nacht sagen.
Nicht küssen.
Und morgen wiedersehen.