Die heilige Nutte

Das sind die Nächte in denen alles
möglich scheint.
Und du weißt das genau das
es furchtbar wäre.
Das sind die Nächte in denen
du weißt das du all die Bilder
in den Museen anschreien möchtest
und die 9. Symphonie so hören möchtest
wie Beethoven sie gehört hat.
Du fliegst mit Günderodes Luftschiff.
Stammelst kerouackisches Benzedringestammel.
Heulst Merzurlaute.
Du küsst kurz den blauen Jungen.
Dann verbrennst du schreiend
die Sonnenblumen von van Gogh
bevor Dr. Faustus dich ersticht.
Die Scham überlebt dich.
Das Lacrimosa.
Du verscherzt es dir mit allen.

Ehrlichkeit

Ehrlich schreiben über mich und die Welt.
Alles erwähnen. Auch die Besuche im Pornokino.
Alle Sexarbeiterinnen die ich besuchte.
Alle seltsamen Götter erwähnen an die ich glaube.
Der ganze Hass der in mir schwimmt.
All die Liebe die Katzen und Hunde für mich haben.
Jede Konklusion die ich aus jedem Buch gezogen habe.
Leben die ich gerettet und gestört habe.
Das Mitleid mit totgefahrenen Tauben. Manchmal.
Und das fehlende für Menschen. Manchmal.
All die Tode. All die Leben. All die Langeweile.
All die Masturbation. All die Stunden vor dem Fernseher.
All die Wege und Straßen und Autobahnen und Eisenbahnstunden.
All das tanzen und lesen und seltsame Gedichte schreiben.

Manifest

1. Pop war und ist auch immer ein Manifest. Nicht immer eins was man auch verstehen kann.
2. Dieser Text ergibt keinen Sinn. Aber das tut das Leben auch nicht.
3. Melancholie kann auch Spa̱ß machen.
4. „Sei immer blödsinnig geistesabwesend!“ (J.Kerouac)
5. Freundlichkeit ist wichtig.
6. Schreib auf was du zu sagen hast und sag was du schreiben willst.
7. Mach was du willst und denk dabei an andere.
8. So viele Bücher so wenig Zeit.
9. „Ich weiß es doch auch nicht.“ (Die Füxin)
10. Küsse und berühre!
11. Setze nicht zuviel Ausrufezeichen.
12.Genieße die Schönheit. Auch im Spiegel.
13.Rieche. Schmecke. Sei betrunken.
14. „Iß das Fleisch, das da ist! Spare nicht!“ (B.Brecht)
15. Traue niemanden der brüllt. Es sei denn er brüllt aus Schmerz.
16. Lies alles. Lass nichts aus.
17. Vertraue der Stille. Vertraue dem Nichts.
18. Tod der Lüge.
18. Hoch DADA. Hoch die Lettristische Internationale. Hoch dem Absurden. Hoch Bartelby. Hoch die Zartheit. Hoch dem Tod. Hoch die Höflichkeit. Hoch dem buddhistischem Lachen. Hoch der Depression. Hoch die Gefühle. Hoch du und ich. Hoch die Parkbank. Hoch die Sonne.

Tun

Erwachsen werden. Alt werden.
Angst haben. Kaffee kochen.
Leben leben. Mut herstellen.
Rotz ausschnupfen. Krankheiten heilen.
Frauen lecken. Musik hören.
Verrückt werden. Gewalt entfliehen.
Aufgefressen werden. Geschirr spülen.
Bücher lesen. Menschen retten.
Gedärme haben. Pickel ausdrücken.
Krebs wachsen lassen. Motten töten.
Gefühle töten. Tiere ausbluten lassen.
Geduld verlieren. Verstand verlieren.
Filme sehen. Binge Watching betreiben.
Überblick verlieren. Sich selbst verlieren.
Nerv töten. Gedichte dichten.
Musik schreiben. Freundschaft festigen.
Sich unterwerfen. Freiheit sehen.
Bluten. Rauchen. Trinken. Schreien.
Lieben. Hassen. Ficken. Verunglücken.

Nichts erwarten.
Darüber hinaus gehen.

Dichtung

Als er von Zuhause wegzog hatte er noch gedacht, er würde später mal Dichter werden. Er dachte wirklich „Dichter“ obwohl er wusste das es so etwas gar nicht mehr gab. Und obwohl seine ganzen Vorbilder Romane und Kurzgeschichten geschrieben hatten. Er hasste Figuren wie Rilke und George. Trotzdem schrieb er fast ausschließlich Gedichte.
Man hatte ihm beigebracht das er alles sein konnte was er wollte. Nun wollte er also Dichter werden. Mit aller Kraft. Und doch tat er nichts damit jemand anderes seine Gedichte las. Er schrieb jede Nacht. Arbeitete in einer Videothek. Trank viel. Schrieb weiter. Manchmal besuchte er Lesungen. Hörte zu. Vieles gefiel ihm. Obwohl es viel aggressiver war als das was er schrieb. Er feilte und feilte. Und zeigte weiterhin niemanden was er schrieb.
Die Gedichte zierten seine Wände. Er trank weiter. Zweifelte langsam. Aber schrieb weiter. Ob er besser wurde war nicht zu sagen. Aber er lebte für die Dichtung. Und schrieb weiter.

Neben dir

Ich möchte bei dir schlafen.
Und nichts weiter tun.
So einfach kann die Sache sein,
das ich mich fast nicht traue
sie hier hinzuschreiben.
Vielleicht wird es morgen
schon schwieriger, ja fast
jedes weitere Wort könnte es
ruinieren. Und doch sind es
die Worte mit denen ich dich
verführen kann. Manchmal
möchte ich eben nichts weiter
als das. Dich ansprechen.
Dich verführen. Dich verführen
hierher zu kommen. Damit ich
schweigen kann
und bei dir schlafen.