Dichtung

Als er von Zuhause wegzog hatte er noch gedacht, er würde später mal Dichter werden. Er dachte wirklich „Dichter“ obwohl er wusste das es so etwas gar nicht mehr gab. Und obwohl seine ganzen Vorbilder Romane und Kurzgeschichten geschrieben hatten. Er hasste Figuren wie Rilke und George. Trotzdem schrieb er fast ausschließlich Gedichte.
Man hatte ihm beigebracht das er alles sein konnte was er wollte. Nun wollte er also Dichter werden. Mit aller Kraft. Und doch tat er nichts damit jemand anderes seine Gedichte las. Er schrieb jede Nacht. Arbeitete in einer Videothek. Trank viel. Schrieb weiter. Manchmal besuchte er Lesungen. Hörte zu. Vieles gefiel ihm. Obwohl es viel aggressiver war als das was er schrieb. Er feilte und feilte. Und zeigte weiterhin niemanden was er schrieb.
Die Gedichte zierten seine Wände. Er trank weiter. Zweifelte langsam. Aber schrieb weiter. Ob er besser wurde war nicht zu sagen. Aber er lebte für die Dichtung. Und schrieb weiter.

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Neben dir

Ich möchte bei dir schlafen.
Und nichts weiter tun.
So einfach kann die Sache sein,
das ich mich fast nicht traue
sie hier hinzuschreiben.
Vielleicht wird es morgen
schon schwieriger, ja fast
jedes weitere Wort könnte es
ruinieren. Und doch sind es
die Worte mit denen ich dich
verführen kann. Manchmal
möchte ich eben nichts weiter
als das. Dich ansprechen.
Dich verführen. Dich verführen
hierher zu kommen. Damit ich
schweigen kann
und bei dir schlafen.