Mein Körper

Schaue auf diese Hand
all diese Adern, die
Farbschattierungen.
Meine Hand die mich
berührt, mich füttert,
die mich schlägt und
mich streichelt.

Im Spiegel mein Bauch,
groß und dick. Behaart
und manchmal mein
Ärgernis. Geliebt von
meiner Tochter und vielen
die gerne kuscheln.
Hemmnis bei so vielen Dingen.

Meine Augen. Oft angestrengt.
So viele Dinge gesehen.
So viele Seiten gelesen.
So viele Körper abgetastet.
Blau schauen sie auf mich
und versuchen dem ganzen
Körper gerecht zu werden.

Diesen Körper den ich noch
immer nicht verstehe. Der
Lust empfindet, einsam ist und
schmerzt. Der Hunger hat und
eines Tages sterben wird.
Alleine wie alle Körper.
Den ich lieben will.

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In den Tunnel

Ich stelle mich gegen mich
und ich stelle mich gegen euch,
während die U-Bahn unter die
Erde fährt und mir eure Augen
Angst machen und ich den Körper
der mir gegenüber sitzt begehre.
Blaue Haare und Augen.
Ich träume von Brüsten.
Männliche und weibliche.
Sie zu berühren soll Spass machen.
Ich weiß nicht mehr.
Noch soviel zu lernen, aber
das um mich herum ist schon zu
viel Information und nicht
in Gedanken zu fassen.
(Ich bleibe Fassungslos.)
Also warte ich bis ich
wieder ruhig sprechen kann.
Mit rede und gegenrede und
Verständnis.

Skizze

Und als er rausging bemerkte er das, was er vergessen wollte weil er Angst hatte: Da draußen gab es Menschen. Und ein paar davon war es nicht egal, dass er existierte. Das überforderte ihn und er machte sich bereit sich wieder zu verstecken. In seinem Versteck jedoch wartete wieder dieses Tier das ihn anknurrte. (Deswegen war er ja unter anderem rausgegangen.)
Er atmete durch und versuchte ein paar Worte anzubringen. Sie hörten sich seltsam an. Wie eine Fremdsprache, in der er noch nicht sicher war. Er versuchte in den Mienen der anderen zu lesen. Noch eine Sprache die er nicht verstand. Dazu versuchte er noch seine Mimik zu steuern. Auch das gelang nur halb. Er lernte und fühlte sich dabei wie ein zweijähriges Kind. Bei jedem Fehler zuckte er zusammen und war den Tränen nahe. Worte ließen sich nicht wieder zurücknehmen. Er stieß Menschen vor den Kopf. Manchmal glaubte er es auch nur. Musste dauernd nachfragen.
Sein Körper, seine Gefühle ergaben keinen Sinn. Er belegte seine Gefühle mit den falschen Worten.

Seltsam

Leben im eigenen All.
Eigene Sprache sprechen.
Leben nach eigenen Regeln.
Suchen nach anderen Aliens.

Regeln, die ich nicht kenne.
Träume, die andere nicht träumen.
Nein, ich bin nicht besser.
Ja, ich weiß.

Zusammenleben.
Kennenlernen.
Lieben.
Verstehen.

Ich spreche zu euch.
Versuche zu sprechen.
Das Leben ist seltsam.
Und ich bin es auch.

Selbstgespräch

Hallo Welt, wie geht es dir?
Mir gehts ganz gut.
Welt, es gibt da einiges was ich nicht verstehe.
Kann sein das ich naiv bin
Ich glaube an Götter und Bilder.
Ich war immer gerne betrunken.
Ich glaube das ich Körper mag, aber keinen Sex.
Welt, ich glaube ich verstehe mein Geschlecht nicht.
Ich würde gerne mehr lieben.
Da draußen, die Menschen, sind zu laut.
Aber ich schätze ich bin nicht besser.
Nur mir ist es zu viel.
Die Liebe und der Hass.
Das Rennen und was sie alle zu besprechen haben.
Ich weiß von alledem nichts.
Ich fühle mich nicht von dieser Welt.
Ich rühme mich nicht, es ist nur ein Gefühl.
Alles was ich hier beschreiben könnte wisst ihr eh schon.
Die Ungeduld die als Lebenshunger getarnt ist.
Das Geld. Mehr brauch ich nicht zu sagen.
Da draußen sterben Menschen.
Welt, ich kann es nicht ändern,
ich mag das nicht.
Ich bin jeden Tag jemand anderes.

Wohlstandsmüll

Blinzeln im fahlen
Licht nach der
Dunkelheit.
Unsichere Schritte
im Dickicht.

Kein Standpunkt
und kein Manifest
um klarzukommen.
Keine Verankerung
in einer Gesellschaft.

Schatten und
Geständnisse.
Form ohne
Inhalt.

Geschlechter-
und Gedankenwechsel.
Blick nach oben.
Und nach innen.
Verhaltene Magie.

Ich-Schwäche

„Wer sind wir..ich..du..nun eigentlich?“

Das fragte der 12jährige. Er ist ein ziemlicher Philosoph. Will auch ständig schlaue Bücher lesen, die er dann nicht versteht.

„Naja, ich glaube ihr seid ein Teil von mir. Also seid ihr..naja ich…also das was mich ausmacht.“ „Und warum spaltest du dich dann nochmal ab?“ „Irgendwer muss ja die Kontrolle haben.“

„Das ist jetzt aber nicht sehr neu und kreativ.“ Irgendein blöder Hipster mischte sich ein. Ich musste aber zugeben, das er recht hatte. Oder kommen ihnen diese Gedanken nicht auch bekannt vor? (Vom Ansprechen des Lesers will ich hier gar nicht reden. Postmoderne ist nicht mehr modern, Alter!)

„Und wer bist du nun?“ „Ihr alle. Plus X. Glaube ich.“ „Plus X?“ „Naja, das ist ein Ort, eine Person, die selbst ich nicht kenne..“ „Ganz schön kompliziert.“ „Ich weiß.“

Unordnung und eigenes Leid.

„Warum weint denn der?“, fragte der 6jährige. „Hmm, schwer zu erklären.“, stammelte ich.

Deprie saß in einer Ecke von mir, und weinte so leise, das man es überall hören konnte. „Hmm, der sagt auch nichts.“ Das war die 14jährige. „Tja“, seufzte ich. Ich fragte mich grad was ich tun soll. „Wie soll man dem dann helfen?“ „Ich weiß, mehr Bier!!“ „Quatsch!“ „Wieso denn nicht?“ „Weil es mitten am Tag ist.“ „Pff, ja und?“ „Seit doch mal still bitte!“ Ich weiß nicht genau wer da redete, aber sie machten mich nervös.

„Der ist aber häufig hier, in letzter Zeit.“ „Der nervt!“ „Ach Kleiner, der kann da auch nichts für.“ „Der nervt trotzdem. Und nenn mich nicht Kleiner..“ Der 6 Jährige mochte das nämlich nicht. Niedlich war auch so ein Wort.

„Hmm, Kiffen vieleicht?“ „Halt die Fresse, Drogie“ Eine Schlägerei entstand, die nur schwer zu beenden war.

Allmählich kam alles in Aufruhr, der 4Jährige fing an zu weinen. Er erträgt es nicht, wenn zuviel Streiterei ist.

Ich nahm ihn in den Arm, und wir warteten bis es vorbei war.

Selbstgespräche

Ich saß wieder mal da, und schaute fern. Noch etwas Zeit bis ich wieder Papa war.

Ich gähnte und der Dreijährige nölte. Ihn interessierte nicht was da lief, aber ich kann nicht immer sehen was er will. Er nölte natürlich trotzdem. Nicht so die 14jährige. Sie schwärmte für eine der Schauspielerinnen. (Sie schwärmt leicht mal.)

„Pschhhht“, zischelte sie. „Aber das ist langweilig“, nölte er, „Ich will Cosmo & Wanda sehen.“ „Aber wir kennen die Folge doch schon.“ „Aber das ist langweilig.“ Ich seufzte. (Innerlich natürlich.) „Cosmo & Wanda können wir mit der Prinzessin wieder sehen, ok?“ „Menno.“ „Pschhht.“ Das war natürlich die 14jährige. Sie saß da mit verträumten Augen. Ich mag das.

„HEE, LEUTE SAUFEN?“ -Der 18jährige, er brüllt dauernd. Ich hoffe er nimmt keine weiteren Drogen.-  „PSCHHHHT“, machen nun wir drei. „IHR SEID SOOO LAHM!“ „Entschuldigung, aber er ist zu jung, sie auch und ich muss mich gleich um ein Kind kümmern.“  Besoffen murmelnd zieht er ab. Ich glaube, er mag es nicht das ich jetzt Papa bin.

„Kann ich Süßigkeiten?“ „Erstens heißt es DARF ich Süßigkeiten und zweitens: Nein.“ „Erstens, du bist doof und zweitens: Menno.“ Jetzt macht er schon die Prinzessin nach… „Pscht“

Ich freu mich schon wenn die Prinzessin kommt, und ich mit jemanden vernünftig sprechen kann.