Dreck

Hab schon oft im Dreck gelegen.
Wenn ich mich auch oft nur als Tourist gefühlt habe.
War im Sommer voller Sand. Er trocknete auf mir.
Er färbte die Fleete schmutzig braun wenn ich vorüber ging.
Er bedeckte die Steinstrasse wenn ich durch sie schlich
und beschimpft und gut aufgenommen wurde mit meiner Scham.
Meinen Trieben folgte und meine Seele sah in Pornobildern.
Ich schlief darin und er lockte mich
wenn ich verzweifelt nach Hause wankte.
Er gehört auch zu mir.

 

Ich

Ich
Poet, Vater und Bär
lebe weiter und werfe mich lächelnd
und mit traurigen Augen dem Alter entgegen.
Knabenblütenträume sind nicht mehr vorhanden
und das ist auch nicht weiter schlimm.
Ich esse und trinke und schlafe
und manchmal bin ich betrunken.
Ich bestehe aus Blut, Gedärmen und Gedanken.
(Und manchmal bin ich angefüllt von Insekten.)
Ich sehe die Sonne, den Straßenstaub
und die Menschen dazwischen sich quälen.
Ich sehe die Schönheit der Menschen
und versuche keinen Unterschied zu machen.
Ich bin voller Lust und Phantasien
in denen ich dich an die Wand drücke und beherrsche.
(Wenn du es magst.)
(Und manchmal bin ich auch seltsam keusch.)
Oft bin ich blödsinnig geistesabwesend.
Ich bin heilig und du bist es auch.
Ich fühle auch mein weibliches Ich.
Und manchmal bin ich einsam in diesem Zimmer.
Ich sehe auf aus dem Fenster auf den Hinterhof.
Ich
Poet, Vater und Bär
lebe weiter und werfe mich lächelnd
und mit traurigen Augen dem Alter entgegen.

Hilfe

Ich möchte in dich
hineinkriechen.
Dich bewohnen. Dein
Körper bietet mir Schutz,
wo ich schutzlos bin.
Nimm mich in dich auf.
Manchmal sind wir eben
nicht auf einer Ebene.
Und doch sehen wir uns
in die Augen ohne uns zu
strecken oder zu bücken.
Da draußen tut alles weh.
Mein Körper mag mich nicht.
Leih mir deinen… Nein!
Zeig mir meinen mit deinen
Händen, Augen und deinem Mund.
Hör mir zu. Ich weiß nämlich
wieder mal nicht was ich sagen soll.

Verrückte Gedanken

Glaub ja nicht das ich mich wichtig machen will. Dafür dauert es zu lange. Ich weiß das es so nicht funktioniert. Im Gegenteil. Glaub ja nicht das ich denke es sei glamourös. Das ist es nicht! Niemals. Es ist langweilig. Herzergreifend, magenzerstörend, hirnerweichend langweilig. Ich fühle das nicht zum spass. Ja, ich würde auch gerne damit aufhören. Denn es nervt mich so zu sein. Und oft gelingt es mir auch schon. Dann räume ich auf. Und finde es seltsam befriedigend.

Ja, ich rede immer noch davon. Weil es immer noch da ist. Weil es mir nicht hilft rauszugehen. Einfach „fröhlich“ zu sein. Wisst ihr was? Diese Sprache hat dazu geführt das ich fröhlich sein gehasst habe. Das ich es gehasst habe zu lächeln. Manchmal tue ich es heute noch. Aber darum geht es nicht.

Nein, ich bin kein Opfer. Darum geht es nicht. Ich hab viel Glück gehabt. Immer. Es ist nicht so das ich viele Menschen kenne die mir solche Sätze sagen. Aber es ist da draußen. Es wird wieder viel davon geredet das man „normal“ sein soll. Das die „Normalen“ ja nicht mehr normal sein dürfen. Baby, du darfst meinetwegen sein wie du möchtest. Ich brauch das alles nicht. Ich könnte mich auch verstecken. Gespräche führen die mich nicht interessieren. Aber ich bin lieber so wie ich bin. Nichts besonderes. Aber mit anderen Spielregeln und anderen Interessen als andere.

Mein Körper

Schaue auf diese Hand
all diese Adern, die
Farbschattierungen.
Meine Hand die mich
berührt, mich füttert,
die mich schlägt und
mich streichelt.

Im Spiegel mein Bauch,
groß und dick. Behaart
und manchmal mein
Ärgernis. Geliebt von
meiner Tochter und vielen
die gerne kuscheln.
Hemmnis bei so vielen Dingen.

Meine Augen. Oft angestrengt.
So viele Dinge gesehen.
So viele Seiten gelesen.
So viele Körper abgetastet.
Blau schauen sie auf mich
und versuchen dem ganzen
Körper gerecht zu werden.

Diesen Körper den ich noch
immer nicht verstehe. Der
Lust empfindet, einsam ist und
schmerzt. Der Hunger hat und
eines Tages sterben wird.
Alleine wie alle Körper.
Den ich lieben will.

Meltdown.

Der Moment wenn man nach Hause kommt. Man weiß, niemand ist da. Alle Geräusche, alle Gerüche, alle Farben, alle Gespräche, alles weg. Man atmet auf. Nichts ist mehr zuviel. Alles berechenbar. Nur noch Geräusche die man haben möchte. Keine Menschen da.(Menschen nutzen dich ab.) Nur noch Stille und eigene Gedanken. Man muss nicht mehr durchdrehen. Alles ist gut. Man hat nicht mehr das Gefühl verrückt zu werden. Nicht mehr das Gefühl ausgesaugt zu werden von all diesen Menschen. All diesen Eindrücken.

Da sind nur noch die Bücher. Die Worte in denen man sicher ist. Mit ihnen kann man sogar streiten. (Mit Menschen nicht.) All die Geschichten die man versteht. (Die Gesichter nicht.)

All das zuviel weswegen man nichts fertig bekommt. Man kämpft zuweilen mit der Konzentration. Die Gedanken werden kürzer. Man bekommt Angst nicht mehr denken zu können. (Dabei denkt man nur langsamer. Nicht schlechter.)

Viel mehr Intuition einsetzen. Das vor sich selber rechtfertigen. (So wie man alles vor sich rechtfertigt.) Für logisch gehalten werden. Sich für einen Schwindler halten. Nicht mit denen auskommen, die angeblich „aus dem Bauch heraus“ entscheiden. Wieder mit seinen eigenen Worten streiten.

Viel Rückzug brauchen. Andere um Entschuldigung bitten wollen dafür.

Ein paar Fragen

Da draußen ist all der Lärm, da sind die Menschen. Da ist alles was ich fürchte. Da draußen sind aber auch Menschen die ich brauche und an die ich nicht herankomme. Ich spreche gar nicht oder eine andere Sprache. Nur im Geschriebenen fühle ich mich wirklich wohl.
Oft spürte ich die Anforderungen. Bin ich doch nicht dumm. Nichts ist aus mir geworden. (Alles hätte ich werden können.) Macht es was aus das ich eine Krankheit habe? Eine mittelgradige? Eine die Niemand sieht. Auch ich nicht. Nicht mal nach stundenlangen in den Spiegel schauen? Nein, mir gehts gut. Das ist es was ich bin. Ich will nur nicht versinken. Ich soll aufhören nach mir zu suchen. Vielleicht ist da gar nichts. Und trotzdem: Wer bin ich? Ich verstehe ja auch nicht was daran so wichtig ist. Und was mich trennt. Was und wo die Mauer ist.
Ich bin:
melancholisch
lyrisch
zynisch
schwierig
selbstanklagend
ein guter Zuhörer
ein kluger Kopf
ein fühlend Herz
Nicht festgelegt.

Was will ich mehr? Warum stecke ich noch in meiner Pubertät? Wo hakt es, das ich immer die selben Fragen stelle? Warum überschätze ich Dinge die kein Problem sein sollten? Warum ermüdet mich das da draußen so? Wo ist diese Realität?
Wo ist diese Haut? Warum fühle ich diesen Sex nicht? Liebe nicht? Sehe nicht was Menschen von mir wollen? Gerate ich in Panik wenn mich jemand anlächelt?
Ist das noch meine Depression? Oder etwas anderes? Warum denke ich das da noch etwas ist? Weil es da bei jedem etwas ist?

Die Liebenden

Sie lagen zusammen im Bett
und versuchten das natürlich
zu finden. Und es war ja auch
nichts dabei so zu liegen.
Sie lagen nebeneinander und
sahen sich nicht an. Nur ihre
Hände berührten sich sacht.
Sie fühlten sich wie Figuren.
Ihre Haut atmete tief und
ihre Seelen auch und sie
konnten es nicht verstehen.
Aber sie lagen nebeneinander.
Es war keine Himmelsmacht die
sie aneinander band. Keine
Geigen und kein Schicksal gab es.
Nur die Berührung. Da auf dem Bett.
Es war ganz natürlich so zu liegen.
Der Moment würde vorbeigehen.
Die Hände berührten sich.
Sie schauten an die Decke und schwiegen.