Die Sonne geht auf

Einer dieser sonnigen, genügsamen Morgen
an denen du merkst: Das Leben geht weiter.
Du machst nichts besonderes.
Vielleicht isst du ein billiges Wurstbrot.
Vielleicht räumst du auf. Vielleicht nicht.
Du erinnerst dich daran wie du gelebt hast.
Und das dieses Leben im Regen steckte.
Im frieren und arbeiten und im gehen.
Vielleicht bist du nichts besonderes.
Aber das ist manchmal eine Befreiung.
Du isst ein weiteres Brot. Trinkst Orangensaft.
Und schaust was noch passieren kann.

Juleiende

Die Wärme steht auf dem Höhepunkt.
Das Leben wuchert und spielt Stärke.
Die Sonne steht am Himmel.
Die Menschen sitzen draußen.
Körper ziehen sich an.
Die Geister lachen und
das Leben scheint leicht.
Das Gewitter wartet schon.
Manchmal riechen die Strassen
nach Verfall und Tod.
Der Schweiß erzählt seine Geschichte
von Bakterien und Untergang.
Alles im Taumel und Raserei.
Bald stirbt das alles.

Jedesmal anders.

(Teil 2)

Hallo meine Krähe,
Ich befinde mich in den 20er Jahren. Oder so ähnlich. Eigentlich weiß ich nicht genau wo ich bin. Ich habe die letzten 2 Wochen diesen Menschen gemalt. Ihr würdet euch gut verstehen. Obwohl er dieses Stärkeding fährt was du so verabscheust. Aber eigentlich bist du nicht anders. (Ja, ich höre schon auf.)
Es war herrlich ihn zu beobachten. Seine Schultern. Seine Brust. (Wie gesagt, du hättest ihn gemocht. Auch wenn du es nie gesagt hättest.) Ich hab ganz professionell getan, aber ich glaube das er mich durchschaut hat. Er hat aber nichts gesagt.
Draußen ist überall Staub. Und überall Schmutz. Die Sonne scheint jeden Tag. Ich trinke zuviel und rauche zuviel. Bald werde ich weiterziehen.
Triffst du dich noch mit ihr? Ich sehe euch förmlich in ihrer kleinen Höhle. Wie ihr euch Geschichten erzählt und euch stundenlang über ein Wort streitet. Sei gut zu ihr, sie hat es verdient. (Und bei „Sinn machen“ hat sie recht, du alter Taoist!) Gestern hab ich eine vollkommen rote Katze gesehen. Zu allem Überfluss hatte sie sogar rote Augen. Sie nickte mir zu. Und die Krähen haben nach dir gefragt.
Ich wünsche mir Regen.
Katharina.