Fieberträume

Verhaftet und ausgefragt.
Nur unterbrochen vom Aufwachen.
Verhaftet und ausgefragt.
Tausend Bilder angesehen.
Nicht gejagt, schon erwischt.
Der Körper schwitzt und kämpft.
Wo bin ich?
Verhaftet und ausgefragt.
Kämpfen gegen die Bakterien in mir.
Der Welt abhanden kommen.
Nicht gejagt, schon erwischt.
Nur unterbrochen vom Aufwachen.
Verhaftet und ausgefragt.

Amoktraum

Ihm träumte.
Er träumte von Amok.
Schüsse fielen aus einem
Auto das eine verängstigte
Fahrerin fuhr. Menschen
fielen um und starben im
dunklem Park.
Gespräche wurden geführt
und auch der Amokläufer
weinte.

Ihm träumte.
Nachdem er in der Nacht nicht schlief,
verschlief er den Tag.
Er erschrak über seinem Menschenhass
und ging Bluesmusik hören.
Unerkannt.

Jedesmal anders.

(Teil 4)

– Ja?
-Ich bins.
-Wo steckst du?
-In der Dunkelheit.
-Wie schlimm?
-Es wird gehen. Ich habe von dir geträumt.
-Warte, dazu muss ich mir eine Zigarette anzünden.
….
-Ok, weiter.
-Ich war im Traum in einer Landschaft am Mittelmeer.
-Griechenland?
-Wahrscheinlich. Unterbrich mich nicht.
-Ok, weiter.
-Ich sah mich dort um. Es war heiß und es roch nach Salbei. Und nach Thymian. Du hättest wahrscheinlich Homer zitiert..
-Ich habe noch nie Homer zitiert.
-Doch. Unterbrich mich nicht, mein Schwälbchen.
-Ok, weiter.
-Wir sahen aufs Wasser. Es war blau. So ein blödes Postkartenblau.
-Gab es Wind?
-Ich glaube nicht. Ich weiß nicht. Wir standen da. Du hattest ganz kurze Haare und diesen Glanz in den Augen den ich so mag. Ich hatte kurze grüne Haare.
-Grün? Hell oder dunkel.
-Eher dunkel. Wir standen da und sagten nicht.
-Hmm.Glaubst du der Traum bedeutet etwas?
-Jeder Traum bedeutet etwas. Nur nicht immer etwas entscheidenes. Können wir uns sehen?
-Wann und wo?
-In Griechenland?
-Ich fürchtete das du soetwas sagst.
-Wieso?
-Ich hab grad kein Geld.
-Ich kenn jemanden der nächste Woche eh in die Richtung fährt.
-Ich dachte es mir. (Lacht)
-Kommst du, mea Columba?
-Natürlich. Wirklich alles ok bei dir?
-Weiß noch nicht. Ich rufe meinen Freund an.
-Mach das. Schlaf ein bisschen, Löwin.
-Mach ich. Bis dann.
-Bis dann.

Du & Ich

Lass uns nicht verlieren.
Reden wir Unsinn und
erinnern uns. Bis die
Sterne verschwinden.

Lass uns nicht vergessen
woraus wir bestehen.
Aus Blut und Schweiß
und Muskeln und Fleisch.

Lass uns unseren Kopf
behalten. Das Leben
ist ein Rätsel und es ist
dunkel da draußen.

Lass uns ängstlich sein
und einander vertrauen.
Wir kennen die Menschen.
Und was sie tun.

Lass mich deinen Körper
spüren. Warm und blass.
Erzähle mir wie es
weitergehen soll.

Wachtraum

4.42 Uhr auf einer weißen Matratze mitten in einer kleinen Wohnung. Er liegt zwischen Traum und Wachen. Wachträume und Schlafträume gehen ineinander über. In seinem Blut zirkulieren verschiedene Substanzen. Er bewegt sich nicht.
Er sieht Bilder. Riecht, schmeckt und fühlt Dinge die nicht in diesem Zimmer sind. Seine Gedanken streifen Körper. Sehen geliebte und begehrte Menschen. Männer und Frauen. Sie lächeln ihm zu. Seine Brust hebt und senkt sich. Es tut weh. Er fühlt ihre Wangen, Schenkel, Hintern. Schmeckt das leicht salzige am Hals einer durchtanzten Nacht. Er spricht und schweigt. Auf einmal kann er die Sprache der Augen. Nimmt alles auf.
Er fühlt Liebe und pure Geilheit. Sanfte Freundschaft und den Hass der aneinander treibt. Prügelt sich hemmungslos. Saugt das Blut von den Lippen. Verletzt und wird verletzt. Befiehlt und gehorcht. Er vertraut sich und den anderen. Noch immer bewegt er sich nicht.

Es regnet

Gregor trat in die kalte Herbstluft. Es war noch früh. Sozusagen. Aber er fühlte sich nicht wohl da drinnen. Zwischen den Menschen, die doch irgendwie seine Freunde waren. Er steckte sich eine Zigarette an, schmiss sie aber gleich wieder weg, weil ihm schlecht wurde. Es fing an zu regnen.

Gregor mochte den Regen. Hatte ihn immer gemocht. Vieleicht weil ihm immer zu warm war. Der Regen erfrischte ihn. Gregor ging langsam ,dachte nach und wurde immer feuchter. Er sah auf den Boden um die Menschen um ihn herum nicht sehen zu müssen und seine Gedanken besser zu hören. Da fiel Gregor eine Frau auf. Sie war schick angezogen und kenntnisreich geschminkt. Er fragte sich ob sie die Schminke als Schutz trug. Obwohl sie lange Ärmel trug, fielem ihm, als sie sich kratzte, Verbände auf. Er verstand und schloss seine Augen.

„Kann ich ihnen helfen?“, hörte er sich sagen. Sie schüttelte den Kopf. Trotzdem kamen sie ins Gespräch. Beide hatten viele Gemeinsamkeiten. Er ging mit ihr nach Hause. Sie sprachen viel. Über Goethe und Hölderlin. Über Punk und Kunst. Er fragte sie ob er wiederkommen durfte. Sie schüttelte ihren Kopf, aber kurze Zeit später klingelte sie bei ihm. Diesmal sprachen sie über Gefühle. Sie merkten das sie sich ähnelten. So blieben sie zusammen. Er verband sie ab und an, sie hielt ihn in den Armen. Manchmal schlugen oder würgten sie sich. Manchmal hatten sie wütenden, verzweifelten Sex. Oft taten sie sich auch gut. Sie wussten wie es ist.

In Wirklichkeit ging er einfach weiter. Sie war bestimmt nicht alleine. Wartete hier auf Jemanden. Sie würden sich eben nicht gut tun. Er war nicht stark genug. Aber es war etwas dran. Er wusste nur nicht was er mit dieser Ansprache machen sollte. Er schüttelte seinen Kopf, und überlegte ob er noch ein Bier trinken sollte.

Lena und Linus

Lena&Linus(III)Lana und Linus lernten sich in einem Kaufhaus kennen. Sie rannten in einander. Später erzählten sie gerne diese Geschichte. Es war keine außergewöhnliche Geschichte, aber es war ihre. Es erklang keine kitschige Musik, als sie sich in die Augen schauten. (Nur ein Vater der neben ihnen stand, brachte seine Tochter zu lachen in dem er den kleinen blauen Elefanten nachmachte, aber das hörten sie nicht.) Er lud sie auf diesen Schreck zu einem Kaffee ein. Er trank einen Cappuchino, sie einen Espresso. Sie kannte sich sehr gut aus mit Espresso, was ihn aus irgendeinem Grunde beeindrukte. Er mochte ihre Augen wenn sie von den verschiedenen Sorten sprach und von einem kleinen Cafee in einer kleinen italienischen Stadt in der sie gewesen war. Sie liebte dieses Land. Er war noch nie da gewesen und fühlte sich im Süden auch nicht wohl, aber er mochte es wie sie davon erzählte. So hörte er genau zu. Am Ende fragte er sie nach ihrer Telefonnummer. Sie überlegte sich kurz, ob sie ihm eine falsche Nummer geben sollte – sie war gerade verlassen worden – aber als sie sein Lächeln sah, gab sie ihm die richtige.

Er rief sie an und sie trafen sich bei einem Italiener, den sie ausgesucht hatte. Sie teilten die Rechnung. Das hatte sie vorgeschlagen und er hatte nichts dagegen. Draußen gingen sie spazieren und obwohl es Sommer war fror sie. Er gab ihr seine Jacke. Sie sprachen über Bücher die sie gelesen hatten. Stritten sich über Kafka, den sie brilliant fand. Er lachte bei dem Wort „brilliant“, was ihm einen Knuff einbrachte. An der Tür küssten sie sich. Wieder keine Musik. Aber sie kamen überein, das sie sich mochten. So verging die Zeit.

Sie trafen sich nun immer häufiger. Meißt direkt nach der Arbeit, oder am Wochenende. Sie tranken Bier, oder gingen essen. Ihm gefielen die meisten ihrer Freundinnen und Freunde nicht. Ihr ging es mit seinen auch nicht anders, also trafen sie sich fast nur alleine mit ihnen. Manchmal saß einer von ihnen alleine zu Hause und lasen oder sahen fern. Sie schrieben sich SMS, in denen stand das sie sich liebten. Sie glaubten das auch, und es fühlte sich gut an nicht alleine zu sein. Oder sich zumindest nicht so zu fühlen.

Als sie ca. drei Wochen zusammen waren, hatten sie das erste mal Sex miteinander. Sie übernahm die Initiative. Küsste ihn. Nahm seine Hand und legte sie auf ihre linke Brust. Er verstand. Küsste ihren Hals und sah ihr in die Augen als sie aufstöhnte. Sie waren beide nicht unerfahren und es gefiel ihnen. Ihre Körper harmonierten. Er versuchte, sie zuerst kommen zu lassen. Es gelang ihm. Danach lagen sie nebeneinander und schwiegen. Es war kein unangenehmes Schweigen. So verging die Zeit.

Manchmal versuchten sie sich Geheimnisse zu erzählen. Aber es gab nicht wirklich welche. Also erzählten sie sich kleine Geschichten aus ihren Kindheiten. Geschichten ohne besondere Pointe, die sich um Schulerlebnisse und Ferien drehten. Er war mit seinen Eltern fast immer am Meer gewesen. Sie in den Bergen. Sie verglichen beides, und lachten darüber, dass sie sich fast stritten. Dann küssten sie sich. So verging die Zeit.

Manchmal empfahl sie ihm Bücher die sie gelesen hatte, aber er mochte es nicht wenn ihm jemand etwas empfahl. Er konnte die Bücher dann nicht mehr lesen. Sie hatte kein Verständnis für diese Eigenart. Sie empfand sie als arrogant. War beleidigt. Er versuchte sie zu verstehen. Entschuldigte sich, aber im Grunde seines Herzens war es ihm egal. Er verstand was sie daran ärgerte, aber auch das war ihm egal. Manchmal erschreckte ihn das. Er überlegte ob sie sich trennen sollten, aber als er soetwas andeutete, lachte sie nur. Also blieben sie zusammen.

Sie zogen zusammen. Nach einer angemessenen Zeit. Er zog zu ihr. Schmiss einigen Kram weg, den er sowieso weggeschmissen hätte. Sie hatte den besseren Geschmack in solchen Dingen. Das gab er ehrlich, aber schulterzuckend zu. Sie verzichteten auf eine Einweihungsfeier, weil sie sich nicht einigen konnten wen sie einladen sollten. In den ersten Monaten war es seltsam. Sie mussten sich erst zusammenraufen. Sie entwickelten kleine Rituale. Wer auf welcher Seite schlief. Wo was im Kühlschrank lag. Was sie einkauften. Sie hasste seine rote Beete. Er ihren vegetarischen Brotaufstrich. Kein Grund sich zu trennen. So verging die Zeit.

Sie kauften ein. Essen, Kleidung. Sie kochten zusammen. Waren nicht gut darin, aber es schmeckte ihnen. Sie überlegten ob sie sich ein gemeinsames Hobby zulegen sollten. Es fiel ihnen nichts ein. Sie hassten Hobbys. Hatten beide nie eins gehabt. Lieber gingen sie ins Kino oder sahen DVD. Sie hätte gerne über Anschlußfehler geredet, aber er hatte sie deswegen einmal angeschrien. Deswegen unterließ sie es.

Sie fingen an sich über Kleinigkeiten zu streiten. Nannten sich gegenseitig Langweilig. Konnten sich nicht mehr auf Filme einigen. Oder was sie essen wollen. Kleinigkeiten eben. Sie wurden laut. Sie vertugen sich wieder. Manchmal hatten sie Versöhnungssex. Der gefiel ihnen sogar irgendwie. Das Adrenalin kochte in ihrem Blut und für wenige Minuten vergaßen sie ihr Leben.

Dann wieder lagen sie nachts wach. Grübelten und ärgerten sich das sie so sehr ein Klischee nachspielten. Er dachte oft an Züge. Einfach weg sein. Weggehen. Zigaretten holen. Wieder ein Klischee. War man nicht zusammen um nicht mehr einsam zu sein? Sie weinte manchmal lautlos. Dachte an ihre erste große Liebe, die sie nie mehr wiedergesehen hatte. Wie leicht war doch das Zusammenleben mit einer Erinnerung! Nein, Hass war da nicht. Sie mochten sich immer noch. Aber etwas fehlte. Liebe vielleicht? Hochzeit? Ein Kind?

Sie hatten nie große Träume gehabt. Das Leben plätscherte so dahin und das war auch gut so.

Als sie eines Tages auszog, war es nicht wegen eines Streites. Sie verklagten sich nicht. Blieben Freunde. Trafen andere. Das was war, war vorbei. Sie lebten weiter. So verging die Zeit.