U-Bahn Terzinen

Wenig Zeit bis der Tag
zu ende ist der kaum
begonnen hat.

Nicht viel von euch
Menschen mitbekommen,
nicht viel gesehen.

Nur manchmal schiebt
sich ein Mensch vor die
Pupille. Oberflächenreiz.

Bis man Lust bekommt das
alles zu sehen und es näher
zu beschreiben.

Den Körper zu bedichten
den man nicht kennt und
der schon verschwunden ist.

Die weichen Augen, die
muskulösen Arme, die Lippen
die Küsse erscheinen lassen.

Dann wieder: Ein Lachen das
auf andere Reisen schickt.
Anderes Muster. Anderes Begehren.

Und sich keine Tabus auferlegen.
Jedes Geschlecht hat seinen Reiz.
Jedes Körperteil.

Nur Angst machen will ich nicht.
Höflich bleiben.
Verbeuge mich innerlich.

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Alltägliche Begegnung

Er stieg in die U-Bah ein und stand ihr gegenüber. Es war abends und er war erschöpft. Nicht sehr aber doch. Er sah sie und sie lächelte. Sie lächelte so sehr das er sich umdrehen musste. Aber auch er musste lächeln.

Er sah sie an. Flüchtig. Respektvoll. Alles was sie trug stand ihr. Die Farben, die Form. Sie war dezent aber leicht Bohemehaft gekleidet. Nichts hing herunter. Sie TRUG die Kleidung. Er sah an sich herunter. Seine Kleidung war nicht dreckig, aber leicht schlampig. Unordentlich. Durcheinander. So wie Kleidung bei ihm immer aussah. Für einen kleinen Moment wackelte sein Selbstbewusstsein. Für eine Millisekunde fühlte er sich hässlich. Das ging vorbei. Mittlerweile konnte er gut mit diesem Gefühl umgehen. Aber es war da. Er sah aus dem Fenster.

Er musste lächeln. Genauso schnell wie das Gefühl der Unsicherheit gekommen und gegangen war, malte ihm sein Kopf eine ganze Geschichte auf. Kennenlernen, Wiedersehen, Kaffee trinken, Körper entdecken, lachen, Frühstück im Bett, Streitereien, Versöhnungen. Das ging fast schneller als er es bemerken konnte. Früher hatte er sich geschämt. Besonders über die kleinen, lustvollen Szenen. Aber er hatte das Gefühl das es Ok war.

Zwei Stationen vor seiner stieg sie aus. Bedauerte er es? Nein. War etwas gewesen? Nein. Fast nichts. Vielleicht hätte er sie wirklich ansprechen können. Vielleicht hatte sie wirklich wegen ihm gelächelt. Aber es war nicht wichtig. Der Moment hatte ihm auch so gefallen. Er hatte Grund zum lächeln. Morgen hatte er es wahrscheinlich schon vergessen. Dann musste er aussteigen.