Am Morgen

Hell ziehen neue Gedanken auf.
Sehe ich in den Spiegel, sehe ich
keine Verzweiflung mehr.
Ruhig atme ich die Stadtluft.
Mein Körper erwartet das Essen.
Lächelnd erwarte ich den Herbst.

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Ganz alleine in Zeit und Raum

Als S. nach einem seltsamen, nur wenig erholsamen Schlaf aufwachte, war es 12.39 Uhr. Aber das war ihm egal. Egal, denn erstens bekam S. nie genug Schlaf  zur Zeit und zweitens lebte er in seiner eigenen Zeit. S. hatte keine Kraft. Er kam nicht voran. Nicht im Raum, und nicht in der Zeit. Manchmal, wenn er die Strasse zu seiner Wohnung entlang ging, war es als ob die Strasse immer länger werden würde. Sein Körper fühlte sich an, als ob er sich immer langsamer bewegen würde. Von außen war das nicht zu sehen. Von außen war es einfach zu sagen: „Das ist nicht wahr! Du bist so schnell wie vorher.“ S. wusste das. Er wusste das die Entfernung sich verringerte. Er wusste das er nicht langsamer wurde. Er fühlte etwas anderes.

S. hätte gerne geduscht. Aber es ging nicht. Er war zu schwach dafür. Vielleicht zu dumm. Dummheit. Auch so etwas. S. stolperte über Worte. Über Bilder. Das brauchte seine ganze Geschicklichkeit. Für die Realität, dem „Alltag“ blieb nichts übrig. S. hasste das Konstrukt was er „Alltag“ nannte mit ganzer Seele. Er hatte es in den Anzügen der Menschen gesehen. In den Verrichtungen. In der Hausarbeit. Er wusste natürlich, das diese Arbeiten dazu führten, seine Wohnung sauber zu halten. Das nur sie dazu führten das er etwas aß. Etwas anderes als das Imbissessen das er meist zu sich nahm. Wenn er Geld hatte. Meist ernährte er sich von Brot mit Butter. Wenn er überhaupt etwas aß. Manchmal schwankte er schon. Gerade kämpfte er aber noch damit sich anzuziehen. Jede Arbeit die er erledigen musste, teilte er in so viele kleine Schritte auf das sich alles nach einer riesigen Menge Arbeit anfühlte. Er konnte es nicht. Nicht heute.

S. zog sich an. Denn raus musste er. Auch wenn es ihm gar nicht gefiel. Da waren Menschen. Da waren Blicke. Körper die ihn anzogen und abstießen. Nein, die Gedanken, die Gefühle, die Lüste waren es die ihn abstießen. Er wollte das nicht. Und wenn es noch so „normal“ war.Die Menschen hasteten um ihn herum. Da war wieder diese andere Zeit die S. so hasste. Nach der er sich sehnte. S. wusste es nicht. Heute würde er wieder in die Bibliothek gehen. Wie fast jeden Tag. Sie war voll von Büchern. Hier war er sicher. S. hätte es nie so ausgedrückt. Das war zu simpel. Wenn er es aussprach, oder auch nur aktiv dachte, wurde es irgendwie schal. Falsch. Dann musste er von vorne anfangen mit dem Denken. Dabei kam dann fast immer genau das gleiche raus. Wortwörtlich. So ging es mit vielen Gedanken. S. verließ die Wohnung, die vollgemüllt war. Es war ein sonniger Tag.

S. kam es so vor, als wären alle Menschen zufrieden, ja glücklich. Er ekelte sich davor zufrieden zu sein. Gleichzeitig wünschte er sich nichts mehr als das. Glücklich sein. Zufriedenheit. Er stellte sich vor, wie er so lange kotzte bis er endlich leer war. Rein. Diese Gedanken kamen ihm unsagbar albern vor. Er hatte sich in seiner Kindheit viel übergeben. Er wusste das es nicht befreiend war. Trotzdem dachte er viel daran. Er fühlte eine Art Befriedigung dabei. So, als wären diese Gedanken das einzig wahre und echte. Er kam nicht an ein Ende. S. stieg in die U-Bahn.

S. versuchte niemanden direkt anzusehen. Versuchte sich so zu stellen das niemand zu nah an ihn ran kam. Das war natürlich nicht zu machen, da die U-Bahn zu voll dafür war. Er stellte sich die ganze Zeit vor, wie er anfing zu schreien. Lange. Laut. Unkontrollierbar. Er tat es nicht. Nur einmal öffnete er den Mund als ob er schrie. Sehr weit. In seinem Kopf dröhnte der Schrei. Niemand sah was S. da tat. Es war auch nicht sehr auffällig. Er schloss seinen Mund wieder.

Die U-Bahn erreichte seinen Zielbahnhof. Die Menschen waren ihm im Weg, es ging zu langsam. Er wollte da weg. Er ging weiter. Bald kam er in der Bibliothek an. Er las. Wechselte oft das Buch. Er konnte sich nicht konzentrieren. Er war eher hier, weil ihn die Umgebung beruhigte. Damit er ein wenig Ruhe fand. Manchmal versuchte er hier den Punkt zu finden an dem alles begonnen hatte. Wo er falsch abgebogen war. Es war, als ob er sich nur eine Weile hingelegt hatte und nun nicht mehr aufstehen wollte. Seit Jahren.

Es war 18.42 Uhr. Bald würde es Abend werden. Er hatte noch viel Zeit bis er wieder schlafen konnte.

Pathos!

„Ich wäre auch gerne Weise“
(B.Brecht/An die Nachgeborenen)

Ich gebe zu, ich folge immer noch manchmal einem falschen Pathos. Ich würde gerne sagen, das mir sowas nicht mehr passiert. Aber ich weiß, das ist eine Illusion. Ich werde es wieder tun. Mich schlechter machen als ich bin, nur um mich zu erhöhen. Es ist lächerlich, ich weiß.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin ein Romantiker. Nicht einer von denen die die „gute alte Zeit“ loben; die es ja doch nie gegeben hat. Keiner von denen, die davon träumen das nur noch die Gefühle regieren. Das ist blödsinniger „Kleiner Prinz“ Unsinn. Sehen tut man mit den Augen. Man denkt mit dem Verstand. Und die Gefühle liegen in dem gleichen Gehirn, in dem auch der Verstand liegt. Das  sich Vertsand und Gefühl zuweilen streiten liegt nur daran, das alles andere Stillstand bedeuten würde. Man braucht beides. Jane Austen wusste das. ( Ich werde es zuweilen noch vergessen.)

Ja, ich sehne mich nach Nähe. Gleichzeitig fürchte ich sie. (Und hab ich nicht mit beidem recht?) Ich bin ein Hochstapler, wie jeder. Ich trickse. Und ich gehöre nicht dazu. Und doch bin ich in den Gehirnen von einigen von euch. Und es fühlt sich gut an.

Der Alltag frisst mich auf. Aber hatte das Mittelalter nicht recht Heldentaten „Arbeit“ zu nennen? Soll ich mir einen Krieg wünschen, nur damit ich mich nicht langweile? Das wäre so ziemlich das niedrigste was ich mir denken könnte. Die Zeiten sind unruhig genug. Es gibt sie die Kämpfe. Und die „Gefahrengebiete“. Wir werden da noch einiges erleben. Stille ist Spießerwunsch? Nein, nur das Stillhalten wo man seine Stimme erheben sollte. Und eine Welt in der eben keine Ausländer gejagt werden und die Menschen glauben dürfen was sie wollen und den (meinetwegen Aber-) Glauben des/der Anderen akzeptieren und der Kapitalismus keine Kinder mehr frisst, wäre eine sehr schön ruhige, glaubt es mir. (War das jetzt wieder Pathos? Ja, aber gerechtfertigter.)

Ja, ich werde bald wieder nicht mehr weiter wissen. Mich alleine fühlen. Ich bin es. Weil ich mein Leben lebe. Und ich bin es nicht. Weil es euch gibt. Die die mich kritisieren -was ich manchmal nicht ertrage- und die die mich in den Arm nehmen. Was ich auch manchmal nicht ertrage. Dazwischen räume ich auf. Schreibe Texte. Gute und schlechte. Und die, die ich schlecht finde werdet ihr vielleicht am besten finden. Dazwischen werde ich da sprechen wo ich lieber geschwiegen hätte, und den Mund nicht aufmachen wo ich lieber gesprochen hätte.

Ich werde weiter den Himmel betrachten und mich auf das Meer freuen. Aber ich werde dabei über mich lachen.

Suche

Ich suche dich
schon lange.
Ich glaube fast
es gibt dich nicht.

Mein Blut schreit
nach dir. Ich halte
mir die Ohren zu
und schaue aus Fenstern.

Meine Seele ist
voller Spinnweben.
Das Glück ist
weit weg.

Ich esse und trinke,
schlafe nachts.
Sehe den Blättern
beim Fallen zu.

Ich sehe auf meine
Adern und lächele
ironisch. Dann
gehe ich weiter.

Ich suche dich
schon lange.
Ich glaube fast
es gibt dich nicht.

Hoffnung

Für A.

 

Ich liege in deinem
Schatten. Kauere
mich zusammen.
Komme zur Ruhe.

Ich bin zu spät
gekommen.
Für alles. Nun bin
ich aus dem Takt.

Ich renne mir
meinen Kopf blutig
an den Wänden
die mich umgeben.

Ich rede Unsinn.
Du drehst mir
die Worte um
bis ich lächele.

Meine Nerven
schreien Laut.
Du überreizt sie,
bis sie wieder einrasten.

Gütig wie Mondlicht.
Stark wie eine Bärin.
Hoffnung gebend
wie eine Möwe.