Die heilige Nutte

Das sind die Nächte in denen alles
möglich scheint.
Und du weißt das genau das
es furchtbar wäre.
Das sind die Nächte in denen
du weißt das du all die Bilder
in den Museen anschreien möchtest
und die 9. Symphonie so hören möchtest
wie Beethoven sie gehört hat.
Du fliegst mit Günderodes Luftschiff.
Stammelst kerouackisches Benzedringestammel.
Heulst Merzurlaute.
Du küsst kurz den blauen Jungen.
Dann verbrennst du schreiend
die Sonnenblumen von van Gogh
bevor Dr. Faustus dich ersticht.
Die Scham überlebt dich.
Das Lacrimosa.
Du verscherzt es dir mit allen.

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S. ist nicht verrückt

S. ist hungrig, aber er isst nichts. Denn S. hat zwar Hunger aber keinen Appetit. Aber das ist nicht das Problem von S. Was ist es denn? S. weiß es nicht. Vielleicht noch nicht. S. erträgt keine großen Menschenmengen. Nicht das S. Panikattacken bekommt. Oder doch?. S. erträgt sie einfach nicht, er möchte fliehen, sein Herz rast, er hasst jeden der einen bestimmten Abstand unterschreitet. S. ist nicht verrückt.

Manchmal versteht S. die Welt nicht. Das hat er schon als Kind nicht. Die Kinder kamen ihm zu albern vor. Er verstand schon damals nicht wie man sich mit solchen Sachen beschäftigen konnte. Er spielte in seiner eigenen Welt. Erlebte Abenteuer, die viel spannender und realer waren als das was er da draußen erlebte und was die Menschen „Realität“ nennen. Aber jetzt ist er erwachsen, oder? Er hat sich eingefügt. S. ist nicht verrückt.

S. liest viel. Bücher sind für ihn verständlich. Er hört jedes Wort und weiß, was es bedeutet. Es ist einfach in einem Buch die Situation zu überschauen. Findet S. Auch ist es für S. einfacher, Gespräche schriftlich zu führen. Bei anderen Gesprächen muss er auf zu viele Dinge achten. Das überfordert S. Also hat S. in dem was sie „Realität“ nennen, nicht viele Freunde. Manchmal trifft er jemanden dem es nichts ausmacht, das S. seltsame Abzweigungen nimmt und von einer Beobachtung zur nächsten springt. Dem es nichts ausmacht, das er oft gar nicht spricht und dann wieder Monologe hält. Das S. hin und wieder denkt, er ist seltsam und anders. S. ist nicht verrückt.

S. Körper verkrampft. Er möchte schreien. S. fühlt sich oft alleine. „Dann geh doch öfter raus!“, sagen die Menschen. „Ja“, sagt er. „Das ist es nicht.“, denkt er. S. weiß nicht wer recht hat. S. weint selten, aber wenn dann ohne Anlass, plötzlich und untröstbar. Manchmal verspürt er den Drang seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen, aber das hat er meißt unter Kontrolle. Früher war er oft wütend, rasend voller Hass. Er zerstörte Sachen und brüllte stundenlang. S.ist nicht verrückt.

S. ist so wie er ist. Das ist einfach und doch schwer. S. weiß das es bei den anderen genauso ist. S. wäre manchmal gerne anders, aber er möchte S. bleiben. S. weiß nicht ob das geht. S. hasst diese Menschen die nur auf Leistung aus sind. Über Leichen gehen. Die Menschen verachten, weil sie „nicht können“. S. ist nicht faul. Zumindest hofft S. das. S. ist so wie er ist. S. ist nicht verrückt.

S. ist kein Held. Aber er steht jeden Morgen auf. Tut Dinge, die er nicht versteht. S. lacht und weint und hilft anderen und lässt sich von anderen helfen und kocht und isst und ist ein Engel und ein Arschloch und mutig und hat Angst und betrinkt sich und bleibt nüchtern und gießt seine Blumen und bewundert die Sonne und den Mond und geht weiter. S. ist nicht verrückt.