Dunkler Wald

Dunkel war der Wald.
Nichts als Bäume zu sehen.
Weiß wie Schnee.
Rot wie Blut.
Schwarz wie Ebenholz.
Schaurig schreit eine Eule.
Die Vögel singen nicht.
Es ist als ob sich ein Grab öffnet.
Weiß wie Schnee.
Rot wie Blut.
Schwarz wie Ebenholz.
Sehnsucht dort hindurch zu gehen.
Und woanders herauszukommen.

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Frühling in Berlin (Teil 260)

Der Mai ist da.
Die Menschen sitzen draußen.
In meinen Gedanken ein Fluss.
Blumen blühen. Kinder werden erwachsen.
Meine Gefühle haben sich im Wald verlaufen.
Paare küssen sich. Sie sind glücklich.
Viele trinken Bier.
In meinem Wald wohnt ein Mädchen.
Noch ist das Gras grün.
Abends öffne ich ein Fenster.

Blues

Ich hab mich dem Teufel übergeben.
In einer Sommernacht. Es war warm.
Wir saßen im Moos und tranken Bier.
Ich unterschrieb lachend mit Blut.
Ich sang so schön ich konnte.
(Und ich konnte plötzlich viel.)
Worte fielen mir ein um dich zu erreichen.
Doch sonst erreichte ich nicht viel.
Ich sang so schön ich konnte.
Doch ich verstand die Menschen nicht.
Wusste nicht was sie dachten.
Wusste nicht was sie fühlten.
Ich tötete niemanden.
Vergoss kein Blut.
(Außer mein Herzblut.)
Aber fühlte nichts mehr.
Ich trank zuviel. Ich aß zuviel.
Ich betäubte mich. Ich lebte.
Es war in einer warmen Sommernacht.
Ich hab mich dem Teufel übergeben.

Waldspaziergang

Kurze Stunden draußen
wie gestohlen weil man
scheinbar nicht arbeitet
und nur der Stille lauscht.
(Und manchmal einem Specht.)
Alte dumme Lieder fallen dir
ein, aber um die geht es nicht.
Wir wissen doch worum es geht.
Aber die Kräuter riechen herrlich.
(Und der Schlaf hier tut gut.)
Vielleicht kann man das hier
doch genießen, ohne sich die
böse alte Zeit zu wünschen.
Liebe funktioniert ja auch noch.
(Sie wird sogar vielfältiger.)
So lass uns denn umarmen und
liegenbleiben später essen
wir etwas und genießen das Leben.
Und machen keinen Lebensplan daraus.
(Und wehren uns gegen die Oberförster des Lebens.)

Der Tod und das Mädchen

I’m a fountain of blood / In the shape of a girl / You’re the bird on the brim / Hypnotised by the Whirl
(Björk/Bacherlorette)

I.
Sie saß auf seinem Oberkörper und hob ihren silbernen Dolch. Sie sahen sich in die Augen. Er lächelte. Sie lächelte. „Liebst du mich?“, fragte sie ihn. Ihre helle, fast weiße Haut ließ ihr schwarzes Kleid noch dunkler erscheinen, ganz zu schweigen von ihren schwarzen Augen. „Ja.“, sagte er. Schlicht und wahr. Er wirkte fast schmutzig auf den weißen Bettlaken, obwohl er es nicht war. Seine blauen Augen schimmerten leicht. Sie waren feucht, es war fast als wenn er weinen würden. Fast. Er war glücklich, trotz der Situation  in der er sich befand.

Sie verweilte etwas mit dem Dolch in ihrer Position. Gefühle gingen hin und her. Dann stach sie zu. Blut spritzte. Färbte das Laken rot. Er spürte noch wie sie sein Blut trank. Dann wurde es dunkel.

II.
Am nächsten Tag wurde sie vom Kaffeeduft geweckt. Sie roch gleich, wer ihn gemacht hatte. Nur er war in der Lage, einen solchen Kaffe zu kochen. Er brauchte auch immer sehr lange damit. Sie stand auf und ging, nackt wie sie war, in die Küche. „Guten Morgen Abi!“, begrüßte er sie freundlich. Sie lächelte und nahm die Tasse mit dem Kaffee die er ihr entgegenhielt. Sie trank den ersten Schluck. Er war perfekt. Er lächelte als er sah das es ihr schmeckte. Dann trank er von seinem Tee. (Es war seltsam, aber so gut er Kaffee kochen konnte, er trank nie einen.) Sie saßen sich gegenüber und redeten. Was sie heute machen würden. Was er heute für eine Geschichte schreiben würde. Welches Bild sie malen würde. Welche Musik sie dazu hören würden. Sie waren sich einig und küssten sich. Dann gingen sie an ihre Arbeit.

Am Abend trafen sie sich wieder. Ihr Bild zeigte sie und ihn. Der Hintergrund war in Rot und Schwarz gehalten. Sie hielten sich aneinander fest und waren mit Stacheldraht aneinandergefesselt. Ihre Köpfe allerdings sahen ernst in jeweils eine andere Richtung. Er nickte ernst. Es gefiel ihm. Sie sah es, er musste nichts sagen. Dann las er ihr vor. Es war die Beschreibung eines Liebesaktes. Es wurde viel gebissen und geschlagen in dieser Geschichte. Trotzdem konnte sie die Liebe zwischen den beiden Helden der Geschichte spüren. Beide waren zufrieden. „Ich hole mal den Wein.“, sagte sie. Er setzte sich auf seine Lieblingscouch. „Der Wein riecht köstlich. Tannennadel, Heu und eine leichte Note von Tod.“ Sie lächelte unergründlich als sie ihm den Wein gab. Er wurde ernst. „l’chaim“, prostete er ihr zu. Sie gab ihm Bescheid. In einem Schluck trank er seinen Wein aus. Sie küssten sich. Als sie voneinander ab ließen, griff er an seinen Hals. Sie flüsterte ihm ins Ohr: „Ich liebe dich!“ Dann sank er zu Boden. Es wurde dunkel.

III.
Am nächsten Tag wachte er nach ihr auf. Sie tranken nur ein wenig Orangensaft und beschlossen heute in den Wald zu gehen. Sie sahen herrliche alte Bäume. Fliegen summten. Sie trafen keine Menschen. Sie küssten sich, an den Stamm einer Eiche gelehnt. Sie schliefen miteinander auf dem Moos. Hinterher fuhren sie wieder in die Stadt. Tranken Cocktails und berührten sich mit den Augen. „Heute Abend wieder?“ „Jeden Abend.“ Sie gingen nach Hause. Nicht sehr nüchtern.Die Fledermaus sang ihnen Liebeslieder. Er ging als erstes in die Wohnung. Sie warf ihm einen Schal über seinen Hals und fing an ihn zu würgen. „Ich liebe dich.“, konnte er noch keuchen. Dann zog sie fester zu. Es knackte. Er sackte zusammen. Es wurde dunkel.

IV.
Am nächsten Tag frühstückten sie gar nicht. Sie stiegen in ihren roten Opel Kapitän und fuhren ans Meer. Es war ein trüber, nasser Tag. Sie gingen Hand in Hand spazieren. Er schenkte ihr eine schöne Muschel. Sie sahen Quallen. Sie froren, aber das gefiel ihnen. Mittags aßen sie Fischfrikadellen und tranken Sekt dazu. Dann malten sie zusammen ein Bild in den Sand. Es war sehr schön und bestand nur aus Ornamenten. Die Muster flossen ineinander und sahen etwas mittelalterlich aus. Als es fertig war sahen sie es sich genau an und zerstörten es sofort wieder. Dann küssten sie sich. Legten sich in den Sand. Es fing kräftig an zu regnen. Sie blieben liegen und wurden sehr nass. Hielten sich dabei bei der Hand und ließen sich nicht los. „Ich werde dich taufen.“ Er schwieg. Immer noch Hand in Hand gingen sie ins Meer. Sie küsste ihn. Sie sahen sich in die Augen. Dann tauchte sie seinen Kopf unter Wasser.
Es wurde dunkel.